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Gefühlschaos auf den letzten Metern

Ich muss euch was gestehen. Auf die berühmt berüchtigten Gefühlsausbrüche, Stimmungsschwankungen vom Feinsten und Heulattacken wartete ich vergeblich in der Schwangerschaft. Ich dachte immer, dass selbst ich als nicht gerade rührseliges Wesen nicht davon verschont bleiben würde und die Hormone regelmäßig mit mir durchgehen würden. Aber nichts da....bis jetzt. 



Schon seit etwas über einer Woche merke ich eine Veränderung in mir, die mich reichlich verwirrt. Man könnte es auch als Gefühlschaos auf den letzten Metern bezeichnen. Mit einem ganz mulmigen Gefühl stieg ich Freitagnachmittag ins Auto, um ein letztes Mal vor meinem Entbindungstermin in die Heimat zu fahren. Ich saß auf meinem Kinderzimmerbett, um mir herum die vertrauten Wände, in denen ich aufgewachsen bin, in denen ich heimlich bis zum 13. Lebensjahr mit Barbies gespielt habe, in denen ich mich vor Liebeskummer in den Schlaf geweint habe, in denen ich mich bockig zurückgezogen habe, wenn ich stinksauer auf meine Eltern war, in denen ich für mein Abitur gelernt habe. Wie ich da so saß und an die Decke starrte, realisierte ich, dass es sich um ein letztes Mal handelte. Ein letztes Mal  als "erwachsenes nur Kind" nach Hause kommen. Wenn ich das nächste Mal diese Tür durchschreiten werde, bin ich ein ganz neuer Mensch. Dann bin ich Mama. Ein Gedanke, der gleichermaßen so berührend, faszinierend und irgendwie auch absurd erscheint und mir urplötzlich Tränen in die Augen treibt, so dass ich mich kaum mehr wiedererkenne.

Vielleicht ist das für einige etwas albern, aber ich bin diese Sentimentalität nicht gewöhnt und plötzlich fielen mir viele dieser "letzten Male" ein. Morgen sind es genau noch 21 Tage bis zum Entbindungstermin, bis mein Leben Kopf stehen wird und ich ein kleines Wesen begrüßen werde, das ich jetzt schon abgöttisch liebe. Jedes letzte Mal bedeutet demnach auch ein entsprechendes erstes Mal und ich könnte nicht aufgeregter sein. Befinde mich in einem Gefühlszustand zwischen gribbeliger Aufregung, unbändiger Vorfreude, aber auch ein wenig Wehmut. 

Ein bisschen fühlt es sich so an, als würde ich mich verabschieden. Natürlich nicht von meiner Person oder meinem Leben, denn ich bin mir sicher, dass sich nicht alles von Grund auf ändern wird, aber es wird sich etwas Großes ändern. Ich werde eine neue Rolle kennen lernen, ganz andere Facetten an mir entdecken, werde die Verantwortung für ein zartes Wesen tragen, eine ganz neue Dynamik zwischen Stefan und mir als Eltern erfahren und lag das die letzten Monate noch in reichlicher Ferne, wurde es mir jetzt auf den letzten Metern noch einmal so richtig bewusst. Das hier ist echt, es wird jetzt ernst. Es gibt kein Zurück mehr. 




Hinzu kommen Gedanken rund um die nahende Geburt, ausgelöst von meinem Aufenthalt im Krankenhaus, bei dem ich im CTG Zimmer im Kreißsaal unter anderem die Geburt meiner Bettnachbarin mitbekam und Geräusche gehört habe, die schlichtweg unbeschreiblich sind, außerhalb dieser Welt liegen. Fragte man mich, ob ich Angst vor der Geburt und den Schmerzen hätte, sagte ich stets "Nein, eher Respekt vor dem Unbekannten." Als ich dann aber über drei Tage verteilt etliche Babys zur Welt kommen hörte und Ohrenzeugin dieses Wunders wurde, war ich mir da nicht mehr ganz so sicher. Würde ich das packen? Würde es mir ganz genauso gehen? Die Vorstellung, bald selbst dort zu liegen, ob nun ganz ruhig oder auch vor Schmerzen brüllend, erschien mir einfach so absurd und doch vollkommen natürlich.

Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu meinem Körper, höre in ihn hinein und als Antwort auf meine ab und an auftretenden Zweifel spüre ich stets, dass ich das schon packen werde. Wie so viele Frauen vor mir auch. Es ist eine Art Urvertrauen in mich selbst, das Wissen, dass mich egal wie der Prozess abläuft, am Ende etwas Wundervolles erwartet und dafür lohnen sich all diese emotionalen Achterbahnfahrten, die mich aktuell so kalt erwischen und eine völlig unbekannte rührselige Seite hervorrufen.

Nun sitze ich also hier auf meinem alten Kinderzimmerbett. Im Kofferraum liegt schon der Kinderwagen, den wir endlich mit nach Hause nehmen werden, diverse andere Sachen für die Ankunft der Kleinen und als ich gestern bei der Familienfeier jedem zum Abschied die Hand gab, wurden mir gute Ratschläge gegeben. Es folgten Umarmungen, mutmachende Worte, Vorfreude und Zurufe, wir sollen uns melden, wenn die Kleine da ist. Jetzt wird es ernst. So richtig und wieder steigen mir vor Vorfreude, aber auch Unsicherheit Tränen in die Augen, die ich heimlich versuche, wegzuwischen. 




