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10 Dinge, die ich durch das Bloggen gelernt habe

Neulich überlegte ich, was sich eigentlich in den letzten 4 Jahren, in denen ich blogge, alles verändert hat und inwiefern auch ich mich geändert hatte. Jeder Weg, den wir einschlagen, prägt uns in irgendeiner Form, gibt uns Lektionen mit und fordert uns heraus. Die 10 Dinge, die ich durch das Bloggen für mich persönlich innerhalb und außerhalb dieser Onlinewelt mitnehmen konnte, möchte ich heute mit euch teilen.

1.Du brauchst dich nicht verstecken

Bescheidenheit und Bodenständigkeit zählen zu den von mir am meisten geschätzten Eigenschaften bei Menschen. Sehr dominante Persönlichkeiten mit einem übersteigerten Selbstbewusstsein verschrecken mich oftmals und doch kann man sich von ihnen eine kleine Scheibe abschneiden.

Durch den Blog bin ich selbstbewusster geworden und habe gelernt, mich nicht verstecken zu müssen. Dass es einen Mittelweg gibt zwischen "Hallo Welt, hier bin ich - du hast nur auf mich gewartet" und "Ich halte mich aus Angst vor Ablehnung lieber im Hintergrund und halte meinen Mund - interessiert ja eh niemanden, was ich sage." Der Blog ist mein Sprachrohr geworden und dachte ich anfangs noch, dass es eh niemanden interessiert, was ich hier von mir gebe, sagen die Statistiken etwas anderes. Niemand sollte sich verstecken, denn jeder von uns hat etwas an sich, das es wert ist, gezeigt zu werden. Niemand sollte sich kleiner machen, als er ist, aus Angst als arrogant, selbstverliebt oder größenwahnsinnig wahrgenommen zu werden. Eine gesunde Portion Selbstbewusstsein (wie gesagt, zu viel des Guten ist auch wieder eher wääh) ist etwas, das man erst lernen muss, sich aber in so vielen Lebenssituationen als hilfreich erweist - vor allem dann, wenn man vorher eher das stille Mäuschen war.

2. Immer neue Facetten an mir zu entdecken

Persönlichkeitsentwicklung ist ein lebenslanger Prozess, der durch viele Phasen, viel Ausprobieren und neue Herausforderungen begleitet wird. Dank des Blogs habe ich immer wieder neue Facetten an mir entdeckt, die sich auch im Blog widerspiegeln. Aber auch aus beruflicher Sicht ist es spannend, Autor, Fotograf, Model und Lektor in einem zu sein und somit von vielerlei Seiten gefordert zu werden.


3. Zu erkennen, dass man nicht perfekt sein muss

Im Internet neigt man schnell dazu, - bewusst oder auch unbewusst- durch die gewisse Vorselektion von Inhalten ein bestimmtes Image von sich zu vermitteln. Wenn man dabei noch die Privatsphäre schützen möchte und keinen regelmäßigen Seelenstriptease hinlegen mag, kann man schnell mal zu glatt wirken. Dabei sind es gerade die Ecken und Kanten, die persönlichen Backgroundstories und die eigene Meinung, die dich von allen anderen Bloggern da draußen unterscheiden. Auch wenn ich mir gern perfekt abgestimmte Feeds und Posts ansehe, interessieren mich die Menschen dahinter. Und die dürfen alles andere als perfekt sein, da genau das ja das Spannende ist. Schwierig ist bisweilen lediglich der Spagat aus zu viel oder zu wenig Persönlichkeit.

