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Weekend in Pictures: Sammelst du Momente für dich oder für andere?






Vorgestern Abend war mal wieder so ein Moment. Ich öffnete nach 3 Tagen Abstinenz bewusst meine Lieblingsapp Instagram und wurde regelrecht bombardiert mit panischen Notification Posts. Spätestens beim 10. Posting hatte ich die Nase voll und hätte mein Iphone am liebsten aus dem Fenster geworfen. "Gibt es nichts Wichtigeres, worüber ihr euch bis hin zur Massenpanik aufregen könnt?", möchte ich brüllen und bin sichtlich genervt von dieser Onlinewelt, der ich auch angehöre. 
Richtige Updates gibt es in meiner Timeline am Ostermontag zwischen besagten Notifications Postings kaum. Grund genug, um die App zu schließen. Bevor ich aber das Iphone komplett wegpacke, schaue ich noch einmal kurz zu Snapchat (ist so ein innerer Zwang, erst einmal alles abchecken zu wollen), nur um kurze Zeit später zu merken, dass mir das Leben der anderen, das ich sonst so neugierig verfolge, gerade ziemlich egal ist und ich nur halbherzig durch die Stories klicke. Denn ich habe meine Familie hier, ein volles Haus, so viele Möglichkeiten, Dinge zu unternehmen. In echt, außerhalb des Handybildschirms und genieße es. Gerade in dem Moment erscheint mir also das, was mir sonst so viel Freude bereitet, als nichtssagend, uninteressant, schlichtweg unwichtig.

Stattdessen befinde ich mich inmitten der Familie, die Handys allesamt außer Reichweite, stattdessen stehen Spiele auf dem Tisch oder man geht raus mit dem Ball, um dummer Junge zu spielen. Ja, ehrlich, das haben wir gemacht. Wenn Hastags, Goals und die neuste It-Bag einfach mal niemanden interessieren und man stattdessen die wirklich wichtigen Fragen stellt. Wenn echte Geschichten geteilt werden, wenn man sich wieder einmal in den Armen liegt, zum Kind wird und mit bunten Gummistiefeln den Ostereiern hinterherjagt, sich den Bauch vollschlägt, gemütlich auf der Couch liegt und Filme schaut, über alte Zeiten quatschen kann und sich einfach Zeit für das echte Leben nimmt. DAS ist Gold wert. 

Außerdem hilft diese Flucht in die Realität dabei, den Boden unter den Füßen nicht zu verlieren und die Relation von on- und offline Ich gerade zu rücken, denn es passiert schnell, dass man sich inmitten der Social Media Welt mit ihren ganz eigenen Regeln und Eigenheiten selbst fremd wird oder aber sich Problemen widmet, die ganz ehrlich keine sind (hint hint zur Instagram-Panik am Wochenende). Versteht mich nicht falsch, ich liebe diese Welt und teile gern mit euch, aber ebenso gern verschließe ich mein Türchen, lebe im Moment, ganz ohne alles festhalten zu müssen, denn deser "Druck" kann einem (und dem Umfeld) manchmal ganz schön auf den Geist gehen. Ich spreche hierbei von diesem selbstauferlegten Druck, ständig alles festhalten zu müssen. Vielleicht geht es nur mir so oder aber es ist eine generelle Bloggerkrankheit. Wenn man es aber gewöhnt ist, ständig durch die Linse zu schauen, entsteht dieser Wahn, alles für andere festhalten zu wollen. Fragt euch doch mal ehrlich: nehmt ihr dieses Motiv jetzt auf, weil es euch Freude macht, nur eurer selbst dient oder aber weil es ein gutes Motiv für den Blog oder Insta ergibt? Ich persönlich erwische mich viel öfter als mir lieb ist dabei, Dinge aus einer Art "Zwang" festzuhalten. Dann "muss" dieses oder jene geknipst werden für den Blog, für euch, aber auch für mich?

Während der Feiertage oder auch gern langer Familienwochenenden passiert es also regelmäßig, dass ich diese Relation gerade rücke. Dass ich bewusst das Handy zur Seite packe, die Kamera nicht mit dem Hintergedanken einstecke, Fotos machen zu müssen, sondern zu können - vorausgesetzt ich habe Lust. In diesen wenigen Tagen, die sich wie eine ganz eigene Blubberblase fernab der Online-Welt anfühlen, sammle ich Momente, die nur meine engsten Freunde, Familie und ich selbst zu sehen bekommen. Sozusagen ein kleines Geheimnis in einer Schachtel, an die eben nur ausgewählte Menschen Zugriff haben. Und das fühlt sich verdammt gut an.

