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Mein Geburtsbericht der kleinen Aliya

Der wohl persönlichste und intimste Post, den ich je verfasst habe: Aliyas Geburt.

Ob ein Geburtsbericht nicht zu persönlich ist, um online zu stellen? Eine Frage, die ich mir auch immer wieder stellte. Natürlich handelt es sich um ein absolut intimes Erlebnis und gleichzeitig ist es das Natürlichste der Welt. Vor der Geburt habe ich es geliebt, sämtliche Geburtsberichte in Video- und Textform zu verschlingen. Irgendwie bedeutete es, dass ich mir ungefähr ein Bild machen konnte, was auf mich zukäme. So ungefähr. Keine Geburt ist gleich und letztlich helfen die Erfahrungen anderer in der eigenen Situation kaum weiter. Aber je mehr ich diese Berichte las, desto mehr ließ ich mich darauf ein, dass so eine Geburt nicht planbar ist, absolut individuell und vor allem machbar. Zeigen solche Berichte doch auch, dass es so viele andere Frauen bereits geschafft haben. Also würde ich das doch auch meistern, oder nicht?! 
Ein Geburtsbericht kann Fragen aufwerfen, Angst machen oder aber man nutzt ihn so wie ich und versucht, Positives herausfiltern. Sieht ihn als Chance an, Mut zu machen, vorzubereiten und im Nachhinein auch zu verarbeiten. Solche Berichte können anderen Frauen Stärke verleihen und Kraft schenken und ein wenig auch die Angst vor dem Ungewissen nehmen. Und genau aus diesem Grund möchte ich meinen Geburtsbericht mit euch teilen.

7./8.12.2016:  Sind das jetzt schon Wehen?


Wer meine Vlogs vor der Geburt gesehen hat, weiß, dass die Kleine auf sich warten ließ und ich immer mal wieder von Unterleibsschmerzen erzählte. Aber war das jetzt schon der richtige Schmerz? Woher soll man das auch wissen? Mütter sagen immer, man würde schon merken, wenn es richtig losginge. Aber eine Unsicherheit bleibt trotzdem. Geht es urplötzlich mit einem Knall los oder doch schleichend? Würde es so wehtun, wie gedacht? In den Ratgebern steht immer, man solle die Abstände zwischen den Schmerzen messen. Was aber, wenn da keine richtigen Schmerzen sind, nur leichtes Ziehen? Also tat ich das. Zwei Tage lang.  Als es dann auch beim letzten Kontrolltermin bei meiner Gynäkologin auf dem CTG Gerät ersichtlich war, dass es sich um Wehen handelt, stieg die Aufregung. Es könnte jederzeit losgehen, sagte man mir und ich ging mit freudiger Erwartung nach Hause, lackierte mir noch einmal die Nägel, prüfte die Kliniktasche und schlief ausgiebig.


9.12.2016: Der Startschuss ist gefallen.


Nachdem der 7.12. also vielversprechend klang, war ich am Tag darauf eher frustriert, weil es doch länger dauerte als vermutet. Geduld ist nicht gerade meine Stärke. Deswegen nahm ich mir den Druck und zog mit Stefan am 8.12. das gewöhnliche Programm durch. Spazieren gehen, lecker kochen, Serienmarathon starten und zwischendurch aus Spaß ein bisschen Bauchtanz. Angeblich soll das Wehen fördern. Zum Nachmittag hin wurden die Abstände dann kürzer, nach einer heißen Badewanne noch einmal, so dass ich mir sicher war, dass es die Nacht losgehen würde. Um also etwas Schlaf zu bekommen, ging ich zeitig ins Bett und wurde nachts um 2 von den stärker und kürzer werdenden Wehen wach, auch wenn ich mir "Wehen" stets anders vorgestellt hatte. Das regelmäßige Zwicken tat dann schon mehr weh, so dass ich nicht mehr in den Schlaf fand und auf die Couch zog, damit Stefan noch ein bisschen schlummern konnte. Die Abstände waren zwar schon bei 5 Minuten und man sagt immer, das wäre so die Grenze, um ins Krankenhaus zu fahren, aber da es mir noch zu gut ging und ich mich wohl fühlte, beließ ich es dabei.

