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Meine Tipps für bessere Portraitaufnahmen

Die meisten Fragen, die mich auf sämtlichen Kanälen erreichen, gehören nach wie vor dem Thema Fotografie an. Auch wenn ich mittlerweile so einige Posts dazu veröffentlicht habe, soll es heute noch einmal speziell um Portraits gehen. Ich möchte dabei meine Erfahrungswerte mit euch teilen, die hier auf dem Blog gut funktionieren. Wer wirklich richtig professionelle Portraitaufnahmen a la Beautyfotografie oder wie in Magazinen erzielen möchte, müsste natürlich noch weitergehen und die jeweiligen Tipps ausbauen. Um jedoch mehr aus euren Blogfotos oder vielleicht auch Fotografien im Freundes- und Familienkreis herauszuholen, sollten diese Tipps ein guter Anfang sein.

1. Ein starkes Makeup

Ich werde sehr häufig gefragt, wie ich es schaffe, dass mein Makeup auf Portraitaufnahmen so klar und deutlich hervortritt. Da gibt es eigentlich kein Geheimnis, außer kräftig in den Farbtopf zu greifen. Die Fotografien schlucken sehr viel der Farben im Gesicht, weswegen ich mittlerweile bei geplanten Shootings deutlich stärker geschminkt bin als üblich. So stark, dass es mir im Alltag unangenehm wäre und ich das Makeup auch nach dem Shooting direkt abschminke und ein wenig leichter auftrage.

Den meisten Unterschied macht bei meinem eher weichen, konturlosen Gesicht eine starke Kontur an der Wange, deutlicher Highlighter auf Wangenknochen und Lippenbogen und eine frische, nicht auswaschende Lippenstiftfarbe. Probiert es mal aus - mit einer pinken oder glossigen Lippe wirkt man direkt frischer und satter.


2. Das perfekte Licht

Wie bei all meinen Fotografieposts spielt natürlich wieder einmal das perfekte Licht eine wichtige Rolle. Denn ohne dieses läuft gar nichts. Gerade bei Portraits möchte ich im Normalfall keine harten Schatten im Gesicht haben, weswegen wir im Halbschatten oder eher abends fotografieren. Im Sommer sind das meist die Stunden zwischen 18-20Uhr. 

Das soll allerdings nicht heißen, dass Schatten nicht auch spannend sein können. Gerade bei dramatischeren Schwarz-Weiß-Fotografien können bewusst gesetzte Schatten sehr viel zur Bildstimmung beitragen.

Dreht euer Modell oder euch selbst einfach ein wenig im Licht umher und schaut, wo das Gesicht am besten ausgeleuchtet ist, es hell und freundlich wirkt und keine Schatten unter den Augen zu sehen sind.

Ihr könnt aber natürlich auch gern mit Gegenlicht arbeiten, was insgesamt einen weicheren Look erzielt. Gerade im Sommer entstehen viele meiner Portraitaufnahmen in der Golden Hour um 20Uhr herum, wenn die Sonne immer tiefer steht. Die Gegenlichtfotografie solltet ihr dabei immer manuell vornehmen- wenn ihr nicht eh schon die meiste Zeit manuell fotografiert. Ihr habt dann einfach mehr Kontrolle über eure Fokuspunkte. Fotografiert ihr hingegen im Automatikmodus fokussiert die Linse eher euch als Objekt und verdunkelt  den Hintergrund - oder aber ihr selbst seid total dunkel und der Hintergrund leuchtet extrem. 

Stellt euch bei solchen Fotografien also am besten genau vor die Sonne und lasst die Strahlen nur minimal an eurem Kopf vorbeischeinen. So habt ihr einen guten Lichteffekt, ohne jedoch zu überstrahlen. Insgesamt sind solche Gegenlichtaufnahmen aber im Gesicht einfach sehr viel weicher, weil eben euer Gesicht nicht direkt ausgeleuchtet wird. Das Wichtigste hierbei ist einfach die Geduld und Übung. Irgendwann hat man den Dreh raus.

3. Ein stimmiger, ruhiger Hintergrund

Portraits haben einen Fokus: euer Gesicht. Deswegen sollte der Hintergrund nicht allzu sehr ablenken, sondern eher die Bildstimmung unterstützen. Er sollte am besten ruhig und weit auslaufend sein, so dass ihr einen schön verschwommenen Hintergrund zaubern könnt.

Am liebsten arbeite ich direkt mit der Natur oder hellen, freien Flächen. Beim Beispielbild meiner Schwester habe ich sie z.B. passend zum Makeuplook, den sie shooten wollte, tief in einen Fliederbusch gestellt, damit der Flieder ihr Gesicht umrahmt. Das wirkt für Alltagfotos vielleicht etwas übertrieben, hier passt es aber einfach zum gewünschten Look.

