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Ist es zu spät für den Sommer?

"Sommer 2017. Ja, welcher Sommer eigentlich?" höre ich die Leute maulen. Die Daheimgebliebenen, die sich auf Balkonien, auf heiße Tage am See, auf eiskalte Weinschorle und unzählige Sonnenuntergänge gefreut hatten. Stattdessen? Brachten die vergangenen Wochen etwas, das sich nur mit Unbeständigkeit beschreiben lässt. Nichts Ganzes und nichts Halbes. Als Sommerkind merkte ich spürbar die Frustration. Klar, mit Baby liegen die Prioriäten ohnehin woanders, ich erlebe den Sommer anders, auf eine neue Art und Weise - fernab von Bikinilinien und Sangria - intensiv. Und doch schimpfte ich auch, verwarf luftige Kleidungskombinationen, auf die ich mich freute - weil das ja hier kein Sommer ist. 

Irgendwann Anfang August. Es ist Sonntag. Ich scrolle bei Daueregen seit Ewigkeiten mal wieder durch die Onlineshops. Will mich eigentlich modisch inspirieren lassen, sommerliche Freiheit und Leichtigkeit zelebrieren, auch wenn das da draußen eher nach Grobstrick und Rollkragen schreit. Mir springt ein Kleidchen ins Auge. Floral, leicht, beschwingt. Sehe es vor meinem inneren Auge im Sonnenuntergang, am Strand, in goldenen Feldern oder bei einer süßen Outdoorhochzeit. Klicke dann aber weg, denn "Ist es nicht schon längst zu spät dafür?! Für den Sommer?!" Meine Vernunft klappt den Laptop zu, verhindert den impulsiven Kauf, der ja viel zu spät käme und ohnehin, die Hitze kommt eh nicht mehr wieder. Sommer 2017 ein Kapitel, dessen letzte Seite gerade angebrochen ist. Ich kann die wenigen übrig gebliebenen Sätze schon vor mir sehen und bin geneigt, das Buch schon zuzuklappen, bevor es ausgelesen ist. Bei diesem Gedanken halte ich inne. 
Wie kann es sein, dass ich jetzt schon aufgebe? Nur, weil das Kapitel bald endet, heißt es doch nicht, dass ich keinen grandiosen Cliffhanger erwarten könne, dass der Inhalt lahm, abenteuerlos und trist sein muss. 





Sommer. Leichtigkeit. Freiheit. Motivation. Gedankenschleifen. Positive Energie. Das ist doch nicht an eine Temperaturanzeige gekoppelt. Das ist doch kein Umstand des Wetterberichts und der Anzahl gejagter Sonnenuntergänge. Es ist eine Einstellung. Eine Entscheidung FÜR etwas. Leichtigkeit und positive Gedanken ins Herz zu lassen, obwohl oder gerade weil es draußen in Strömen regnet. 

Es ist nicht zu spät für den Sommer. Es ist nicht zu spät dafür, ihn zu leben, obwohl er vielleicht anders ausfällt als erwartet. Wir müssen ihm nur eine Chance geben. Es ist niemals zu spät dafür, abenteuerlustig, frei, ungezügelt und neugierig zu sein. Wir müssen nur wollen und uns von stupiden Erwartungen lösen. 

Derselbe Sonntag. Einige (Regen)Stunden später. Ich sitze bei einem Glas Eistee auf dem Balkon. Die Luft riecht ganz frisch, befreit von Tristesse und Druck. Das hier ist kein unangenehmer Herbsttag, kein Vorbote auf schwere Stimmungen. Das hier ist wie ein Reinigungsprogramm für Körper und Geist. Um bewusster wahrzunehmen, um die an einer Hand abzählbaren wirklichen Sommertage umso mehr zu schätzen. Das Maximum ausschöpfen. Sommer, das ist nicht nur die Summe aus Bräunungsgrad, Sonnenstunden, Freibadbesuchen und Bierchen im Sonnenuntergang. Es sind unsere Gedanken, die Stimmungen, das bewusste oder unbewusste Einlassen auf Gefühle, Emotionen, auf geschärfte Sinne, Berührungen, auf das Miteinander. Es ist diese gemeinsam verbrachte Zeit - ob nun geschützt vor dem Regen auf dem Balkon mit einer Playlist, die gute Laune macht, Gesprächen, die bis spät in die Nacht reichen und nackten Beinen auf der Fensterbank. DAS ist Sommer. Ein vertrautes, kribbelndes Gefühl von Leichtigkeit, von Grenzenlosigkeit, dem Gefühl, dass einfach ALLES möglich ist. Wenn wir es wollen. Wenn wir es zulassen. Wenn wir aufhören, uns mit Temperaturanzeigen und Erwartungen zu limitieren. Es ist, was wir daraus machen.

Laptop auf. Ich suche das Kleid. Klicke es in den Warenkorb, im Wissen, dass ich es vermutlich viel zu selten tragen werde. Aber hey, wozu gibt es Herbst Boots und Strick? Ich bestelle es nach Hause und kann es kaum abwarten, die letzten Zeilen des Sommers darin zu zelebrieren.






Kleid - Dishee Fashion // Sandalen - Sarenza, alt, in Schwarz gibt es sie noch (affiliate link) // Tasche - Cox // Sonnenbrille - Le Specs (affiliate link)


 Photo Credit: The Lipstick Fox

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7 Kommentare

  1. Liebe Yasmin,

    oh bei deiner Beschreibung wie sich Sommer anfühlt, hatte ich Gänsehaut!!
    Wunderbar, die Worte werde ich mir in mein Notizbuch schreiben.
    Danke dafür!
    Schönen Restsommer ;)
    LG Eva

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  2. Wow das Kleid ist echt traumhaft schön ♥
    xoxo Jeanette Sophie

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  3. Liebe Yasmin,

    ich denke, Du hast das richtig gemacht. Zum einen kann man ja auch im Urlaub oder nächstes Jahr noch das schöne Sommerkleid anziehen, zum anderen, Strickjacke und feste Schuhe dazu, fertig! :-)
    Es wird zwar Herbst, aber noch nicht Winter ;-)

    Liebe Grüße,

    Tabea
    http://tabsstyle.com

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  4. Den Text ist einfach unfassbar toll geschrieben :) Die Bilder sehen natürlich auch klasse aus, aber der Text hat mich irgendwie total berührt...


    Liebe Grüße
    Ena von Just a swabian girl

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  5. Das ist ja ein super schönes Kleid! Ich hoffe, dass wir noch ein paar Sommertage bekommen werden :-*


    viele liebe Grüße
    Melanie / www.goldzeitblog.de

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  6. Wow, das Kleid ist ja wirklich ein Traum, auch wenn der Sommer sich langsam dem Ende zuneigt wird es hoffentlich im Herbst schöne sonnige Tage geben, in welchen man eventuell ein Kleid tragen kann...

    Liebe Grüße Kirsten

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  7. Wow, so schön geschrieben. Du müsstest echt mal überlegen, ein Buch zu schreiben. Du hast einen unglaublich schönen Schreibstil!

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