Immer wieder ging mir durch den Kopf, dass diese Wehen nicht stark genug wären. Es sich lediglich wie stärkere Menstruationsschmerzen anfühlt und ich noch nicht das Gefühl hatte: "So, das sind sie!", wie so oft prophezeit wurde. Also wartete ich ab. Bis 5 Uhr um genau zu sein. Dann wurde die Sache doch schon stärker, so dass ich rübergehen wollte, um Stefan schon einmal zu wecken, damit wir in Ruhe duschen und frühstücken könnten, bevor dann alles womöglich zu schnell geht.
Tja, kaum aufgestanden, machte es Knack in mir und ich ahnte, dass das die Fruchtblase sein musste, die geplatzt war. Ganz unscheinbar, ohne großes Trara wie im Film. Ab da wusste ich aber, dass es ernst wird und es wirklich losgeht. Also schnell Stefan aus dem Bett gescheucht (der Arme stand plötzlich wie eine 1 im Bett vor Schreck), im Krankenhaus angerufen und nach Absicherung mit dem Kreißsaal sollte ich in Ruhe alles zusammen packen, noch was essen und dann losfahren. Die Schmerzen wurden ab da dann auch deutlich intensiver und ich musste bereits in den Vierfüßlergang gehen und mit den Hüften kreisen. So kam ich dann auch gegen 6.30Uhr im Kreißsaal an und begrüßte die Hebammen auf allen Vieren. Nicht jedoch, ohne ein Witzchen zu reißen. Trotz der intensiveren Krämpfe ging es mir doch noch echt gut und statt Angst oder Nervosität war da diese kribbelnde Aufregung, diese Vorfreude und gerade in dieser Phase war ich doch zu Scherzen aufgelegt, was ich nicht erwartet hatte.


Die erfreudig kurze Eröffnungsphase - vielleicht wird das ja doch ein Spaziergang?

Was dann passiert, wenn man die Entbindungsstation betreten hat? Erstmal ankommen, untersuchen und schauen, wo man steht. In meinem Fall hieß das, dass ich bereits die Hälfte der Eröffnungsphase geschafft hatte. Für alle, die von so einer Geburt keine Ahnung haben: es gibt die Eröffnungs- und die Austreibungsphase (und einen Übergang). Erst wenn der Muttermund sich 10cm geöffnet hat, fängt das eigentliche Pressen an, was ja den meisten aus Filmen geläufig sein sollte - statt aber in Lichtgeschwindigkeit, wie Filme oft suggerieren, dauert so eine Geburt bei der ersten Entbindung im Schnitt 12 Stunden oder wie meine Hebamme sagte: alles zwischen 30min und 60h wäre möglich. Diese erste Phase soll es aber meist in sich haben und zieht sich gerne über mehrere Stunden, wobei die Austreibungsphase (was für ein merkwürdiges Wort!) meist nicht länger als 2h dauert und trotz immenser Schmerzen als angenehm empfunden wird, weil man als Frau endlich aktiv mitarbeiten kann. So viel zur Theorie.

Ihr könnt euch also vorstellen, wie happy ich war, als ich hörte, dass ich mit minimalen Schmerzen bereits die Hälfte geschafft hatte und mir kam das erste Mal in den Sinn, dass das vielleicht doch eine schnellere und unkompliziertere Geschichte werden könnte als vermutet. Spoiler Alert: so kam es dann natürlich nicht. Ganz so easy sollte ich die kleine Maus nicht in den Armen halten dürfen. Spätestens als ich wieder einmal Bekanntschaft mit der Kotztüte machte bei den ersten heftigeren Wehen, wusste ich, dass da noch mehr käme. Aber selbst hier konnte ich noch humorvoll bleiben. Irgendwie war es ja typisch, dass die Schwangerschaft genauso enden sollte wie sie angefangen hat.

Die kommenden 1,5h hatte ich dennoch recht positiv in Erinnerung. Die Wehen ließen sich durch kreisende Bewegungen mit der Hüfte gut verarbeiten, ich konnte noch snacken und trinken, hörte nebenbei Musik, um mich voll auf mich zu konzentrieren und die tönenden Frauen in den anderen Räumen auszublenden, erzählte mit Stefan oder schlummerte in den Wehenpausen etwas vor mich hin und lief immer mal wieder umher.