4. Eine lichtstarke Portraitlinse

Ich sage es immer wieder: die beste Kamera ist nur halb so viel wert, wenn ihr ein schlechtes Objektiv habt. Gerade für Portraits oder auch Outfitfotografie ist ein lichtstarkes Objektiv mit schönem Bokeh essentiell. Bevor man also in Profikameras investiert und sich dann wundert, warum mit dem Kit-Objektiv keine so guten Ergebnisse erzielt werden, rate ich immer, erst einmal in ein gutes Objektiv zu investieren. Für Anfänger ist das 50mm 1.8 ein guter Deal. Später würde ich auf das 50mm 1.4er umsteigen (wir verwenden hierbei die Sigma Version). Die Blende lässt sich dabei noch schöner öffnen, d.h. der Hintergrund verschwimmt noch stärker, ihr fangt mehr Licht ein und euer Bild ist insgesamt schärfer und satter. 

Das 50mm Objektiv ist dabei so ein Klassiker, da ihr auf Cropkameras (z.B. der Canon 70D, 750D etc.) so schön die Person sehr nah drauf bekommt, aber auch ein komplettes Outfit shooten könnt. Auf einer Vollformatkamera wie beispielsweise unserer 5D Mark III ist mit dem 50mm Objektiv viel mehr auf dem Bild drauf (wer den Unterschied der Kameraarten nicht kennt und sich jetzt fragt, was ich meine, kann sich das gern mal anschauen). Deswegen haben wir in das 85mm 1.8 von Canon investiert, das auf einer Vollformatkamera etwas den gleichen Bildausschnitt hat wie das 50mm auf einer Cropkamera. 

Generell kann ich euch die Linse, unabhängig welche Kamera ihr nun benutzt, für Portraits sehr ans Herzen legen, da ihr einfach gestochen scharfe und sehr nahe Portraitaufnahmen erzielen könnt - sie ist einfach die perfekte Portraitlinse und wird vor allem viel in der Beautyfotografie verwendet.

5. Das Experimentieren mit Requisiten

Häufig werde ich auch gefragt, wie ich diese farblichen Schleier oder Effekte photoshoppe. In 90% der Fällen gar nicht, denn es sind einfach kleine Tricks, die wir schon beim Fotografieren anwenden und einen himmelweiten Unterschied machen. 

Die "Lichteffekte" auf diesen Rosengartenfotos sind beispielsweise nicht bearbeitet, sondern entstanden durch den Einsatz von Rosen. Stefan hat einfach eine Blüte abgeknipst und diese ganz leicht vor die Linse gehalten. Das Ganze funktioniert natürlich auch mit Stoffen. Probiert mal einen Gardinenstoff oder transparenten Stoff ganz leicht an den Rand eures Objektivs zu halten beim Fotografieren und ihr seht, dass am Rand sehr hübsche Effekte enstehen.

Generell fotografieren wir sehr gern bei Portraits durch etwas hindurch und knapp daran vorbei. Eine Wand z.B., ein schöner Zaun, durch den hindurchfotografiert wird oder auch Blüten, Blätter, Gräser. Da könnt ihr total kreativ sein, euch austoben und verschiedenste Effekte ausprobieren.



6. Die richtige Pose für mehr Kontur im Gesicht

Natürlich entscheidet auch die Lage ds Gesichts über ein gutes Portraits. Die wenigsten von uns sind einfach so fotogen, dass sie einfach gerade dastehen können und hammermäßig aussehen. So schaue ich z.B. sehr ungern direkt gerade in die Kamera, weil ich eben eher etwas rundere, konturlose Gesichtszüge habe. Stattdessen versuche ich etwas Kontur zu schaffen, indem ich mein Gesicht minimal drehe oder gleich seitlich fotografiere. Durch das leichte Drehen des Gesichts tritt nämlich der Kiefer stärker hervor und ihr habt eine schönere Linie im Bild. Das wirkt auf Portraits oftmals schöner.

Durch Probieren erkennt ihr so ziemlich schnell eure "Schokoladenseite" und welche Pose euch am besten gefällt. Wobei auch hier wieder gilt, dass Abwechslung der Schlüssel zum Erfolg ist. Je nachdem, wie euer Bild wirken soll, fällt dann eben auch eure Pose aus.

