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10 Punkte, vor denen mich vor dem Mama-Sein niemand gewarnt hat

Guten Abend, meine Lieben!
Ab und an passiert es mir, dass ich in einer Situation gefangen bin und mir denke: "Hätte mir das nicht einmal jemand sagen können?!" Ihr wisst schon, unerwartete Gefühle, die einen übermannen, mit denen man nicht gerechnet hat oder schräge Situationen, die ihr noch nicht einordnen könnt. Passiert uns allen mal und auch wenn wir im Vorfeld immer so unsere Vorstellungen und auch Wissen haben, was uns so ungefähr erwartet, trifft man dann doch immer wieder auf Unerwartetes. So natürlich auch beim Mama-Dasein. Welche Dinge es sind, die für mich völlig neu und unerwartet kamen und bei denen ich mir dachte: "Mensch, davor hätte mich doch mal jemand warnen können!", verrate ich euch jetzt.


  1. Da gibt es diese Momente - bei mir meist abends, wenn ich Aliya ins Bett bringe, sie mich erst noch ganz intensiv anschaut, etwas brabbelt, die Augenlider langsam immer schwerer werden, bevor sie gänzlich zufallen, sie dabei dann ihre Einschlafschnute zieht und völlig entspannt in meinen Armen liegt - , die einen völlig umhauen. JEDEN TAG AUFS NEUE. Manchmal komme ich mir etwa merkwürdig dabei vor, aber ich liebe es, de Kleine beim Schlafen zu beobachten, mir bewusst zu machen, dass ich wirklich ihre Mama bin - für immer - und könnte in diesem Augenblick platzen vor Liebe und Stolz. Ein so all umfassendes Gefühl, intensiver als alles, was ich je zuvor gefühlt habe.
  2. Dass es so etwas wie Still-Demenz wirklich gibt. Lacht nicht, aber da MUSS etwas dran sein. Mein Scharfsinn und schnelle Auffassungsgabe waren immer so etwas wie mein Markenzeichen. Seit der Geburt habe ich aber manchmal das Gefühl, nur noch Brei im Hirn zu haben. Verknüpfungen dauern ewig, ich erzähle Stories doppelt und dreifach, vergesse ständig, was ich eben noch tun wollte und stehe so oft auf der Leitung, dass ich manchmal beginne, an mir selbst zu zweifeln. Kann es wirklich sein, dass man hormonell bedingt so sehr auf Babymodus eingestellt ist, dass die Gehirnleistung darunter leidet? Und noch viel wichtiger: Geht das wieder vorbei? 
  3. Dass man über sich hinauswächst. In der Schwangerschaft hört man immer nur lachend von anderen Schon-Eltern: genieß die letzten Nächte, schlaf nochmal richtig durch, warte erst ab, bis die Zähne kommen oder hüte dich vor den Schüben. Es ist eine regelrechte Panikmacherei. Aber soll ich euch was verraten? So wenig Schlaf ihr auch hattet, so anstrengend die Nächte und Tage im Schub waren, so fordernd euer Baby auch sein mag: ihr wachst über euch hinaus. Alles, was euch unmöglich erscheint, wird möglich. Irgendwie.  Ihr stellt euch darauf ein und irgendwann ist es gar nicht schlimm, nicht mehr als eine Stunde am Stück zu schlafen. Körper und Geist sind zu enormen Leistungen fähig und als Mutter (als Vater natürlich auch) wachst ihr einfach immer und immer und immer wieder über euch hinaus, ja überrascht euch zuweilen selbst. Vor allem dann, wenn ihr so richtig fertig seid und nie im Leben gedacht hättet, dass ihr noch Energie und Reserven findet. Das muss so eine Art verborgene Superpower sein.
  4. Diese nagenden Unsicherheiten. Ich würde behaupten, dass ich recht gut weiß, was ich will und sehr stark auf mein Bauchgefühl vertraue. Alles kann ich nicht richtig machen und schon gar nicht perfekt, gehe aber davon aus, doch Einiges für UNS richtig anzugehen. Und doch sind da diese verrückten Unsicherheiten, diese Vergleiche mit anderen. Ich will das nicht, ich wehre mich dagegen und erwische mich dennoch immer wieder dabei. An sich ist der Vergleich ja auch nicht sooo schlimm. Nervig wird es erst, wenn man anfängt, sich ständig in Frage zu stellen. Macht man es vielleicht doch "falsch"? Ist der "andere Weg" der "bessere"? Wieso klappt das bei denen so easy und bei einem selbst nicht (merke: von außen sieht vieles schnell easy aus, also nicht zu vorschnell urteilen!).
  5. Dass ihr eure Vorhaben getrost über Bord werfen werdet. Eine Lektion, die ich ziemlich schnell gelernt habe: es kommt eh anders, als man denkt. In der Schwangerschaft und auch zuvor hat man immer so seine süßen Vorstellungen. Wo das Baby schlafen wird, wie es einschläft, wie der Alltag abläuft und dass sich gar nicht so viel ändern wird. Stimmt zumindest teilweise. Ihr werdet euch aber auch erwischen, plötzlich eure Prinzipien über Bord zu werfen, weil ihr merkt, dass sie bei eurem Baby einfach nicht klappen und sich kein Muster der Welt stupide anwenden lässt. Fakt ist: man kann vorher nicht wissen, ja sich nicht einmal ansatzweise ausmalen, wie das Leben mit Baby sein wird. Kein Wunder also, dass Vorstellungen auf die Realität treffen und beide nicht immer zu vereinbaren sind. Da heißt es: "think outside of the box!" Seid flexibel, seid locker, probiert euch aus und hört auf über dieses steife "Aber eigentlich wollte/sollte ich das so und so machen..." nachzugrübeln. Spontanität und ein bisschen Mut, auch einmal ungewohnte Wege zu gehen, werden euch weiterhelfen.
  6. Dass man sein größter Kritiker wird. Glaubt mir, bevor andere mit ihren guten Ratschlägen ankommen, ist man als Mutter selbst bereits der größte Kritiker (und übersieht meist doch irgendetwas, völlig normal, völlig okay). Manchmal wünschte ich mir von mir selbst, nicht ganz so hart mit mir ins Gericht zu gehen und öfter mal zu sagen: joa, du machst das eigentlich doch ganz gut fürs erste Mal. Stattdessen greift dann oft - ohne Grund und Anlass - Punkt 4. Nervig, aber ich arbeite daran!
