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Lokrum Island

Es ist einer solcher Sonntage. Du weißt schon, die unproduktive, ungemütlich verregnete, ich weiß nichts mit mir anzufangen, obwohl so viel zu erledigen wäre Sorte. Statt dich mit den liegen gebliebenen Aufgaben, die langsam wirklich dringend bearbeitet werden müssten, zu beschäftigen, vergehen die Stunden nur zäh. Es ist einer dieser Tage, an denen der Druck der letzten Wochen und die zu selten gemachten Pausen des Sommers dich einholen und gerade niemand so richtig Zeit hat, um sich gemeinsam abzulenken, Pläne zu schmieden, sich gegenseitig mit Tatendrang anzustecken. Eben jemand, der dir einen Arschtritt verpasst, dich aus der Trägheit zieht und die grauen Wolken wegzupusten im Stande ist. Genau in solchen Momenten hilft es manchmal, in die Tasse des noch viel zu heißen Tees zu starren und sich wegzuwünschen. Auszubrechen. Einfach so. Noch einmal kurz zu entfliehen - wenn es nur für 48h ist. Dieser Wunsch nach einem Ort, der Freiheit verspricht, aufatmen lässt, dir den Boden unter den Füßen wegzieht, den Atem nimmt und aufzeigt, wie wunderschön unser Erdball eigentlich ist.

Zugegeben, das liest sich hier vielmehr wie eine Fantasiereise, und am Sonntagnachmittag von der Couch aus lässt sich da sowieso nicht viel richten, außer in den heimischen Park zu fliehen und ganz spontan Flugtickets zu buchen. Aber es gibt sie, solche paradiesischen Orte. Direkt vor unserer Haustür, in der Heimat, innerhalb Deutschlands, aber eben auch weiter weg und doch nah genug, um in Reichweite zu bleiben. Von einem solchen Ort möchte ich euch heute erzählen. Und nein, wenn ich von freilaufenden Hasenfamilien und Pfauen rede, steilen Klippen und absoluter Abgeschiedenheit entspringt das nicht meiner Fantasie. Das gibt es wirklich...


Otok Lokrum. Kroatisch für die Insel Lokrum stehend. Nur wenige hundert Meter vor Dubrovniks Stadtmauern befindet sich eine von weitem eher unscheinbar wirkende kleine Insel. Ein Tipp im Reiseführer, den die zahlreichen Tagesbesucher vermutlich sowieso nicht wahrnehmen. Es gibt Wichtigeres zu entdecken. Am vorletzten Tag unserer Reise - ja, ich rolle das Ganze hier bewusst von hinten auf und fange mit dem allerschönsten Tag an - ging es mir um ehrlich zu sein gar nicht gut. Fieber, dicker Matschkopf und fehlende Energie machten mich schlapp und wenig abenteuerlustig. Eigentlich stand mir der Sinn eher nach einem gemütlichen Strandtag, statt Insel-Hopping zu betreiben. Aber so richtig ließ mich der Gedanke nicht los. Die Beschreibung in diversen Travel Guides klang zu verlockend. Freilaufende Tiere, Abgeschiedenheit, Erholung nach dem touristenüberströmten Dubrovnik. Vielleicht könnte das doch genau das Richtige sein? Ich war froh, dass wir uns dafür entschieden haben, denn Lokrum sollte unser Highlight der Reise werden.






Vom alten Hafen der Stadt ausgehend fährt jede halbe Stunde ein kleines Boot vollbepackt mit Touristen, die sich für umgerechnet 15Euro ein Hin- und Rückfahrtticket zur Insel kaufen und dort am besten den ganzen Tag verbringen. Wir hatten keine Erwartungen und das war vermutlich der Schlüssel zum Erfolg. Mit Badesachen ausgerüstet - für den Fall aller Fälle - denn eins haben wir in den paar Tagen festgestellt: die Kroaten baden überall, egal wie steil die Felsen, es findet sich immer ein gemütlicher Sonnenplatz, um kurz Erfrischung im Meer zu suchen, ein paar geschmierten Sandwiches und frischem Obst ging also die Überfahrt zum Naturreservat los. Dort angekommen, war ich noch recht skeptisch, ob sich die vielen Touristen hier nicht alle über den Weg rennen würden. Aber nichts da.

Um es kurz zu umschreiben: Lokrum ist das wahrgewordene Paradies. Eben jener Ort, an den man sich Sonntagnachmittag träumt. Zig Tausende laut kreischende Zikaden in den Pinienbäumen, eine so gewaltige Geräuschkulisse, die erst schrill in den Ohren tönt, an die man sich aber in Windeseile gewöhnt. Eine Insel, bestehend aus hergerichteten Ecken für die Touristen, alten Klosterhallen - in denen by the way auch Game of Thrones gedreht wurde - und jeder Menge Waldwegen. Wir entschieden uns für letzteres und machten uns auf Entdeckungsreise. Das Verrückte an der Sache? Nur wenige Laufminuten entfernt waren wir komplett allein - mitten auf einer verträumten Insel und rechts und links von uns ab und an eine junge Pfaumutter mit ihren Kindern - alternativ auch Hasenfamilien. Ich finde es jetzt noch faszinierend, wie klein und doch weitläufig die grüne Insel ist. Wie viele Touristen tagtäglich herüberfahren und sich doch nicht über den Weg laufen und welch wunderschöne, einsame Ecken sich hinter den dichten Pinenwäldern verbergen.