4. Man muss nicht das machen, was alle anderen gerade tun

Wenn man Teil einer Community ist, die sich rund um den neusten hippen Trend dreht, neigt man schnell dazu, blind auf den Zug aufzuspringen. Sei es bei kleineren Dingen wie modischen It-Pieces oder aber auch größeren Aspekten, wie den Drang, auch so viel reisen zu müssen, auch so viele Designertaschen zu horten und genauso tolle Texte schreiben zu müssen wie Blogger XY. Am Anfang ist mir das deutlich schwerer gefallen und ich war anfälliger für neue Trends und habe einen gewissen Lifestyle der "Großen" bewundert. Mittlerweile sehe ich das etwas differenzierter, lasse mich gern inspirieren, muss aber nicht alles mitmachen, was da draußen gerade angesagt ist, nur um aktuell zu sein. Wenn man nämlich jedem Trend folgt und alles brav nachmacht, kann das auf Dauer nicht nur wirklich langweilig sein, sondern man läuft Gefahr, sich selbst zu verlieren.

5. Eine Leidenschaft kontinuierlich verfolgen

Zugegeben, ich war noch nie der Typ, der Hobbies vorzeitig aufgibt. Habe brav 11 Jahre Klavier gespielt, lese nach wie vor super gerne, kann mich auch seit dem ersten Tag trotz zahlreicher Desaster für das Kochen begeistern. Ich bin also niemand, der vorschnell das Handtuch wirft und zum nächsten Hobby übergeht - Sport ausgenommen! Und doch würde ich behaupten, dass ich noch nichts in meinem Leben so leidenschaftlich und regelmäßig verfolgt habe wie das Bloggen und ich stets daran interessiert bin, mich weiterzuentwickeln. Dieser Ehrgeiz, an etwas dran zu bleiben, das einen mit Freude erfüllt und dem Gefühl, etwas produziert zu haben, aufzuwachen, macht unglaublich Spaß und habe ich in dieser Intensität zuvor nie erlebt.

6. Sich aber auch nicht schlecht fühlen, wenn es Downphasen gibt

Und trotz der Leidenschaft musste ich erkennen, dass es gut und normal ist, auch Downphasen zu haben. Dass es ab und an Kreativitäts-Tiefs gibt oder Momente, in denen ich alles über Bord werfen und aufgeben möchte. In denen ich von mir selbst und den Inhalten hier genervt bin, das Gefühl habe, nicht gut genug zu sein und das Beste für euch gegeben zu haben. Aber das ist menschlich und sicherlich bei jedem Hobby oder Beruf von Zeit zu Zeit der Fall. Umso schöner ist es, wenn man diese Phasen überwindet und mit frischer Energie in Projekte investiert. Ob das jetzt auf den Blog oder das Leben allgemein bezogen angewendet wird - Rückschläge gehören dazu und sollten uns nicht gleich zum Aufgeben zwingen.

7. Hinter die Facetten zu schauen und zu erkennen, dass nicht alles Gold ist, was glänzt

Womöglich hängt es damit zusammen, dass ich mich seit 4 Jahren aktiv in der Bloggerwelt bewege oder aber auch einfach am reiferen Alter. Jedenfalls durchschaut man Menschen, Strategien und Verhalten deutlich schneller. Anfangs war die Bloggerwelt eine einzige goldene bewundernswerte Blase für mich. Heutzutage weiß ich, dass a) nicht alles Gold ist, was glänzt und b) eine gehörige Menge Arbeit und Schweiß hinein investiert werden muss, um am Ball zu bleiben. Aber auch so lernt man ziemlich schnell hinter die Kulissen zu schauen und wenn man selbst Producer ist, entzaubern sich faszinierende Instagramfeeds, tolle Reisen oder perfekte Fotos sehr schnell - einfach dadurch, dass man selbst am besten weiß, wie das Ganze funktioniert. Ich würde behaupten, dass ich dadurch reflektierter, zuweilen auch kritischer bin und weniger schnell auf Dinge hereinfalle, eben weil man die Mechanismen der Onlinewelt so gut kennt.