  7. Dass man öfter als einem lieb ist, den Partner (und wenn wir mal wieder überdramatisch sind, auch alle anderen Menschen auf diesem Planeten) für Freizeit beneidet (ja, da wirkt selbst die Arbeit und der Umgang mit Kollegen wie coole Freizeit) und in super stressigen Situationen deswegen gerne mal grummelig wird, ja nahezu wütend, wenn jemand kostbare Zeit einfach so verschwendet. Mamasein ist ein 24/7 Job, Bereitschaftsdienst, den man mit so viel Liebe, so viel Hingabe ausübt. Aber auch in den besten Jobs gerät man an seine Grenzen. Ob man als Paar mit Baby aneckt? Natürlich. Vor allem dann, wenn eine anstrengende Phase ansteht und man den ganzen Tag ausnahmsweise mal keine freie Minute für sich hatte, selbst der Gang zum Klo mit Babyschreien begleitet wird (ja, solche Tage gibt es, nicht häufig, aber sie existieren!). Wenn man sich dann auf den Abend freut und die 2-3h nur für sich, aber auch das ins Wasser fällt, weil das Baby heute mal besonders viel Nähe braucht und man diese auch gerne gibt. Wenn man sich mit dem Abendessen ins dunkle Zimmer setzt und einfach das Kind so lange im Arm schunkelt, beobachtet und leise vor sich hinsummt, geht einem nicht nur das Herz auf, sondern manchmal, ja manchmal schummelt sich ein fieses Gefühl dazwischen. Blanker Neid. Es ist eine völlig absurde Gefühlslage, auf die einen keiner vorbereitet hat im Vorfeld. Man ist voller Liebe, könnte dieses kleine Wesen vor Glücksgefühlen fressen und am liebsten nichts anderes tun, als bei ihm zu sein und doch erwischt man sich dabei, wie man nach einem anstrengenden Tag ein wenig neidisch ist, wenn das Beruhigen nur bei Mama funktioniert und der Partner stattdessen zockt, in Ruhe isst, ja meinetwegen auch entspannt sein Geschäft erledigen kann. Man erwischt sich dann bei dem Gefühl, dass sich das eigene Leben um 180Grad gewendet hat, während der Partner zwar auch enorme Veränderungen erlebt, aber eben nicht so markerschütternd wie bei der Mama (Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel, ich will auch keinem Mann zu Nahe treten, aber im klassischen Modell ist es ja doch oft in der Anfangsphase die Mama, die rund um die Uhr versorgt). Das ist vielleicht eine krasse These und hängt vermutlich auch damit zusammen, dass durch das Stillen keine Mahlzeiten oder Nachtschichten durch andere Personen übernommen werden können oder in richtig harten Zeiten eben nur Mama funktioniert, aber es sind reale Gefühle. Die können einen übermannen, völlig fertigmachen, weil man sich schäbig dafür fühlt, bereiten ein riesiges schlechtes Gewissen - Baby und Partner gegenüber - sind aber völlig okay, ja normal. Wir reden hier ja auch nicht von einem Dauerzustand, sondern einem Fünkchen eines Gefühls, das einfach mal plötzlich auftauchen kann und meist genauso plötzlich wieder verschwindet. Darüber reden sollte man aber dennoch mit seinem Partner. Ganz offen, ganz ehrlich, ganz ohne Scham. Und weil ich nicht will, dass mitlesende, werdende Mamas sich schlecht fühlen, wenn es bei ihnen mal soweit sein sollte mit diesem blöden Gefühl, hat es auch hier einen Platz verdient.
  8. Dass man schon wenige Monate nach der Geburt ein minikleines Baby vor sich hat, das jeden Tag wächst, lernt und gedeiht und man plötzlich völlig emotional der Mini-mini-Babyzeit hinterhertrauert. Wieder so eine verrückt verzwickte Gefühlslage. Man möchte, dass das Kind heranwächst, lernt und die Welt entdeckt und zeitgleich aber auch die Zeit anhalten, ja gar zurückspulen, noch intensiver aufsaugen und konservieren. Man freut sich gleichermaßen auf neue Meilensteine oder Vorhaben wie beispielsweise erste Beikost, fürchtet sich aber gleichzeitig vor ihnen, weil die Zeit einfach so wahnsinnig rennt und das kleine, abhängige Minibaby plötzlich gar nicht mehr so klein ist. Ich sagte ja...verrückt und ambivalent. Verstehe einer die Hormone der Neu-Mamas.
  9. Dass man so viele Facetten seiner Persönlichkeit neu oder wieder entdeckt. Ebenso wie die komplette Sichtweise auf die Welt. Mit Kind wurde mir erst einmal deutlich, wie trüb der Erwachsenenblick ist, wie wenig wir uns im Alltag auf die kleinen Dinge besinnen, die für die Allerkleinsten unter uns die Welt bedeuten können. Mittlerweile bleibe ich viel öfter stehen, beobachte meine Tochter, wie sie die Welt beobachtet und erkenne dabei so viel mehr als je zuvor. 
  10. Dass man Angst haben wird. Große Angst. Natürlich nicht jeden Tag und ständig, aber sie ist da. Ich kann mittlerweile keinen Film mehr schauen, bei dem was mit Kindern und Babys passiert, ohne auf Aliya zu projizieren und "Was wäre wenn"-Szenarien im Kopf durchzuspielen. Meist schiebe ich böse Gedanken gleich wieder weg, aber ich hatte noch nie in meinem Leben unterschwellig so viel Angst um einen Menschen. Ok, ich hatte auch noch nie im Leben so einen großen Schatz ;) Das soll jetzt natürlich nicht heißen, dass ich uns verschanze und in ständiger Panik leben - um Gottes Willen! Aber ich schätze Gesundheit sehr viel mehr und kann vor allem Entscheidungen von Müttern, aus bloßer Angst und Sorge, viel besser nachvollziehen als ich es vielleicht als Teenie gekonnt hätte.

