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Diese ewigen Vergleiche

Wir Menschen sind soziale Wesen, die den Kontakt zu anderen nicht scheuen, die Interaktion suchen und stets und ständig messen. Rührt daher der Drang, sich eine Bezugsgröße zu suchen? Zu schauen, ob man innerhalb der Masse nicht aus der Norm fällt? Einerseits die eigene Person zu stärken, höchst individuell sein zu dürfen und dann aber doch immer wieder davor zurückzuschrecken, zu anders zu sein?



Noch niemals zuvor ist mir so stark aufgefallen, wie sehr Menschen zu Vergleichen neigen wie in der Schwangerschaft. Zugegeben, diese Zeit ist geprägt von Veränderungen, von Neuheiten und wir wissen meist selbst nicht, wo uns der Kopf steht. Diese Unsicherheiten rufen nach Vergleichen und auch ich habe anfangs stundenlang Google durchforstet, um herauszufinden, ob ich "normal" bin, sich alles richtig entwickelt, der Bauch groß genug ist. Lese überall von Fragen, wieviel Person XY bisher schon zugenommen hat und dann der direkte Vergleich zu den eigenen Werten, der kurze Check, ob das eigene Baby schon genauso viel kann wie das andere, der Bauchumfang für die jeweilige Schwangerschaftswoche nicht zu sehr aus dem Rahmen fällt. Und dann sind da noch all die anderen, die ungefragt ihren Senf dazugeben. Also bei mir war das ja damals so und so ...
Genau dann muss ich immer wieder mit dem Kopf schütteln. Denn diese Rechnung geht irgendwie nicht auf. 

Bei so unterschiedlichen Persönlichkeiten, differenzierten Ausgangsbedigungen, komplett konträren Ansichten über das Leben und die Welt können diese Vergleiche doch gar nicht funktionieren. Letztlich wäre es immer ein von sich auf andere schließen. Eigene - wohlbemerkt subjektive - Erfahrungen zu nehmen und sie auf andere projizieren zu wollen. Denn etwas anderes bleibt uns ja nicht übrig. Die Frage dabei ist doch aber: wer legt die Maßstäbe fest, was ist schon "normal" und was bringen uns diese Vergleiche eigentlich wirklich? 

Das Problem dabei ist ja, dass der Grat zum Negativgedanken meist nicht weit weg liegt. Es werden Zweifel geschürt, Fragen aufgeworfen und Unsicherheit entsteht. Was wiederum zu einem Teufelskreis führt, denn aus Unsicherheit vergleichen wir weiter.

Reichen wir als unsere eigene Bezugsgröße aber nicht aus? In der Regel hat man ja ein recht gesundes Einschätzungsvermögen. Merkt, wenn man gerade richtig Scheiße baut und die Pobacken zusammen kneifen sollte oder erkennt, wenn etwas super läuft und man diese Angewohnheiten ruhig weiter übernehmen kann. Wenn diese Vergleiche sowieso zu nichts anderem außer Zweifeln führen und ohnehin nicht mit gleichen Ausgangsbedingungen gedacht werden können, kann man sie doch gleich ganz weglassen. Für den eigenen Seelenfrieden. 

Ein kurzer Seitenblick, ein wenig Inspiration? Natürlich, gerne. Ist oftmals fruchtbar und führt zu neuen Ideen. Man kann sich ja so einiges abschauen bei anderen. Problematisch wird es nur, wenn der Negativgedanke nicht weit weg liegt. Wenn man sich urplötzlich selbst Druck aufbaut, weil man der Meinung ist, man müsse ebenso aussehen wie Person XY, ebensolche Leistungen erzielen wie der Kollege, genauso fit und ausdauernd sein wie die beste Freundin, mindestens einen genauso grandiosen Kuchen fabrizieren wie die Oma oder ein ebenso braves Kind wie die Nachbarin haben. 

Erinnert ihr euch noch an diese furchtbaren Mitschüler, die nach dem Verteilen der letzten Klassenarbeit von jedem die Note wissen wollten? Ich fragte mich damals schon: wozu? Was hast du davon, zu wissen, was andere bekommen haben? Außer schlechte Gefühle, wenn du merkst, dass alle anderen besser waren oder andersherum - und deutlich ekliger - wenn du aus den weniger guten Ergebnissen der anderen dein eigenes noch mehr feierst und dich selbst in eine Hochposition hebst. Denn genau das passiert bei Vergleichen. Sie gehen selten gut aus fürs eigene Ich. 