8. Sich selbst jeden Tag ein wenig mehr herausfordern und neue Dinge lernen

Dieser Punkt ist einer, der mir nach wie vor am meisten Spaß macht. Bloggen fordert. Irgendwann möchte man mehr, besser werden und das bedeutet, dass man an seinen Fähigkeiten arbeiten muss. Mit Stefan als kleinen Nerd habe ich schon vor dem Blog sehr viel technisches Verständnis vermittelt bekommen. Irgendwann angefangen, mich auch in Photoshop und Videobearbeitung hineinzufuchsen, damit er das nicht mehr übernehmen muss, habe mich mit der Kamera und immer neuen Wegen der Bildverbesserung auseinandergesetzt, schaue auch heute noch etliche Tutorials, um mich zu verbessern, um mehr für mich und für euch aus den Beiträgen herauszuholen, lese gern Tipps und Insides von anderen Mitstreitern, um so vielleicht noch etwas zu lernen. Es ist also wie überall nicht so, dass man eines Tages aufwacht und mit all diesen Fähigkeiten starten kann: nein, man muss sie üben, verfeiern, stärken, manchmal über Bord werfen und noch einmal neu beginnen, aber in jedem Fall immer am Ball bleiben und sich jeden Tag ein wenig mehr herausfordern.

9. Dass diese Community hier trotz der Anonymität echt ist

Am Anfang ist das ja schon ein wenig so, als würde man für sich allein schreiben, wenn man noch nicht allzu viele Leser hat. Und auch ich denke mir manchmal, dass es schon merkwürdig ist, dass ich eine Kamera aufstelle oder einen neuen Blogpost starte und einfach sage/schreibe, was ich gerade so denke. Das hier, dieses Internet, ist ja nicht echt. Ich rede ja nicht von Angesicht zu Angesicht mit richtigen Menschen. Aber dem ist nicht so. Auch wenn ich euch vielleicht nicht alle beim Namen kenne und eine gewisse Anonymitität herrscht bzw. ihr auch nur das von mir kennt, was ich euch hier zeige, findet ein echter Austausch statt. Häufig in den Kommentaren oder bei Instagram, noch öfter aber hinter den Kulissen. Wenn ausführliche Mails oder persönliche Geschichten geschrieben werden, wenn nach Ratschlägen gefragt wird oder man sich einfach so gut versteht, dass irgendwann auch mal die Handynummern ausgetauscht werden und ein noch privaterer Kontakt entsteht Und genau das ist eigentlich die schönste Seite am Bloggen. Zu wissen, dass man sich eine Community aufgebaut hat, die genau die gleichen Interessen verfolgt, vor genau den gleichen Problemen steht und hier einen Ort gefunden hat, sich genau darüber zu unterhalten - ganz ungeachtet der räumlichen Grenzen.

10. Sich ein dickeres Fell anzuschaffen

Zugegeben, meine Leserschaft ist wirklich lieb zu mir. Im Vergleich zu anderen Bloggern muss ich mich nahezu nie mit negativen Kommentaren oder allzu harter Kritik auseinandersetzen. Und wenn, dann ist sie konstruktiv formuliert, was ich sehr zu schätzen weiß. Als dann aber doch in den letzten 4 Jahren hier und da mal ein Kommentar kam, der mir bitter aufstieß, musste ich lernen, damit umzugehen. Dass nicht jeder Mensch toll findet, was ich hier mache, dass es verschiedene - oft vernünftig, ab und an aber auch absolut unverschämte - Äußerungen und Kritiken gibt. Ich weiß noch genau, wie ich beim ersten bösen Kommentar zusammenzuckte und es so persönlich nahm, dass ich noch tagelang zu knabbern hatte, auch wenn der Satz absolut haltlos war,denn die Person kannte mich gar nicht. Und genau dieses dickere Fell hilft auch im Alltag fernab der Internetgeschichte. Ich differenziere besser, versuche mir Kritik erst einmal anzuhören, bevor ich in Verteidigungsposition gehe, versuche daraus zu lernen und sie weniger persönlich zu nehmen. Nicht immer eine leichte Aufgabe, aber man wird besser mit der Zeit.

Wie ist das bei euch? Was habt ihr durchs Bloggen gelernt oder gibt es Lektionen, die ihr durch euren Beruf oder euer Hobby - fernab des Bloggens- mitnehmen konntet?