Dann kam der Moment, als die Hebamme meinte, ich sei komplett geöffnet. Für mich gedanklich der Startschuss. Jetzt gehts ans Eingemachte - auch hier fühlte ich einen Mix aus Erleichterung, Vorfreude und Aufregung. Aber es sollte erst einmal anders kommen.


 

Irgendwie will das Baby nicht so richtig flutschen

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon damit gerechnet, dass das Baby spätestens um 10Uhr da wäre. Bisher lief ja auch alles verhältnismäßig easy - zumindest in Relation zu meiner Vorstellung einer Geburt. Warum also nicht auch das? Aber nichts da. Nach einer kurzen Kontrolle meinte meine Hebamme, dass ich zwar theoretisch bereit wäre, die Kleine aber noch nicht richtig liegt und nicht tief genug ins Becken gerutscht sei. Sie müsste irgendwie übers Eck und damit das reibungsloser funktioniert, sollte ich mich auf die linke Seite legen und mein Bein auf eine Ablage stützen. Meine Hebamme erklärte, dass sie dringend die Herztöne vom Baby beobachten müssten und die ganze Prozedur zwar auch im Laufen ginge, durch die blöde Position des Babys aber die linke Seitenlage besser wäre und eine dauerhafte Kontrolle am CTG Gerät nötig sei. Ok, sie hat mehr Erfahrung, also machen wir das so. Schließlich hatte ich langsam keine Lust mehr und die Schmerzen wurden immer heftiger und kamen in kürzeren Abständen. 

An dieser Stelle sei aber noch gesagt, dass ihr hier keine Horrorvorstellung von angeketteter Yasmin haben braucht. Ich konnte trotzdem jederzeit kurz die Position wechseln oder im Vierfüßlergang auf dem Bett lehnen. Da mir das dann aber irgendwann keine Linderung verschaffte, blieb ich in der Seitenlage. Beschissen war es so oder so. 

Irgendwann kam der Punkt, an dem die Schmerzen und der Drang zu pressen sehr groß wurden. Im Vorfeld bekam ich stets gesagt, dass sich diese Geburtswehen anfühlen würden, als würde man einen riesigen Fußball oder Ziegelstein ausscheiden. Sorry für den bildlichen Vergleich, aber es stimmt. Dachte ich früher immer, Wehen würden eher im Bauch schmerzen, merkte ich schnell, dass sich der Schmerz eher hinten auswirkt. Oft wird man ja gefragt, wie sich so etwas anfühlt und die Beschreibung fällt schwer. Es ist einfach ein abnormaler Druck. Während ich die Pausen zur kurzen Erholung nutzte, waren die Wehen mittlerweile echt heftig und ich fragte mich immer wieder, wer sich sowas ausgedacht hat. Vorbei der Gedanke vom Spaziergang. Das war mir jetzt auch klar.

An einem Punkt konnte ich nicht mehr, meine Kräfte waren dahin und so fragte ich dann nach einem Schmerzmittel oder einer PDA. Für letztere war es allerdings schon zu spät. Also ohne PDA, aber mit Lachgas. Mir war in dem Moment alles egal, ich wollte lediglich Linderung. Das Lachgas hat mir das konzentrierte Atmen enorm erleichtert. Außerdem wirkte das Gas so, dass ich in den Wehenpause wie benebelt war. Nicht so, dass ich nichts mehr mitbekam, sondern eher angenehm, ein bisschen wie nach einem Sektglas zu viel. Es war eine willkommene Erholung und ich konnte Kraft für die nächsten Wehen sammeln, von denen es noch viele geben sollte.

4h Pressphase und die Nerven liegen blank - das ist frustrierend

Tja, da waren wir also schon über 2 Stunden in dieser harten Phase und es tat sich nur minimal etwas. Jedes Mal wurde mir wieder gesagt, dass die Kleine noch nicht tief genug gerutscht sei, ich bräuchte noch 10 Wehen mehr. Am Ende waren es natürlich deutlich mehr, das war mir dann irgendwann auch klar. Aber ich bettelte die Hebammen um Infos an, irgendeinen Zeitrahmen, ich wollte wissen, wie lange ich das noch aushalten müsste. Wie auch beim Sport brauchte ich eine Richtlinie: wie viele Wiederholungen noch? Mit diesem ungefähren Wissen war es aushaltbar. Damit konnte ich arbeiten. Mir sagen, dass ich es schaffen würde und das Ende absehbar sei.