Lasst uns also gerne weiter austauschen, Erfahrungen teilen, aber hören wir doch auf, uns zu vergleichen und das, was andere machen, als Norm für unsere eigenen Verhältnisse anzusehen. Wie wäre es stattdessen, auf sich selbst zu vertrauen, zu reflektieren und zu erkennen, dass es vollkommen ok ist, seine eigene Bezugsgröße zu sein?


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11 Kommentare

  1. Hallo. Ich bin eigentlich nur eine stille Leserin. Aber ich finde diesen Post besoners schön geschrieben. Du hast zu 100% recht. Immer diese Vergleiche.
    Siehst wunderschön aus mit deiner Baby-Kugel. Geniesse diese Zeit in vollen Zügen ;).

    In Liebe deine stille Leserin Tamara <3

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  2. wie bist du auf den Heuballen im letzten Bild gekommen? :)

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    1. Ich wusste, dass die Frage noch kommt :D Stefan hat mich raufgehoben. Er ist ja 1,90m groß und ich bin nach wie vor so beweglich wie vor der Schwangerschaft trotz Kugel. Mit ein bisschen aufpassen ging das also super.

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  3. Was für ein wunderbarer Beitrag - ich freue mich, dass Du deine Gedanken mit uns teilst. Und ja, du hast absolut recht. Ich versuche mich lange schon von solchen Vergleichen frei zu machen - auch wenn es dann doch nicht immer gelingt. IM Studium fand ich es damals immer ganz schrecklich wenn nach der Klausur alle über die Aufgaben gesprochen haben und was sie wohin geschrieben haben und wieviele Punkte das wohl gibt - ich habe mich dann immer recht schnell vom Acker gemacht und mich nicht verrückt machen lassen, und bin damit sehr gut gefahren. Das letzte Bild von Dir ist wirklich phantastisch - wunderschön!

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  4. Ein sehr wahrer Text, Yasmin! Ich kann dir nur zustimmen. Vergleiche mit anderen können ziemlich schnell zu Frust, Unsicherheit oder sogar Angst führen, nicht gut genug zu sein. Vielmehr sollten wir diese blöden Vergleiche durch einen Austausch ersetzen. Ich habe in meinem Leben schon so oft die Erfahrung gemacht, wie fruchtbar und bereichernd ein Austausch mit anderen zu einem Thema sein kann, wie viel von anderen lernen kann etc. Leider ist unsere Gesellschaft doch noch häufig darauf aus, die Ellenbogen auszufahren, besser sein zu wollen und andere zu übertrumpfen. Dein Text erinnert daran, sich selbst einmal mehr zu hinterfragen, das gefällt mir sehr gut!
    btw... Du siehst großartig aus mit deiner Murmel! :)
    Liebste Grüße
    Andrea von www.chapeau-blog.de

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  5. Du siehst bezaubernd aus, du Hübsche :-*

    Melanie / www.goldzeitblog.blogspot.de

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  6. Hallo Yasmin
    Ich fürchte, dass das mit den Vergleichen auch nach der Schwangerschaft nicht besser wird - wenn man den Mamas auf dem Spielplatz zuhört, scheint es wichtig zu sein, welches Kind schon was kann. Doch schlussendlich gehen wir alle unsere Wege und haben alle beneidenswerte Seite - von daher führt das zu nichts, da bin ich deiner Meinung.
    Du siehst auf jeden Fall fabelhaft aus - ganz ohne Vergleiche.
    LG Jasi
    www.marmormaedchen.blogspot.com

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  7. Wundertolle Bilder. Was ne hübsche Mama euer Zwergel hat! Und da isse ja, die heiß ersehnte Murmel. Steht dir gut! Was ein Mama-Glow. Und das finde ich weiß Gott nicht bei jeder Schwangeren.
    Machst du eigentlich so typischen Schwangerschaftssport? SOwas Yoga-/ Pilates-mäßiges? Oder nur, was du vorher auch schon gemacht hast? Ich wäre ja nicht mal mit Hilfe auf den Ballen bekommen...
    Liebe Grüße, Katha

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  8. Sehr schöne geschrieben, Yasmin. Ich stimme dir voll und ganz zu. Vergleiche können so schnell in negative Gedanken abrutschen. Da muss man aufpassen und darf sich nicht verrückt machen.

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  9. Ich finde, dass sich gerade bei einer Schwangerschaft niemand mit anderen vergleichen sollte. Jede Frau erlebt das anders und da sollte man kein 'normal' definieren.
    Die Bilder sind toll!
    LG Bianca
    http://ladyandmum.blogspot.de

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