Dann kann es auch mal vorkommen, dass meine Fotografielust plötzlich wiederkommt - ganz ohne Postingzwang, ganz ohne euch sofort live mitzunehmen. Und wenn ich Lust habe und Tage später durch die Eindrücke stöbere, ja dann schaffen es vielleicht auch einige Eindrücke hier her. Allerdings aus einer ganz anderen Motivation heraus. Nehmt z.B. die Ostereier. Ich habe sie für mich fotografiert, weil ich sie schön fand und nicht, weil ich ein tolles Oster Tutorial auf dem Blog zeigen wollte. Oder der Sonnenuntergang. Es hat mich in dem Moment so glücklich gemacht, als ich nur kurz was in meinem Zimmer holen wollte, den feuerroten Himmel sah, kurz innehielt, dem Spektakel zusah und ja, ganz zum Schluss noch einmal losflitze, meine Kamera schnappte und für mich auf den Auslöser drückte.

Die Reihenfolge und Motivation ist eine andere. Bemale ich bunte Eier und gehe in den Garten, verreise an exotische Orte oder kaufe die eine Klamotte, um Material für den Blog zu haben oder mache ich es für mich? Weil ich gerade Lust darauf habe, vielleicht auch mal ein Foto davon mache - oder eben auch nicht - und je nach Laune entscheide, ob ihr daran teilhaben dürft. Oder drücke ich nur auf den Auslöser, um was zum Zeigen zu haben, um Content zu produzieren, um etwas verbloggen zu können? Versteht ihr den Unterschied?

Die Schnappchüsse aus diesem Post und all den Weekend in Pictures Artikeln haben also eine ganz andere Motivation. Sie sind aus dem Moment heraus entstanden, weil dieser mich glücklich gemacht hat oder ich das Motiv einfach so schön fand - ganz ohne den Zwang oder die Planung, auf dem Blog zu landen. Wenn sie es dann doch schaffen, ist das irgendwie ein schöneres Gefühl. Echter. Nicht durchgeplant. Und die Momente und Geschichten dahinter, bewahre ich mir ja dann doch selbst und gehören nur mir. Dann stelle ich auch am Ende des Tages nicht panisch fest, kaum etwas gepostet oder gesnappt zu haben, sondern schaue mit Zufriedenheit zurück. Dass der Tag gerade perfekt war, weil ich  meine Welt nich ständig durch eine App wahrgenommen habe.





 

Habt ihr euch als Blogger auch schon dabei erwischt, öfter  für andere oder den Blog abzudrücken statt einfach den Moment für sich zu nutzen und etwas nur für sich zu machen, ganz ohne diese "Sowas will ich posten, also brauche ich so ein Foto"- Motivation? 

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10 Kommentare

  1. Das kenne ich auch und ich glaube, das kann jeder Blogger unterschreiben! Oft mache ich auch Fotos und denke: "Das kannst du dann mal verwenden, wenn du einen Leerlauf hast und nichts Spannendes zum Fotografieren da ist!"
    Aber gerade bei solchen Dingen wie Konzerte oder ähnliches packe ich Kameras und Handys bewusst weg und genieße einfach nur noch! Die Bilder sind meist sowieso viel zu undeutlich und durch die Linse kann ich mir das ganze auch bei YouTube anschauen! Bewusste Auszeiten sind Gold wert!
    Liebe Grüße und welcome back ;-)
    Jenny

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    1. Vielen Dank für dein Feedback, Jenny! Und ich kann dir in allen Punkten zustimmen. Gerade bei Konzerten ist das doch fast Wahnsinn, wie manche da die ganze Zeit über das Konzert durch einen Bildschirm sehen. Dass man Erinnerungsfotos macht, ist ja gut und schön, aber doch nicht die ganze Zeit :D

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  2. Wie recht du hast Liebes... ich musste meine Aggressionen gegenüber der "Instapanic" auch schon auf meinem Blog loswerden....