Irgendwann war ich dann auch richtig wütend und frustriert, weil es nicht vorwärts ging, während ich links und rechts von mir ständig neue Babys schreien hörte. Das kann doch wohl nicht wahr sein. In diesen letzten zwei Stunden war ich sehr wehleidig, verzweifelt, hielt mich an Stefan fest und war einfach nur mega frustriert. Diese einseitige Lage, dann das immer weitere Vertrösten, mein doofer Körper, der arbeitet und arbeitet, aber gefühlt für umsonst.  Ich wollte doch bloß mein Baby in den Armen halten! Ihr könnt euch vorstellen, wie frustriert ich war.

In der letzten Stunde kam dann der Chefarzt hinzu, da mittlerweile alle etwas ratlos waren, ob das natürlich noch etwas wird, da Aliya dann auch schon mächtig gestresst war und ihre Werte immer schlechter wurden. Hinzu kam, dass sie die Nabelschnur einmal um den Hals gewickelt hatte, aber das habe ich erst später so richtig mitbekommen. Der Chefarzt war allerdings guter Dinge und sprach mir wie ein Engel zu. Erklärte mir medizinische die Lage, ermutigte mich und feuerte mich an, dass es in weniger als einer Stunde geschafft sein würde. Na endlich!

Als es dann ans Pressen ging, war ich völlig erledigt und fühlte mich wie ein schlaffer Sack. Diesen Moment sehnen ja viele Frauen herbei, weil sie dann aktiv mitarbeiten können. Nach Stunden des Nicht-Pressens und Verkneifens hatte ich aber schlichtweg keine Kraft mehr, zitterte unablässig vor Erschöpfung und fragte mich, woher ich die Energie noch holen sollte. Aber auch hier halfen Stefan und das Team. Der Chefarzt drückte letztlich zweimal mit auf meinen Bauch, um der Kleinen den letzten Anstoß zu geben. Das war nicht angenehm, aber erleichternder als alles zuvor.

Ob diese Phase schmerzhaft war? Ja! Verdammt und wie! Ich möchte es nicht beschönigen. Es tut höllisch weh und ich kann dieses Gefühl mit nichts vergleichen. Gleichzeitig ist es aber auch abgefahren, weil man merkt, wie der Körper arbeitet und sich das Kind immer weiter zum Ausgang bohrt. Ein absolut faszinierendes Gefühl, dass der weibliche Körper so etwas von ganz alleine kann. Es ist einfach ein Wunder der Natur.

Die letzte halbe Stunde hatte ich dann überhaupt kein Zeitgefühl mehr. Es gab nur mich, die Kleine und den Schmerz. Alles andere wurde ausgeblendet und ich sammelte noch einmal letzte Reserven. Irgendwie ist es ja faszinierend, welchen Einfluss die Willensstärke hat. Wenn man weiß, bald ist es soweit und der Körper aus dem Nichts ungeahnte Kräfte hervorholt.



