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Das "zu viel wollen und zu wenig Zeit haben" Dilemma

Wisst ihr, ich will ehrlich mit euch sein. Allen Aufgaben und vor allem seinen eigenen Ansprüchen gerecht zu werden, ist mit Baby enorm schwierig. Dabei meine ich nicht einmal den normalen Baby-Alltag, denn der hat sich mittlerweile ganz gut eingespielt. Wir sind ein Team, Stefan, Aliya und ich. Und auch wenn es anstrengendere Tage gibt, verfliegen die restlichen mit einer Leichtigkeit, die ich mir so vorher nur wünschen konnte. Ich habe eine neue Rolle, die ich mit Leidenschaft ausführe, in die ich hineingewachsen bin und alte Abläufe und Aufgaben wurden durch neue ersetzt. So ist das nunmal im Leben. Was aber gleich geblieben ist? Das hier. Dieser Blog. Zumindest in meinem Kopf. Einige Dinge habe ich ganz ohne Tränen aufgegeben. So etwas wie Durchschlafen zum Beispiel. Ist halt so, lässt sich nicht ändern und eigentlich auch gar nicht so wild, wie ich dachte. Man opfert so einiges für sein kleines Kind und das mit größter Freude. "Opfern" ist eigentlich das falsche Wort, klingt so negativ. Aber kann man überhaupt von Opfern sprechen, wenn das, was man im Austausch bekommt so viel besser, so viel ausfüllender ist als all die Dinge, für die eben jetzt nicht mehr ganz so viel Zeit übrig bleibt? Nein, es ist kein Opfer. Es sind einfach veränderte Prioritäten. So erhalten völlig neue Lebensinhalte Wichtigkeit und stellen Davorgewesenes in den Schatten. Da fällt es leicht, "zu opfern".

Mir macht es nichts aus, manchmal unbequem zu schlafen, weil die Kleine unruhig ist und am liebsten ganz nah an mich gekuschelt schläft. Mir macht es nichts aus, dass sie unseren Tagesrhythmus vorgibt und ich nicht mehr so genau planen kann wie früher. Mir macht es nichts aus, dass mein Leben strukturierter abläuft und wir abends statt auszugehen, gemütlich Zuhause verbringen mit unserem Ritual, unseren ganz eigenen kleinen Abläufen. Mir macht es nichts aus, dass man als Mama eines so kleinen Babys erst einmal die eigenen Bedürfnisse etwas zurückstellt, um alles für den kleinen Wurm zu geben. Denn Letztlich gäbe es so viele Unternehmungen und To Do's, die früher ohne Baby sehr viel einfacher im Alltag integriert waren, die es aber auf der Prioritätenliste einfach nicht mit dieser neuen Erfahrung aufnehmen können und man am liebsten jede Sekunde mit diesem kleinen Wesen verbringen wollen würde, um es beim Wachsen zu beobachten, bei ersten Schritten zu begleiten und am liebsten Nichts verpassen möchte.

Alle paar Wochen befinde ich mich dann aber im Zwiespalt. Baby, Haushalt, eigene Freiräume, Zeit zu Zweit und mit Freunden. Irgendwie, ja irgendwie funktioniert das alles doch ganz gut zusammen. Nur leider nicht immer so, wie man es sich wünscht. Man muss entscheiden, auswählen, für was man die wenige "Freizeit" nutzen möchte. Dadurch vernachlässigt man automatisch immer die ein oder andere Sache, aber erhält auch ein völlig neues Gefühl von Zeit. Man wertschätzt, man vergeudet nicht mehr, man ist effizienter, will jede Sekunde auskosten, statt in den Tag zu leben - so wie früher.

Als Mutter hat man gefühlt, 100 Aufgaben gleichzeitig zu stemmen, hat den hohen Anspruch an sich selbst, allen gerecht zu werden. Dadurch entsteht allerdings Druck, der es nicht einfacher macht. In den meisten Fällen funktioniert das alles ganz gut. Ich picke mir Dinge auf meiner Prioriätenliste heraus, packe sie an und mache mir keinen Stress, wenn es mal nicht so klappt. Lasse den Haushalt Haushalt sein, umdiese kostbaren und nie wieder kommenden Momente mit meiner Kleinen zu verbringen oder abends ein wenig Zeit für mich zu haben, wenn mir danach ist. Ihr versteht, was ich meine.

