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Ein halber Tag in Hogwarts | Harry Potter Studio Tour

Herbst 1998. Ich durfte mich seit einigen Wochen Zweitklässlerin nennen, liebte die Schule, vor allem das Fach Deutsch und war ziemlich fix im Lesen. Schon aus Kindergartentagen war ich den wöchentlichen Besuch in der Bibliothek mit meiner Mama gewöhnt. Las die Bücher schneller aus, als wir sie ausleihen konnten und entwickelte bereits in frühen Jahren Leseinteresse. Kaum konnte ich also längere Textpassagen am Stück aufnehmen, wollte ich mehr. Glänzte mein Bücherregal zuvor aber eher mit typischen Erstleserwerken wie Bauernhofbüchern oder kleinen Kurzgeschichten, sollte sich das in diesem Herbst ändern. 
Meine Uroma, die irgendwie immer einen Riecher für die neusten Sachen hatte, schenkte mir - einfach so - den ersten Harry Potter Band, damals wusste nur noch niemand, wer Harry war, der Hype sollte erst so viel später kommen. Ich weiß noch genau, wie ehrfürchtig ich das Cover ansah, wie ich mit meinen kleinen Fingern über das bunte Bild fuhr, wie ich meine Nase in das erste richtige große Buch steckte und voller Stolz erfüllt war, dass ich mit meinen noch sieben Jahren schon ein Buch für die Großen lesen durfte. Dieser Stolz zeigte sich dann auch, indem ich mit noch zögerlicher Handschrift meinen Namen, das Datum und den Schenker in den Einband notierte, wo sie noch heute verblasst zu finden sind. Es war das erste, richtige Buch. Mein ganzer Stolz, der Anfang einer Abenteuergeschichte, die mich bis ins Erwachsenenalter begleiten sollte und ich konnte damals noch nicht ahnen, dass dieses Geschenk der Schlüssel werden sollte zu meiner längst entfachten Leselust, dass ich fortan Nächte unter der Bettdecke verbringen würde und so sehnlichst auf den Brief nach Hogwarts wartete, ungeduldig Jahr für Jahr auf den nächsten Teil warten würde, mit Opa zu Buchpremieren gehen sollte, um dann ein über 1000 Seiten Werk innerhalb eines halben Tages zu verschlingen. Ich konnte nicht ahnen, dass dies ein Schlüsselerlebnis, ein Stück weit meine Persönlichkeit, meine Liebe zur Literatur, ja, auch meinen Wunsch, diese zum Beruf zu machen, beeinflussen und stets auch an meine längst verstorbene Uroma erinnern sollte, die mir kurz vor ihrem Ableben an Weihnachten im Krankenhaus noch den Feuerkelch voller Stolz überreichte. Harry Potter bedeutet für mich also so viel mehr als nur eine alberne Buchserie einer britischen Autorin. Es ist so viel mehr als ein Hype aus Hollywoodfilmen. Harry bedeutete ein Stück weit Kindheit, Leidenschaft, Leselust und Facette meiner Persönlichkeit. 

Dinge, die ich dann auch später meiner kleinen Schwester weitergab, die die Welt entdecken konnte, als sie längst in jedermanns Munde war. Gemeinsam schauten wir dann die Filme, freuten uns auf alle Neuerscheinungen, lasen die Bücher zum x. Mal und deswegen ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass wir endlich bei unserem dritten Londonbesuch auch hinter die Kulissen der Harry Potter Welt blicken wollten. Wie das Ganze so aussah und ob sich die Harry Potter Studio Tour überhaupt lohnt, verrate ich euch also heute...