Fallen euch denn noch weitere Dinge ein? Wovor hätte man euch warnen sollen?

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11 Kommentare

  1. Ich kann jeden Punkt absolut unterschreiben. Also ich denke auch, dass ich an dieses Mama-Thema schon recht realistisch rangegangen bin, aber wie sehr ein Baby das Leben von heute auf morgen, ach was sag ich, von ins Krankenhaus etc. rein zu aus eben jenem wieder raus, verändert, kann man meiner Meinung nach vorher echt nicht abschätzen. Ebenso hätte ich gedacht, dass einem andere Dinge fehlen werden, ich meine so das Klassische ins Kino gehen, Wellness-Zeit und so, aber dass es mir mal fehlen wird einfach (im Auto) ohne Kopfhörer mal richtig laut Musik zu hören, daran hab ich mit keiner Silbe gerechnet. Auch nicht, dass man manche Vorhaben SO schnell über Bord wirft und andere wiederum auf einmal SO sehr zu schätzen weiß/als wertvoll empfindet.
    Diese Selbstkritik kenn ich nur zu gut und mir ist aufgefallen, dass ich auf einmal viel komplizierter denke, was angesichts der Stilldemenz ein Wunder ist. Situationen (Essen gehen, Urlaub machen etc.) werden von mir im Vorhinein soooo sehr auf mögliche auftauchende Probleme durchdacht, dass ich mir regelmäßig absolut selbst im Weg stehe-DAS kenne ich von mir sonst so gar nicht. Ich könnte noch jeden deiner Punkte kommentieren, aber das geht zu weit...
    Danke für diesen Post!!
    Liebe Grüße