Und doch gibt es alle paar Wochen den Punkt, wenn eine Woche außergewöhnlich stressig war und es hier ganz plötzlich ungewöhnlich ruhig wird, an dem Druck entsteht. Vor meinem richtigen Baby gab es dieses Baby hier, das ich regelmäßig, ja täglich umsorgt habe, mit Inhalten fütterte, es wie meinen Augapfel hütete. Auch wenn ich nicht einmal überlegen müsste, was wichtiger ist und ich dieses Blogbaby jede Sekunde für das richtige Leben, für meine kleine Familie aufgeben würde, wenn ich es müsste, nagt es manchmal an mir, dass ich nicht immer die Zeit, die Liebe aufbringen kann, wie ich es mir wünschen würde. Wie ihr es hier gewohnt seid.

Ja, ich höre euch schon sagen: "Yasmin, mach dir keinen Druck, mit Baby ist das anders, du bist uns nichts schuldig und das Real Life geht immer vor." Recht habt ihr. Aber das schlechte Gewissen, wenn es hier nicht wie gewohnt weitergeht und ungewöhnliche Ruhe herrscht, ist dennoch da. Ganz leise pochend im Hinterkopf. Als hätte man jemanden plötzlich ganz stiefmütterlich behandelt und vergessen, obwohl man so gern mehr geben würde, es aber einfach phasenweise nicht immer so gut klappt.

Nun ja, ich schätze, das ist eine Sache, die ich mit mir selbst ausmachen muss. Was wichtiger ist, steht außer Frage und doch will ich das hier, dieses zweite Baby ungern verkümmern lassen. Also müssen Pläne geschmiedet und Kompromisse gefunden werden. Bessere Organisation, besseres Timing, mehr Brainstorming und veränderte Inhalte. Statt aufwendigen Shootings - die es mit Sicherheit auch mal wieder geben wird - viel mehr Alltagsmomente. Gelegenheiten müssen am Schopf gepackt werden, Multitasking unabdingbar.

So wie etwa gestern, als ich mit meiner Schwester noch eine Runde mit dem Kinderwagen gedreht habe, das Wetter gerade gepasst hat und wir ganz fix und ganz unspektakulär vor einem hübschen Ladengeschäft ein paar Outfitfotos schossen.Aus dem Alltag heraus, praktisch, schlicht mit einem kleinen Twist (Danke an dieser Stelle übrigens für den regen Austausch bei Instagram Stories über meine Einkäufe!) in Form von Hingucker-Sneaker (die Stefan übrigens ähnlich kreativ kommentiert hat, wie im letzten Beitrag besprochen) und Basics wie Streifenshirt, Lederjacke und bequemer Jeans, die einfach in jeden Kleiderschrank gehören und schnell zur Alltagsuniform mutieren, vor allem wenn sie in so frischen Frühlingsfarben daherkommen.








Jeans - Asos // Shirt - H&M Men // Lederjacke - Asos // Sneaker - Asos // Tasche - Mango, alt // Sonnenbrille - Le Specs



Wie geht ihr damit um, wenn im Leben nicht alle Dinge gleichzeitig wie am Schnürchen laufen? Habt ihr Tipps, um sich besser zu organisieren oder den eigenen Druck etwas zu nehmen?