Die Buchung

Wenn ihr euch dazu entscheidet, eine Harry Potter Tour in euren London Trip zu integrieren, sollte das am besten gut geplant sein. Spontan funktioniert hier nämlich nicht. Ich weiß nicht, wie es mit der Auslastung in anderen Monaten aussieht, aber gute drei Wochen vor unserem Trip im August hatte ich Glück, noch letzte Karten zu bekommen. Man kann die Tickets, die pro Person für die 7 stündige Tour plus Anfahrt etwa 90€ kosten, direkt auf der Webseite von Warner Brothers beziehen oder aber alternativ in diversen Ticketshops. Achtet dabei einfach auf die Verfügbarkeit. Ich hatte das Problem bei diesem Shop, Tickets geordert und bereits bezahlt zu haben und wenige Tage später eine Mail zu bekommen, dass die Buchung storniert werden müsse, da doch kein Kontingent an Plätzen verfügbar wäre. Mit Getyourguide habe ich dann allerdings positive Erfahrungen gemacht und man konnte sich das Ticket auch bequem aufs Iphone laden, so dass man keinen nervigen Zettelkram mitführen muss.

Die Anreise

Hier muss ich die ersten unter euch enttäuschen. Leider fand die Anreise weder mit einem Nimbus2000 noch auf einem Thestral statt, sondern in einem guten alten Bus. Aber auch da wissen wir ja, dass die Zauberer nicht ganz abgeneigt sind. So eine rasante Fahrt wie im fahrenden Ritter sollte es dann aber zum Glück nicht sein. Die Studio Tour kann für verschiedene Tageszeiten gebucht werden. Um den Tag auch danach noch nutzen zu können, entschieden wir uns für 8.15Uhr - die erste Abfahrt des Tages. Die Reisebusse fahren dabei übrigens ganz unkompliziert von der zentralen Victoria Coach Station ab und sind dank Timetable und Gateangabe recht fix gefunden. Insgesamt dauerte die Fahrt zu den Studios kaum länger als eine Stunde und war sehr entspannt. Oder sagen wir es anders: ich habe die ganze Fahrt verpennt.

Der Ablauf

Vor den Studios angekommen, die von außen wenig spektakulär wirken, sorgt eure Gruppenleiterin für eure Tickets, um dann mit der Tour zu starten. Ein wenig Wartezeit mussten wir aber als erste Tagestour einplanen. In der Zwischenzeit gab es eine Art Animateurin, die die wartende erste Tagesgruppe bespaßen wollte. Das war um ehrlich zu sein nicht so meins, da es mir in dem Moment herzlich egal war, woher die anderen angereist kamen. Ich war neugierig und wollte am liebsten so schnell wie möglich die Harry Potter Tour auf eigene Faust erleben, bin ich einfach kein Fan geführter Touren.

Nach kurzer Wartezeit wurden also die Pforten geöffnet und wir fanden uns in einem abgedunkelten Kinosaal wieder. Auch nicht das, was ich zunächst erwartet hatte. Dort angekommen, wurde ein kleiner Film eingespielt, in dem sich die Hauptdarsteller sowie Producer zu Wort meldeten, von ihrer Zeit am Set erzählten und ein paar Hintergrundinfos zum Setleben lieferten. Das war alles ganz spannend und persönlich, aber auch für jeden, der schon einmal auf Youtube eine Behind the scenes Doku gesehen hat, nicht unbedingt etwas Neues. Vermutlich bin ich einfach zu ungeduldig, aber ich konnte den Moment nicht abwarten, endlich loszulaufen und selbst zu erkunden.

Wenige Minuten später sollte es aber so sein, die Kinoleinwand erhob sich und dahinter erschien die riesige Tür zur großen Halle - was eine Aufregung. Von da an durften die Besucher die Tour allein absolvieren.

Wie man sich die Ausstellung vorstellen kann? In den abgedunkelten Hallen mit entsprechender Filmmusik für die richtige Stimmung - oh wie sehr habe ich mich zurückversetzt gefühlt in die Zeit, als man die Filme zum ersten Mal sah - fanden sich sämtliche Filmsets, die erstaunlich kleiner waren als gedacht. Originale Kostüme, Masken, Perücken, Abteilungen, in denen Makeup und Haare vorgestellt, Filmprozesse wie special effects erläutert wurden und abertausende kleine Requisiten warteten. Vom Stein der Weisen über den Feuerkelch, von Harry Koffer bis hin zu Mrs. Weasleys Strickzeug, von Hagrids Hütte bis hin zu Snapes Zaubertranklabor - es gab einfach alles zu sehen. Bei einigen Stücken setzte die Erinnerung sofort wieder ein, andere wiederum musste man erst einmal wieder einordnen.