Ich kann diese letzten Tage kaum in Worte fassen. Ein Mix aus unbändiger Freude, aber auch einem mulmigen Gefühl. Diese Aufregung all diese neuen Dingen zu entdecken, sich völlig ungewiss in dieses riesige Kapitel zu stürzen, für das man sich wohl nie zu 100% bereit fühlt. So zieht mein bisheriges Leben an mir vorbei, ich genieße die Ruhe in meinem alten Kinderzimmer, sitze gemeinsam mit Stefan auf meinem Bett wie früher, wir halten uns an den Händen, lachen und weinen zugleich. Wir wissen beide nicht, was uns erwartet, wir wissen nicht, ob wir das gut meistern werden, wir wissen nicht, wie schnell wir uns an unsere neuen Rollen gewöhnen werden. Was wir allerdings wissen?

Dass wir das gemeinsam als Team packen werden, dass wir uns bisher auf nichts in unserem Leben so sehr gefreut haben wie auf dieses kleine Wesen, das für unsere Liebe steht. Dass wir in uns hineinhören können und intuitiv das Richtige machen werden und wir uns selbst, aber auch gegenseitig absolut vertrauen können. Dass wir Fehler machen werden, wie alle Eltern, aber dass das nicht schlimm ist. Dass diese ungewohnten Gefühlsausbrüche, bei denen ich plötzlich losweine, um mir eine Sekunde später den Bauch vor Lachen zu halten, eben dazugehören auf den letzten Metern. 

So winke ich ein letztes Mal als "erwachsenes nur Kind" zum Abschied, fühle wieder diesen Kloß in mir aufsteigen und kann es kaum erwarten, das nächste Mal vorzufahren und voller Stolz das wohl beste Geschenk unseres Lebens in meine alte Welt mitzubringen. Ich weiß, dass weder ich noch andere werdende Mamas zu 100% bereit sein werden für das, was uns unbekannterweise erwartet. Aber schon jetzt spüre ich dieses Vertrauen in mich selbst und einen Vorgeschmack der Liebe, die ich für das kleine Krümelchen verspüre. Ich bin so bereit, wie ich es nur sein kann und werde mein bestes geben, dieses kleine Menschlein zu umsorgen, auf die Welt vorzubereiten und bedingungslos zu lieben.

Ja, der Post ist wohl wahrlich ein rührseliges, kitschiges Geständnis einer hormongesteuerten Schwangeren. Aber der Blog hier dokumentiert schon immer Facetten meiner Gedanken, weswegen es mir nur richtig erschien, auch diese Zweifel und verrückten Gefühlsachterbahnen niederzuschreiben, um mich später vermutlich herrlich darüber zu amüsieren. Vielleicht erkennt ihr euch ja auch wieder, vielleicht geht es euch aktuell ganz ähnlich oder ihr könnt eine analoge Situation aus eurem Leben erkennen, in der es euch ganz ähnlich ging.

P.S. Das Kleid für unser kleines privates Pregnancy Shooting habe ich übrigens bei Asos im Sale bestellt.

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8 Kommentare

  1. Wir freuen uns auf eure kleine Familie, die Liebe und auch auf Zweifel, die man gemeinsam beseitigen kann. Tschüss, du "erwachsenes nur Kind" , wir sehen uns bald wieder.
    Deine Familie

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  2. Wow was für ein rührender Text. Ich mag deine Gedankentexte und das du immer so ehrlich deine Erfahrungen mit uns teilst. Bin zwar selbst noch keine Mama (das hat wirklich noch eine Weile Zeit), aber ich finde es umso spannender zu lesen wie es einem dabei gehen kann und glaube das es nur normal ist emotional zu werden.

    Jedenfalls wünsche ich dir oder euch nur das Beste.
    Maria

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  3. Ich musste bei deinen Gedanken schmunzeln, weil es mir damals ganz genauso ging und ich belächelt wurde für meine Ausbrüche. Es geht ja nicht darum, dass man irgendwie Abschied nimmt, sondern dieses Wissen und auch die Vorfreude, dass sich alles ändert. Das ist ein bisschen wie vor jedem großen Schritt im Leben. Man ist noch die gleiche und doch irgendwie nicht. Kann dich da also total verstehen. Wie du schon sagtest: ihr packt das und dieses Vertrauen in sich selbst ist super wichtig.

    LG

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  4. Unheimlich toll geschrieben! :)

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  5. Was ich bei deinen Texten immer rauslese ist die wahnsinnig enge Verbindung zu euren Familien. Das finde ich schön und beneidenswert. Nicht jeder wird bei so einem "Abschied" sentimental sondern ist eher froh die Tür zuzuknallen und eine eigene Familie zu gründen. Deswegen finde ich es immer so schön zu lesen wie eng ihr euch steht und dass da solche Gefühle eben normal sind.

    Liebe Grüße

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  6. Na toll. Jetzt sitzt hier noch so ne Hormonbombe und heult. Das hast du sooo schön geschrieben. Aber der Kommentar deiner Schwester hat es nicht besser gemacht ;-)
    So viel spricht mir aus der Seele. Diese vielen letzten Male. Und die Vorfreude auf die vielen ersten Male. Waaaaah, bald sind wir Mamas!
    Hier hängt wieder eine Ladung Babywäsche auf der Leine, die wir am Wochenende von meiner Oma bekommen haben: Minisöckchen, -mützen, -jäckchen, alles selbst gestrickt. Hier sind auch alle mit uns so aufgeregt und gespannt und das ist wirklich schön.
    Liebe Grüße, Katha

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  7. Dieses Chaos im Kopf hat man bei jeder Schwangerschaft. Ich habe das schon 3 mal durch also kann ich dich sehr gut verstehen. Kopf hoch es wird schon alles gut und du wirst das Chaos auch wieder ordnen können. Aber meistens leider erst nach der Entbindung.

    Heulkrämpfe muss man nicht unbedingt haben. Ich hatte das in keiner Schwangerschaft.

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