 

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7 Kommentare

  1. Liebe Yasmin,
    ich lese deine Texte wirklich sehr gerne, weil sie einfach authentisch sind. Für mich als Leser sind solche Texte viel schöner als welche ohne Herz, wie es sie auf anderen Blogs so viele gibt. Bleib so wie du bist, und lieber weniger Texte, als diese Authentizität verlieren :)
    Ich habe in den letzten Wochen auch meine Prioritäten verschoben und am Anfang hat es mich wahnsinnig gewurmt, nicht mehr so viel Zeit für spaßige Dinge zu haben - dabei hab ich nur mit etwas Sport angefangen :D Mittlerweile denke ich mir, ich mache alles eins nach dem anderen und mehr als geht geht eben nicht und wenn ich für irgendwas bestimmtes keine Lust habe oder mir etwas anderes in dem Moment wichtiger ist, ist es eben so. Dann wird es eben nicht gemacht, sondern wird, wie Sonntag eben ein komplettes Buch gelesen :)
    Viele liebe Grüße
    Franziska

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  2. Ein toller Post und vor allem ehrlicher Text! Ich habe es aufgeben, mich über die Dinge auf zu regen, denn was passiert, das passiert. Manches kann man nicht ändern.

    Die rosa Jacke gefällt mir total gut und von Streifen bin ich ja sowieso total begeistert! :-*

    viele liebe Grüße
    Melanie / www.goldzeitblog.de

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  3. Vor allem das mit dem Fotos machen ist mit Baby natürlich viel schwieriger, als ohne. Das kann ich total nachvollziehen, immerhin findet man auch ohne Baby manchmal einfach keine Zeit jetzt die perfekten Fotos zu schießen. Manchmal läuft es einfach nicht. Aber es kommen bestimmt auch wieder bessere Zeiten :)
    Mir gefallen solche spontanen Fotos übrigens auch sehr gut, das Outfit ist echt hübsch :)
    Liebe Grüße,
    Leni :)
    http://www.sinnessuche.de

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  4. ich finde dein Outfit ganz bezaubernd! So schön schlicht und lässig! Besonders die Schuhe mag ich, ähnliche habe ich auch und finde die machen jedes Outfit perfekt ;-)

    xx Alena
    lookslikeperfect.net

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  5. Hallo Yasmin
    Auch wenn ich deine aufwändigen Posts und Shootings sehr schätze, mag ich auch diese einfachen Posts, die einfach nur Eindrücke aus dem Alltag zeigen und dabei dennoch bei dir immer hochwertig aussehen. Deine Fotos sind immer toll, ich mag deine Outfits sowieso und denke daher wirklich, dass du das entspannt nehmen kannst.
    Auch dieses Mal: Ein schöner, frühlingshafter Look. Die Lederjacke ist ganz toll und du strahst sehr schön auf den Fotos.
    LG Jasi
    www.marmormaedchen.ch

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  6. Hallo Jasmin,
    Ich habe zwar kein Kind kann dich aber durchaus verstehen.
    Ich habe zur Zeit ähnliche Probleme alles unter einen Hut zu bekommen. ich habe einen super Planer gefunden in dem genügend Platz ist für die einzelnen Tage, Essensplan, Einkaufsliste, To-Do-Liste und Notizseite. Der Kalender ist auch ohne Datum. Das kann man selbst eintragen, so verwendet man auch keine Seiten. Vielleicht wäre das etwas für dich? Ich hänge Dir mal den Link bei da gibt es noch anderes��

    https://www.odernichtoderdoch.de/weekly-planner-i-m-not-sharing-my-coffee?c=695

    Liebe Grüße Eileen

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  7. Ich kann dich soooo gut verstehen! Ich bin jetzt 6 Wochen Mama und hab ungefähr an 2 Tagen in der Woche das Gefühl ich hätte mein Leben im Griff...an den restlichen schwimme ich vor mich hin in der Hoffnung, irgendwann ans Ufer zu kommen. Gerade bin ich sehr dankbar das die Kleine mal ein paar Minuten ohne mich schläft, denn das kommt leider viel zu selten vor.
    Aber wie du so schön sagst: man weiß für was man diese "Opfer" bringt und tut es beim eigenen Kind doch sehr gerne (innerlich hoffe ich aber, das ich mein Leben doch irgendwann wieder etwas mehr auf die Reihe bekomme :-) )
    Liebe Grüße
    Jenny

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