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11 Kommentare

  1. Was für ein schöner und wahrer Post, vielen Dank! Ich habe durch meinen Blog vor allem gelernt, meinen Ausdruck zu verbessern, ganz viel über mich selbst und unglaublich viele englische Vokabeln :) Nicht zu vergessen durch die vielen Fotos praktisch mein Äußeres in praktisch jeder Facette...
    xx Rena
    www.dressedwithsoul.com

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    1. Vielen Dank, Rena :) Ich kann die von dir genannten Punkte nur unterstreichen! Man trainiert damit so viele verschiedene Aspekte, wird offener, selbstbewusster auch im Umgang mit anderen Menschen im echten Leben.

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  2. Eigentlich bin ich eher der Stille Leser. Aber jetzt möchte ich doch mal die Kommentar-Funktion nutzen. Ich finde deinen Blog großartig! Deine Texte sind so authentisch und sympathisch, deine Bilder sehr ästhetisch. Ich lese deine Posts unglaublich gerne und wünschte mir manchmal, dass ich auch den Mut hätte, so etwas großartiges auf die Beine zu stellen. Du kannst wirklich stolz darauf sein, so ein tolles persönliches Projekt zu haben und daraus soviel schöpfen zu können! :) ich freue mich noch ganz viel von dir zu lesen!


    Liebe Grüße
    Mrs_Ker

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    1. Liebe Mrs_Ker, vielen lieben Dank fpr die lieben Worte und Komplimente. Das freut mich riesig, dass du diesen Post nutzt, um mal einen Kommentar zu hinterlassen. Aber warum solltest du nicht auch den Mut dazu haben? Trau dich doch und probier dich mal in die Richtung aus?!

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  3. Was für ein schöner Post, Yasmin! Ich überlege seit längerem (sehr sehr längerem sozusagen) auch einen Blog anzufangen und genau diese Punkte geistern mir da im Kopf herum.. Wie auch Mrs_Ker liebe ich deine Blog, ganz besonders deine Fotos.

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    1. Vielen Dank, Lea! Probier es doch einfach mal aus! Ich habe auch einige Jahre vorher ewig überlegt und gezweifelt, bis ich es einfach gemacht habe. Später habe ich bereut, nicht schon eher angefangen zu haben. Es macht einfach Spaß, fordert und bereichert total :)

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  4. Sooo sooo soo ein toller Post! Ich blogge zwar noch nicht ganz so lange wie du, kann aber trotzdem die meisten der genannten Fakten genauso unterschreiben.

    Love, Kerstin
    http://www.missgetaway.com/

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  5. Ein wirklich toller Text, den man teilweise denke ich auch auf das "normale Leben" bzw. Nicht-Blogger-Dasein übertragen kann!
    Und du musst dich überhaupt nicht verstecken: Du bist so authentisch und liebenswert! Ich lesen wirklich viele Blogs, aber deiner sticht durch deine Art und die Art wie du schreibst wirklich heraus (im positiven Sinne natürlich)! :)

    Mach weiter so :) LG Sarah

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    1. Vielen lieben Dank für die lieben Worte, Sarah :) Und ja, man kann manche Dinge natürlich auch aufs "echte" Leben beziehen. Parallelen finden sich da ja eigentlich immer.

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  6. Ein echt interessanter Post - vom Bloggen nimmt man tatsächlich viel für sein Privatleben mit! Ich hab das erste Mal so vor 5 Jahren gebloggt, damals ganz Oldschool mit blogspot usw. Und ich hab gelernt, dass es einen Unterschied zwischen konstruktiver Kritik gibt und unfreundlichen Kommentaren, die man nicht an sich ran lassen sollte. Mittlerweile ist mein Blog fast wie ein Spiegel meiner Entwicklung in den letzten Jahren und ich find's spannend, wie das weiter geht und in welche Richtung ich mich mit meinem Blog entwickel!

    Die Bilder und dein Design allgemein sind übrigens wirklich unheimlich schön und was ich direkt gut finde, ist dass der *Sponsored-Claim bei dir in der Seitenleiste ist!

    Alles Liebe,
    Linn

    http://linnmaira.com

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