Wir wählten einen kleinen, steinigen Trampelpfad, der vielversprechend aussah und als wir durch die Büsche durchbrachen, verschlug es uns kurz die Sprache. Klippen, Felsen und dann das steile, türkisblaue Meer, welches in der Sonne glitzerte. Eine riesige Pinie im Schatten, von der aus man nach unten blicken konnte und die nahezu perfekt war für einen Picknick-Spot. Ich sagte ja: es ist einer dieser Orte, bei dessen Anblick einem die Luft wegbleibt, so irreal wirkt es und so schwer lässt sich die Schönheit in Bildformat einfangen. Zikaden, blaues, rauschendes Wasser, ein Baum im Schatten, Zweisamkeit, ein paar Handtücher als Picknickdecke ausgebreitet und ein wenig Verpflegung - mehr brauchte es nicht für diesen perfekten Lunch.

Die Mutigen unter euch könnten die Felsen hinabklettern und von dort direkt ins kühle Nass springen. So verlockend das auch aussah, entschieden wir uns aus offensichtlichen Gründen dagegen. Alle anderen, denen der Sinn auch eher nach einer sicheren Bademöglichkeit steht, können zwischen einem salzigen Badesee im Herzen der Insel wählen oder aber den Sonnenterrassen aka Felsen am Rande der Insel, die extra mit kleinen Leitern ausgestattet wurden, damit die Besucher ganz unkompliziert ins Meer hüpfen können. Noch malerischer wird dieses Erlebnis eigentlich nur, wenn man sich ein eigenes Boot mietet, damit vor der Insel anlegt, Fisch grillt und vom Boot direkt ins Wasser hüpft.





Ja, Lokrum war definitiv einer dieser unerwarteten Schätze. Eine Insel, die uns mit ihrer Schönheit regelrecht erschlagen hat und mitten ins Herz traf. Falls ihr also irgendwann einmal einen Trip nach Dubrovnik plant, lege ich es euch ans Herz, dieses wunderbar ruhige Naturreservat zu besuchen, da dort ein Gefühl von Freiheit, Zweisamkeit und Entschleunigung auf euch wartet.


Fällt euch spontan so ein Ort ein - ob nun in der Nähe oder weiter weg - der euch schlichtweg die Sprache verschlagen hat?


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12 Kommentare

  1. Wow, unheimlich schöne Fotos und ... ich HAB SO LUST AUF KROATIEN! Wir wollten eigentlich dieses Jahr noch im Herbst nach Dubrovnik, aber Alex Job hat uns einen schönen Strich durch die Rechnung gemacht. Nächstes Jahr dann eben, die Insel Lokrum ist der Hammer und am liebsten würde ich den Trip noch mit einem Abstecher nach Montenegro krönen. Well, mal sehen, was das nächste Jahr bringt! <3

    Liebste Grüße,
    Regina

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    1. Vielen Dank, Regina :) Und jaaa, du musst unbedingt nach Kroatien. Am besten nehmt ihr euch dann einen Mietwagen und da ist der Abstecher nach Montenegro ja sicherlich mit drin.

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  2. Wow wirklich tolle Bilder!
    So ein schönes Erlebnis hatten wir dieses Jahr aber auch auf Mallorca. Ich hab wirklich nciht viel von der Insel erwartet und war umso überaschter wie schön es da ist. So viele wundervolle kleine Ecken. Für mich war Malle sonst immer die Ballermann Insel und damit hatte ich das Ganze für mich schon abgestempelt, aber jetzt bin ich so froh, dass wir uns für diesen Urlaub dorthin entschieden haben. Ich würde jederzeit in den Flieger springen um dahin zu fliegen :)

    LG ALex :)

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  3. Die Bilder sind ein wahrer Traum und du bist eine der schönsten schwangeren Frauen, die ich bis jetzt gesehen habe <3

    Liebste Grüße
    Luise | www.just-myself.com

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  4. Aaaaaw ein Traum! Die schönste Kulisse ist aber doch der süße Babybauch ;)

    xx
    ani von ani hearts

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  5. Soooo schöne Fotos und Impressionen von Kroatien!

    Hach - ich liebe Kroatien einfach. Bin selbst erst gestern vor einer Woche von Kroatien nachhause gekommen und der Abschied von Kroatien fällt mir jedes Mal schwer.

    Leider war ich noch nicht in Dubrovnik, war immer nördlicher (Istrien - Rovinj, Porec, Pula) - ich glaube, Dubrovnik ist nochmals ein Stück schöner <3

    Danke für diese tollen Fotos, liebe Yassi! Ich fühle mich jetzt noch ein wenig in meinen Kroatienurlaub zurückversetzt <3

    ❤ Liebste Grüße ❤
    Conny von connie-marron-granizo.at
    Personal Austrian Blog about Fashion | Beauty | Lifestyle | Food | and more

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  6. So unfassbar schöne Bilder liebe Yasmin! Da hab ich jetzt auch direkt Lust auf Kroatien und plane schon insgeheim den Urlaub für 2017! ❤

    Ganz liebe Grüße,

    Alexandra von http://www.monochromecrime.com/

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  7. WOW ein wirklich toller Beitrag mit wunderschönen Bildern! Da bekommt man sofort Lust hinzureisen.

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