Besonders imposant fand ich die größeren Kulissen wie etwa die Wände des Zaubereiministeriums oder auch das übergroße Hogwarts Modell, mit dem gefilmt wurde. Die Tour dauerte insgesamt etwa dreieinhalb Stunden, wobei zwischendurch eine größere Food Halle, gefüllt mit Fässern, Sitzbänken und Ausstattung im Harry Potter Stil auf uns wartete. Dort gab es traditionelles Butterbier zu kaufen , das ich übrigens seeeehr gewöhnungsbedürftig fand, eine merkwürdige Mischung aus Limonade getoppt mit Sahne-Karamell-Creme. Ich habe mir aber sagen lassen, dass es so ein typisches "Hasse oder liebe ich"-Getränk wäre. Meine Schwester fand es z.B. super lecker. Brrr... Nunja dort kann man sich jedenfalls stärken, ob mit gekauften oder auch selbst mitgebrachten Lunchboxen. Alles ganz unkompliziert und im Anschluss ging es weiter in die Außenanlagen, die Brücke von Hogwarts, den Ligusterweg und später in eine weitere Halle, in der die Winkelgasse auf uns wartete. Besonders das haptische Erlebnis gefiel mir sehr gut, da man einfach mal fühlen konnte, mit welchen Materialien so ein Filmset arbeitet.



Neben der Winkelgasse sollten wir aber auch einen kurzen Abstecher zum Gleis 9 3/4 machen, standen im Angesicht des leuchtend roten Hogwarts-Express und ein kleiner Kindheitstraum wurde wahr, als wir den Zug bestiegen. Der führte uns zwar leider nur mitten hinein in einen Süßwarenladen, aber immerhn bekam man ein ungefähres Gefühl der kribbeligen Aufregung. Dass ich mir dort traditionell einen fetten Schokofrosch kaufen musste, ist eigentlich auch klar, oder? Sogar eine Dumbledore-Karte wartete im Inneren der Box auf mich.

Ganz am Ende der Tour kam man dann in den Souvenirshop der Studios, wo es wirklich ALLES zu kaufen gab. Angefangen von Zauberstäben sämtlicher Charaktere über Süßigkeiten bis hin zu Babybodys mit Gryffindor-Emblem oder auch Mrs. Weasleys selbstgestrickten Weihnachtspullovern. Wer auf solche Fanartikel steht, befindet sich dort wahrlich im Paradies.

Im Anschluss an die Tour sammelte sich die Reisegruppe einfach wieder am Bus und die Fahrt nach London fand genauso unkompliziert statt wie zuvor auch. Und da wir am frühen Nachmittag zurückkamen, hatten wir genug Zeit für weitere Aktivitäten in der City.

Lohnt es sich?

Trotz der anfänglichen Wartezeit, die mich etwas genervt hat, da ich einfach Dinge gern selbst erkunde, kann ich die Tour jedem Potterhead ans Herz legen. Es ist einfach so ein schönes Gefühl, in die Kindheit zurückversetzt zu werden, noch einmal diese kribbelnde Aufregung zu spüren, hier und da längst vergessene Szenen ins Gedächtnis zu rufen und die Menschen in den Hallen mit diesem ganz bestimmten Glitzern in den Augen zu beobachten. Harry begleitete mich seit der zweiten Klasse in Buch- später auch Filmform und das Gefühl, ein wenig in diese altvertraute Welt einzutauchen, die über Jahre in meinem Kopf existierte, von meiner Fantasie ausgefüllt und durch die Filme zum Leben gebracht wurde, war einfach einzigartig. Von mir und auch meiner Schwester gibt es deswegen eine absolute Empfehlung. Macht es, es lohnt sich! Vor allem auch als Familie, als Überraschung, als Geschenk oder eben einfach für sich selbst. 

 

Wie war das bei euch: hat Harry auch eure Kindheit begleitet oder könnt ihr dem Ganzen nichts abgewinnen? Und gab es bei euch ein Buch, das euch zur Leseratte gemacht hat?