Die Glücksblase 


11.53Uhr. Ich schaue an mir herunter, just in dem Moment, als ich merke, wie der Schmerz urplötzlich verschwunden ist, obwohl ich gerade wieder die Zähne zusammen beißen wollte für die nächste Welle. Auf einmal sehe ich nur noch Hände, Auflachen, freudige Jauchzer und mitten drin ein kleines zusammengeknautschtes Baby. Mein Baby. Ich weiß noch, wie mir durch den Kopf ging, woher jetzt da dieses kleine Bündel käme. Kam das gerade wirklich aus mir heraus? Dann doch so schnell? Können wir noch einmal zurückspulen, irgendwie ging das gerade in Sekundenschnelle und ich habe es gar nicht richtig mitbekommen. Generell fühlt es sich so an, als sei die Zeit stehen geblieben und doch passiert alles in Windeseile. Ich kann meine Gedanken und Gefühle gar nicht greifen, so schnell sind sie wieder weg. Ich schaue zu Stefan, dem die Anstrengungen der letzten Stunden ins Gesicht geschrieben stehen,  schaue zu dem kleinen Minimenschen, der irgendwie viel sauberer aussieht, als ich es mir vorgestellt habe. Ich weiß noch, dass ich plötzlich unkontrollierbar anfing zu zittern. Ach was, ein Zucken war es. Mein ganzer Körper hat  geschleudert, ich musste japsen, weinen, habe immer wieder zwischen Stefan und dem Baby hin und hergesehen und gerufen, dass das unser Baby sei. Während Stefan die Nabelschnur durchschnitt, brauchte ich noch einige Minuten, bis ich wirklich realisierte, dass dieses kleine Wesen aus mir herauskam. Dass ich es so lange in mir trug und es jetzt einfach da ist. Sobald die Verbindung zu mir gekappt wurde, lag das kleine Mäuschen dann auch schon auf mir. Kein Waschen, kein Wiegen, nein ich bekam sie gleich auf die Brust gelegt und das war das schönste, das verrückteste, das markerschütterndste Gefühl von allen. Unvorstellbar. Pure Liebe und Fassungslosigkeit, als sich die kleine Minihand mit diesen minikleinen Fingern ganz natürlich um meine schloss und zugriff.

Das  Danach


Ich könnte an dieser Stelle aufhören mit dem Bericht. Baby ist geboren, alle sind happy und vorbei ist die Geburt. Ganz so stimmt das aber nicht und komischerweise wird häufig nicht über die Nachgeburt geredet. Aber es ist ja so, dass nach dem Baby noch die Plazenta herausmuss. Das geschah mit einer einzigen Wehe, tat überhaupt nicht weh und ich ließ mir dieses sonderbare Organ, das die letzten Monate mein Baby versorgte, sogar zeigen, weil ich es faszinierend fand. Wer mag, kann sie ja sogar mitnehmen, Globulis daraus herstellen lassen, sie essen oder einen Baum darauf pflanzen. Das haben wir aber nicht gemacht.
Dann noch das Thema Geburtsverletzungen, das ich der Ehrlichkeit halber nicht auslassen möchte. So viele Frauen haben Angst davor, zu reißen oder einen Schnitt zu kassieren. Aber ganz ehrlich? Das war mir sowas von egal! Zumindest ich habe nicht gemerkt, dass ich gerissen bin und war ganz erstaunt, als die Hebamme davon erzählte. Auch das Nähen war schmerzfrei, lief mit Betäubung ab und habe ich quasi gar nicht wirklich mitbekommen, da ich in der Zeit mit meiner Kleinen kuschelte. Auch im Nachhinein heilte es wunderbar und ich merkte eigentlich nur die ersten 2-3 Tage die Verletzungen. Ich weiß, dass das auch deutlich anders laufen kann, möchte euch aber ans Herz legen, nicht direkt im Vorfeld mit Horrorvorstellungen und Angst in die Erfahrung zu gehen. Denn dadurch blockiert man nur.


Ja wie war denn nun die Geburt? Mein Fazit


Wenn man mich rückblickend fragt, wie ich denn nun die Geburt wahrgenommen habe, kann ich nur sagen: positiv! Natürlich war sie kein Spaziergang und ich hatte mir den zweiten Teil deutlich kürzer und schmerzfreier gewünscht. Ich war frustriert, an manchen Stellen auch verzweifelt, aber noch nie in meinem Leben habe ich so viele gemischte Gefühle zusammen erlebt, noch nie war ich mir und meinem Körper näher und so schmerzhaft eine Geburt auch ist, ist sie für mich etwas Positives. Denn ich denke immer folgendermaßen: klar, die zweite Hälfte war unschön. Dafür hatte ich aber Glück und blieb von heftigen Eröffnungswehen verschont. Es hätte also durchaus schlimmer kommen können. Schmerz ist subjektiv und auch die Wahrnehmung einer Geburt. Was für den einen absoluter Horror ist, ist für den anderen aushaltbar. Es lässt sich nicht vergleichen und das ist völlig ok so. Ich kann nur sagen, dass ich im Reinen mit der Geburt bin und es mir insgesamt doch noch extremer vorgestellt hatte. Wenn ich jetzt, 9 Wochen später hier sitze, erscheint der Schmerz wie ein nicht greifbarer Schatten und irgendwie irreal. Habe ich das wirklich durchlebt? Ich besitze die Erinnerung, aber wirklich greifen kann ich es nicht mehr. Kann mir nicht mehr vorstellen, wie intensiv die Schmerzen waren, weil die Erinnerung daran wie ausgelöscht ist und das, so sagen alle, sei eine kluge Erfindung der Natur.