    Love,
    Christina von http://inlooovewith.com

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    1. Ich hatte schon gar keine Lust mehr, das Thema groß aufzufächern, dann bekommt es nur noch mehr Spielraum und letztlich ist es echt nur Panikmache gewesen.
      Liebe Grüße

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  3. Ja, ich erwische mich immer wieder dabei.
    Und als ich letztes Jahr im Disneyland Paris war und wir Abends die tolle Show angeschaut habe, habe ich ganz bewusst das Handy in der Tasche gelassen und das Spektakel ganz alleine für mich angeschaut und genossen!
    Ich wollte es mit eigenen Augen sehen und nicht durch eine Linse.

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    1. Gut, dass ich scheinbar nicht die einzige bin :D
      Aber gut, dass du den Moment bewusst genossen hast.

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  4. Ich erkenne mich in einigen deiner Schilderungen durchaus auch wieder..leider. Du hast völlig recht damit, dass man viel öfter hinterfragen sollte, weshalb man etwas fotografiert/kauft etc. Es ist ja prinzipiell nichts verwerfliches an dieser Online- oder Blogger-Welt, wir haben uns dafür entschieden, weil es uns Spaß macht. Dennoch sollte man ab und zu innehalten und über die Dinge reflektieren, die man tut. Schön geschrieben und mit beeindruckenden Fotos versehen, gefällt mir. ;)
    Liebste Grüße
    Andrea von www.chapeau-blog.de

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    1. Hallo Andrea,
      danke für dein Feedback. Ich finde prinzipiell auch nichts verwerflich am Teilen schöner Momente, wenn daraus aber eine Jagd wird und man sein Leben danach ausrichtet, schöne Motive zu sammeln, statt im Moment zu leben, ist das schon grenzwertig, finde ich. Weil ich das bei mir selbst erkennen musste, fand ich es auch so wichtig, bewusst dagegen zu steuern :)

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  5. Oh gerade während der Feiertage habe ich die off Zeit so sehr genossen, die würde ich um keinen Preis für Instagram Bilder missen wollen. Ich hatte meine Cam natürlich dabei aber wirklich nur einmal, während einer Radtour an der Elbe dabei. Dort habe ich auch etwas geknipst. Aber die meiste Zeit hing ich mit schlechtem Wlan und Handyempfang am Deich, am Strand, im Wald, bei den Hühnern, Kühen und Schafen in Gummistiefekn und Regencape und habe es absolut genossen Nachts am Lageferfeuer zu sitzten. Keinen dieser Momente würde ich durch meine Linse sehen wollen, oder vielleicht schon, als schöne Erinnerung. Aber keines der Bilder muss auf Instagram hochgeladen werden, denn ich gönne mir einfach bewusst diese Auszeit, die ich sooo bitter nötig hatte nach 14 Stunden Tagen und wenig Schlaf und Perspektivlosigkeit. Wie Du so schön schreibst, finde ich auch, so ein Ausflug nach Hause ist immer wichtig um den Boden unter den Füßen nicht zu verlieren. Hier interessiert sich niemand (bis auf Omi) für teuere Chanel Taschen und Co. hier wird das Leben genossen, gespielt, im Strandkorb entspannt und gelesen und natürlich mit den ganzen Hunden, Katzten und Hühnern gespielt. :) Und auch wenn ich es bei dem Anblick deiner schönen Bilder etwas bereue, keine gemacht zu haben. Glaube ich nach 7 Tagen Heimaturlaub bin ich entspannter und glücklicher denn je. Die coolen Blogs und Instagram Acoounts scroll ich gleich mal durch.

    Bisous aus Berlin, deine Patricia

    THEVOGUEVOYAGE by Patricia Sophie

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  6. Der Text spricht mir absolut aus der Seele. Ich habe gestern zu unserem 8 Jahres Anniversary auch ganz bewusst das Handy in der Tasche gelassen, auch wenn das Essen & die Location nur zu "instagram-worthy" gewesen wäre. Das war unsere Zeit, kein Insta, kein Snapchat, nichts.
    Ich erwische mich in letzter Zeit auch immer öfter dabei, wie ich mich von der panischen Internet-Welt distanziere und manchmal alles hinterfrage was ich so mache. Vielleicht eine kleine Identitätskrise - wer weiß :)

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