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9 Kommentare

  1. Vielen lieben Dank das du den Bericht geschrieben hast. Ich fliege nächste Woche hin und habe das schon seit Wochen auf dem Programm stehen. Ziemlich geschockt habe ich gerade bei dir gelesen das es da teilweise keine Karten mehr gibt. Ich habe mir das irgendwie mehr wie in einem Freizeitpark vorgrstellt. Hinkommen, Karten kaufen, los gehts. Leider ist für nächsten Donnerstag nur noch 11:30 möglich was natürlich ziemlich blöd für den Rest des Tages ist. Darf ich dir kurz noch ein paar Fragen stellen?
    Wenn da 11:30 steht woher weiss ich dann wann ich mit dem Bus abgeholt werde oder ist dies die Zeit vom Bus? Mit Hin- und Rückfahrt sollte man also gut 6 Stunden einplanen?

    Vielen lieben Dank.

    Grüße

    Loreen

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  2. Hallo Loreen,
    na nur gut, dass du den Artikel noch gelesen hast. Das wäre ja sonst in die Hose gegangen. Also soweit ich weiß, bekommt man die Tickets wirklich nur im Vorfeld. Zumindest steht das auf der offiziellen Website überall. Die Zeit, die bei der Buchung steht, ist die Abfahrtszeit an der jeweiligen Station. Also ich hatte z.B. 8.15Uhr gebucht und da ging es dann mit dem Bus los. Wir waren einfach eine Viertelstunde vorher dort, um den richtigen Halt zu finden und das hat wunderbar geklappt. Und ja genau, bei der Buchung steht, dass man so mit 6-7h rechnen sollte. Dann drücke ich dir mal die Daumen, dass du noch Karten bekommst und ganz viel Spaß dabei!

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    1. Liebe Yassi,

      vielen lieben dank für deine schnelle und ausführliche Antwort. Leider ist die Enttäuschung nun groß. Das schaffen wir dann wohl nicht da ich an zwei Abenden auf einem Konzert bin und am letzten Abend hat mein Freund eine Überraschung. Sehr sehr ärgerlich!
      Nochmal vielen Dank und weiterhin eine schöne und angenehme Schwangerschaft :)

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  3. wie cool, die Tour will ich auch unbedingt noch machen, ich liebe Harry Potter und habe die Bücher früher genauso verschlungen wie du, als ich letztes Jahr in London war hat das aber zeitlich nicht geklappt, nächstes mal dann
    liebe Grüße

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  4. das sind aber schöne erinnerungen an deine uroma, konnte ich mich gut hineinversetzen! ich habe harry potter auch gemeinsam mit meiner älteren schwester kennengelernt, mussten uns immer um ein buch streiten, haha! aber auch ich fand das butterbeer vor ort eklig ;)

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  5. aaahh hab mich so auf deinen Bericht gefreut!!
    Harry Potter ist auch einfach DAS Buch für mich - angefangen hat es damit, dass mein Dad mir den dritten Teil vorgelesen hat, weil er ihn im Urlaub dabei hatte. Seit dem gibt es kein Jahr, in dem ich die Bücher nicht lese :D mittlerweile immer in Englisch.

    Die Tour kann ich auch sehr empfehlen - obwohl die von dir beschriebenen Größenrelationen (die große Halle ist einfach nicht wirklich groß) mich bisschen traurig gemacht haben :)

    Liebe Grüße, Dunja

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  6. ohh! Da möchte ich auch unbedingt einmal hin!

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  7. Aaaaah wie cool! Ich muss da hin! :)
    Harry Potter ist definitiv Lebensteil und großer Einfluss gewesen bzw IST es immernoch.
    Die schönste Geschichte, die ich bisher gelesen habe!

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  8. Die Tour muss ja wirklich toll gewesen sein. Als Kind und Jugendliche war ich auch ein große Harry Potter-Fan und habe die Bücher immer schnellstmöglich verschlungen.
    Ich bin zwar eine totale Leseratte, aber ein spezielles Einstiegsbuch hatte ich nicht. Dazu waren es einfach zu viele Bücher.
    Liebe Grüße Bianca
    http://ladyandmum.blogspot.de

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