Und zu guter Letzt hätte ich die ganze Geschichte ohne meinen Stefan nicht so gut gemeistert. Ich brauchte Stefans Hand in der einen Hand und den Griff vom Bett in der anderen. Er sprach mir stets gut zu, motivierte mich, versorgte mich mit Flüssigkeit und lieben Worten, leitete mich zum richtigen Atmen an und verhalf mir so, vor allem die ganz harte Phase konzentriert zu überstehen. Kurz gesagt: er war mein Held im Kreißsaal :)

Na, habt ihr bis zum Ende durchgehalten? ;) Vielleicht könnt ihr ja eure Gedanken zum Thema Geburt mit mir teilen - habt ihr selbst schon eine erlebt und wenn ja, wie? Habt ihr womöglich total Angst, habt Zweifel oder geht ihr eher locker an so eine Erfahrung heran?


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9 Kommentare

  1. So schön, dass du das mit uns teilst. Das hat sich so schön gelesen und ich hab mal wieder ne Runde geheult. Ich habe bisher noch nicht so viele Geburtsberichte gelesen, da der erste, den ich gelesen habe, ein Horrorszenario war. Da ich ein ziemlich schmerzempfindlicher Mensch bin, habe ich ein wenig Angst vor der Geburt und habe mir jetzt ein Hypnobirthing Buch bestellt. Schaden kann es ja nicht. Und ansonsten vertraue ich einfach darauf, dass ich das so tapfer wie du durchstehe. Liebste Grüße!

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  2. Schön, dass du diese Erfahrung mit uns teilst. Ich werde sicher, wenn es mal bei uns soweit ist, wohl auch solche Berichte verschlingen :)

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  3. wow. toll dass du so offen darüber schreibst und berichtest. wünsche euch dreien alles Glück. lg Nad

    www.nadliebt.blogspot.de

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  4. Danke für so einen ehrlichen Bericht!

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  5. Toller Geburtsbericht, vielen Dank für's teilen! Und ist absolut nicht tmi :D

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  6. Ich habe selbst noch keine Kinder und trotzdem habe ich deinen Geburtsbericht gerade komplett gelesen :) Deine Worte waren so voller Ehrlichkeit und Intimität, dass hat mich sehr fasziniert. Danke für diesen ausführlichen Post und all deine Gedanken!

    Ich hoffe ihr hattet ein wunderbares Wochenende und schicke Euch liebe Grüße!
    ❤ Saskia | www.demwindentgegen.de

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  7. ich bin überwältigt und zu tränen gerührt...das war ein wundervoller Geburtsbericht

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  8. Wenn ich behaupte ich gehe locker an die Geburt würde ich nun so ein paar Wochen vorher wohl lügen ;-) Aber ich bin positiv gestimmt und hoffe einfach, dass es gut läuft. Ich verschließe mich vor keinen Alternativen und wenn ich eine PDA brauche (und sie ist noch möglich) nehme ich sie. Ein Kaiserschnitt ist natürlich das was ich mir am wenigsten wünsche, aber bevor das Leben meines Kindes oder mein eigenes auf dem Spiel steht, nehme ich auch einen Kaiserschnitt in Kauf. Ich bin sehr gespannt, was ich berichten werde...irgendwie ist es aktuell eine Mischung aus Spannung und Ehrfurcht :)
    Liebe Grüße
    Jenny

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  9. Ich finds super das du den Bericht geschrieben hast. Ich bin zwar 28 aber noch einige Jahre vom Kinderwunsch entfernt. Mir graut es schon immer vor so einer Geburt aber da muss (oder darf) ich wohl durch.
    Das mit dem dem schmerzempfinden kann ich nur bestätigen. Egal ob Spirale setzen oder Wurzel vom Zahn ziehen, ich fande die Schmerzen nie annähernt so schlimm wie alle es sagen (oder es im Internet steht).

    Süße kleine Tochter habt ihr da! :)

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