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    1. Hallo Trine,
      vielen Dank für dein Feedback. Ich kann deinen Kommentar nur unterschreiben. Gerade auch diese Kleinigkeiten wie du schon sagtest: einfach mal extrem laut Musik hören ohne Rücksicht zu nehmen etc. Es ist echt faszinierend, an was man alles vorher nie im Leben gedacht hat.

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  2. Auch ich könnte jeden Punkt unterschreiben. Am bewundernswertesten finde ich diese unglaubliche Liebe zu diesem kleinen Menschen. Es ist viel schöner als ich es mir vorgestellt habe. Diese Liebe verleiht einem Flügel und plötzlich sind die eigenen Wehwehchen so klein. Vor allem nach der Geburt hatte ich viel mit Schmerzen zu kämpfen und dennoch habe ich sie einfach so weggesteckt, nur um für das kleine Wunder da zu sein. Die eigenen Prioritäten sind auf einmal auf den Kopf gestellt. Am schlimmsten dagegen finde ich diese Angst. Sie wird uns wohl für immer begleiten.
    Liebe Grüße
    Jana

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    1. Oh ja, das kann ich auch gut nachvollziehen. Klar, man merkt Schmerz oder wenn eine anstrengende Phase da ist, aber die sind im Nu vergessen, wie weggeblasen.
      Liebe Grüße

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  3. Witzig wie verschieden wir Menschen sind und wie einiges doch bei allen gleich ist! Was mir davor niemand gesagt hat: überall ist man auf einmal der Mittelpunkt. Das begann ja schon in der Schwangerschaft, aber jetzt mit Baby ist es einfach krass. Nicht nur die Familie will am liebensten immer alles wissen und neue Fotos haben, auch beim Einkaufen kommen ständig Leute die fragen wie alt die Maus denn ist oder sagen wie niedlich sie aussieht etc. Das ein Baby auch bei "Außenstehenden" solche Gefühle auslösen kann lässt die Welt wieder ein Stück friedlicher erscheinen. :) LG Mia

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    1. Interessanter Zusatz mit dem Mittelpunkt und absolut wahr. Ich hatte erst heute wieder so eine Begegnung beim Spaziergang, wo ich in ein Gespräch verwickelt wurde - aufgrund der Kleinen. Verrückt!

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  4. Oh ich danke dir so sehr für diesen Post, allen voran für Punkt 7. Ich hab Laura gegenüber schon so ein schlechtes Gewissen deshalb aber an manchen Tagen beneide ich den Papa auch darum das sein Leben einfach weiter geht während meines plötzlich völlig anders ist und ich gefühlt nur noch sehr wenig Einfluss auf den Tagesablauf habe.
    Liebe Grüße
    Jenny

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    1. Deswegen habe ich ihn ja aufgenommen. Es denkt doch echt jeder mal so und das ist völlig okay.
      Fühl dich gedrückt

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  5. Ein toller Post. Ich könnte bei jedem Punkt ganz genauso zustimmen. Vor allem bei den Vorsätzen. Egal welche Vorstellungen man in der Schwangerschaft von sich als Vorzeige-Bio-Entspannte-Mama hat - nichts davon wird auch so sein. Denn auch das Baby hat seinen eigenen Plan und vor allem seinen eigenen Kopf.
    Viele Grüße Bianca
    http://ladyandmum.blogspot.de

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    1. Genau! Das unterschätzt man nämlich total. Ich selbst habe da auch ehrlich nie vorher nachgedacht, dass das Baby vielleicht gar nicht so ist, wie ich das mir im Kopf vorstelle :D

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  6. Dein Post hat mir die ein oder andere Träne entlockt :) Ich bin sehr gefühlsduselig seit unser Mini in meinem Bauch herangewachsen ist. Du sprichst mir mit jedem deiner Punkte aus der Seele. Danke das du dir die Mühe gemacht hast um das alles aufzuschreiben:)

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