7. Farben nachbearbeiten

Gute Bilder leben einfach auch von der Postproduktion. Natürlich könnt ihr mit gutem Equipment schon wahnsinnig schöne Ausgangsbilder schaffe, richtige Fotografen würden ihre Arbeit aber nie unbearbeitet verkaufen. Denn es fehlt einfach ein letzter Schritt. Gerade bei Portraitaufnahmen, wo der Fokus auf dem Makeup liegt, können einfache Verstärkungen der Sättigung, des Kontrasts, der Helligkeit oder auch bewusste Hautretusche und Weichzeichnereffekte noch viel mehr aus dem Foto herausholen. Wie stark man das durchführt, hängt natürlich vom Zweck ab. Auf dem Blog bin ich z.B. kein Fan großer Hautretusche oder des Weichzeichnens. Da wird mal ab und an ein Monsterpickel weggestempelt, aber sonst nichts gemacht. Wenn man sein Foto aber natürlich groß ausdrucken möchte oder aber für Zeitungen, Hochzeiten oder andere Kunden verwendet, sollte sich schon etwas mehr Mühe gegeben werden. 

Schöne Tutorials gibt es übrigens auch hier zu sehen, gerade aus dem Bereich Fashion- und Beautyfotografie. 

Weitere hilfreiche Artikel der Reihe findet ihr hier in der Zusammenfassung:


Waren denn ein paar neue Tipps für euch dabei oder habt ihr vielleicht noch Ergänzungen?

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18 Kommentare

  1. Wieder mal ein sehr interessanter Post :)

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  2. Toller Beitrag - super geschrieben - und ich mag die Gliederung. Kompliment!

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    1. Dankeschön für das liebe Feedback. Das freut mich sehr :)

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  3. Sehr schön Tipps. Das mit dem Gegenlicht muss ich mal probieren. :)

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    1. Probier es aus, aber lass dich nicht entmutigen. Viele geben viel zu früh auf, wenn es nicht direkt mit den tollen Aufnahmen klappt. Übung macht bekanntlich den Meister :)

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  4. Hallo Yasmin
    Ich schätze deinen Blog sehr - mitunter auch aufgrund deiner wahnsinnig schönen Fotos. Gerade auch die Beispiele, die du in diesem Posts zeigst, sind wieder traumhaft.
    Danke für die Tipps.
    LG Jasi
    www.marmormaedchen.blogspot.com

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  5. Hey Yasmin,
    das war mal wieder ein toller Post zu diesem Thema.
    Vielen Dank dafür.
    Liebe Grüße Greta von
    fashionleaderandkitchenhero.de

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    1. Freut mich, dass er dir gefallen hat, Greta :)

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  6. Wow, sehr ausführlicher und super interessanter Post. Leider kann von meinen "Fotografen" keiner manuell fotografieren, was ich sooo schade finde. Da kann ich mir selbst noch so viele Tipps durchlesen, das bring leider nix.

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    1. Hallo Susanne :)
      Vielleicht hilft es ja schon, wenn du versuchst, den manuellen Modus zu verstehen. Es gibt auf youtube so viele hilfreiche Tutorials und dann könntest du die Kamera ja vorweg einstellen und dein Fotograf muss nur noch abdrücken und einen passenden Bildausschnitt suchen. So habe ich es früher mit meiner Schwester immer gemacht, wenn sie eingesprungen ist und die Einstellungen noch nicht kannte.

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  7. Oooh voll toll, dass du uns diese ganzen Tipps zur Verfügung stellst, das ist wirklich sehr hilfreich. Vor allem weil du einfach so wunderbar hübsche Fotos machst!

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    1. Vielen Dank, Äni :)
      Wieso sollte ich die Tipps auch nicht teilen? Vieles eignet man sich ja learning by doing an und durch mühsames Zusammensuchen, da finde ich es umso schöner, wenn man Gelerntes weitergeben kann.
      Liebe Grüße

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  8. Danke für die vielen Tipps, Yasmin! Ich sitze so oft mit einem Staunen vor dem PC, wenn ich mal wieder die tollen Bilder sehe, die bei euren Shootings so heraus kommen. Wirklich ganz klasse, das wollte ich einfach mal sagen :)

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    1. Lieben Dank, Julia :) Ich freue mich riesig über das Kompliment und werde es gleich mal an meinen Freund weitergeben, denn der ist ja größtenteils für die Bilder verantwortlich

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  9. Was für tolle Tipps und die Bilder sind wirklich bezaubernd! Vielen Dank fürs teilen <3


    https://andreaandcoco.wordpress.com/

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  10. Ein wirklich klasse Beitrag. Ich sohlte nämlich am liebsten Porträt Aufnahmen & einige deiner Tipps haben mir wirklich sehr geholfen!

    Sophie♥

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