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Du hast die Wahl


Disclaimer: Ja, ich führe einen Fashion und Lifestyle Blog und ja, ich bin keine studierte Politikwissenschaftlerin, die kompetente Prognosen und Analysen vornehmen kann. Aber ich bin neben dem Modemädchen auch Geschichtslehrerin, politisches Wesen, habe den bildungspolitischen Auftrag, Geschichtsbewusstsein zu fördern, meine Schüler zu demokratischen, toleranten und kritisch hinterfragenden Menschen zu erziehen, bin Bürgerin in Deutschland und muss meine Stimme, die ich hier dank des Blogs besitze, nutzen. Deswegen bewege ich mich heute fernab der Mode- und Lifestylepfade und musste ein paar Überlegungen zu den anstehenden Landtagswahlen mit euch teilen. Die hier dargestellte Meinung ist natürlich nur meine eigene, ich möchte damit niemanden in seiner Wahlentscheidung beeinflussen und doch darauf aufmerksam machen, das persönliche Wahlrecht intelligent und reflektiert zu gebrauchen.


Ketchup oder Majo?  Ausbildung oder doch ein Studium? Landhausstil oder Industrial Chic? Kinder oder lieber doch keine? Eine Zukunft auf dem Land oder der Stadt? Auslandssemester oder doch lieber Regelstudienzeit, all in oder doch auf Nummer sicher gehen?

Im Leben haben wir so einige Entscheidungen zu fällen. Manche mehr, manche weniger schwer wiegend. Unsicherheit ist dabei etwas völlig Normales. Was aber nicht geht? Sich nicht zu entscheiden. Denn selbst das ist eine Entscheidung - für die Gegenseite. 

Am 13. März sind in meinem Bundesland Sachsen-Anhalt sowie in Baden-Württemberg und Rheinland Pfalz Landtagswahlen und ich gehe wählen. Weil es wichtig ist. Weil es eine Form der Freiheit und weil es meine Pflicht als politisch handelndes Wesen ist. Ich habe mit der Wahlberechtigung ein kostbares Geschenk erhalten, wofür andere Menschen weltweit kämpfen. Die Entscheidung, mit meiner Stimme etwas Gutes zu bewirken, mein Land zu unterstützen und ein wenig dafür beizutragen, dass die Zukunft nach meinen Vorstellungen geformt wird.

Wahlen sind keine Sache, vor der wir die Augen verschließen dürfen. Sie sind keine Sache, aus denen wir mit der Ausrede, uns nicht für Politik zu interessieren, herauskommen. Falls ihr nicht wisst, welche Partei ihr unterstützen sollt, schaut euch auf den Webseiten um, lest die Wahlprogramme durch, nutzt Entscheidungshilfen wie den Wahlomat, um zu schauen, welche Partei eure Einstellung am ehesten vertritt und wählt per Briefwahl, falls ihr es persönlich nicht in das Wahllokal schafft.
Nicht zu wählen aus Faulheit, aus Unwissenheit, aus Trotz ist keine Option.
Denn dafür sind sie zu wichtig, zu entscheidend für die politische Richtung, die Deutschland einschlagen wird. Vor allem in Zeiten der Krisen, in Zeiten, in denen Menschen auf der Flucht und in Not sind, in Zeiten, in denen die politischen Lager nicht gespaltener sein könnten, in Zeiten, in denen der Rechtsruck in der Bevölkerung deutlich zu spüren ist. Aus irrationaler Angst vor dem Unbekannten, aus Angst vor dem Neuen, aus Angst vor der eigenen Zukunft.

Krisen waren schon immer der Nährboden für rechtes Gedankengut. Sie fressen sich wie Maden am Speck genau an dieser Verzweiflung, an Ratlosigkeit, Vorurteilen, Wut, persönlichen Problemen und Diskrepanzen satt. Genau so hat es schon einmal angefangen. Mit verzweifelten Bürgern, Fehlentscheidungen, wirtschaftlichen Ängsten & Nöten, zu geringem Vertrauen in die Demokratie und Politik sowie verschleierten Versprechungen, hinter denen so viel mehr steckt.

Sachsen-Anhalt ist ein Bundesland, das oft übersehen wird. Hier herrscht nicht nur die dritthöchste Arbeitslosenquote (Quelle statista.com), sondern auch die Löhne sind deutlich geringer als im Rest des Landes, die Industrie nach der Wende deutlich zurückgegangen. Kurzum: die Menschen sind frustriert, fühlen sich bedroht vom "Flüchtlingsstrom", kämpfen mit Geldsorgen und fehlenden Perspektiven. Sachsen-Anhalt bietet demnach großen Nährboden für rechtspopulistische Parteien, die sich eben jene Nöte zu Nutzen machen.
Wenn ich sehe, dass die AfD in Sachsen-Anhalt mittlerweile mit 18-19% (siehe aktuelle Umfrageergebnisse der INSA/Forsa) vor gestandenen Parteien wie der  SPD liegt und einem die hohlen Parolen der NPD in den Kleinstädten des Ostens entgegenspringen, wird mir kotzübel und ich kriege eine Scheißangst. Anders kann ich es nicht ausdrücken.
Einlullende Parolen, die verängstigte Bürger, die nicht näher hinterfragen, blenden und Wähler anlocken, die gegen die aktuelle Flüchtlingspolitik sind. Aber wusstet ihr auch, dass die AfD sich in ihrem Wahlprogramm gegen folgende Pfeiler der Demokratie und Emanzipation, ja modernen Welt, stark macht?

Die AfD spricht sich offen aus gegen:
  • die moderne Rolle der Frau und fordert das Verbot der Abtreibung - einer Entscheidung, die jede Frau ganz persönlich für sich treffen dürfen sollte, eben auch eine Form der Freiheit- , um das Bestehen der deutschen Nation zu sichern (Quelle: Wahlprogramm der AfD BaWü, S. 29)
  • die Adoption in homosexuellen Lebensgemeinschaften, weil dies angeblich eine "normale Geschlechtsidentität" des Kindes gefährden könne  (Quelle: Wahlprogramm der AfD, SA, S. 9, Punkt 1.12.)
  • moderne Familienbilder wie beispielsweise Alleinerziehende, Patchworkfamilien und Co. stattdessen wird ein "Wunschbild einer deutschen Familie mit Mutter, Vater und drei Kindern" propagiert (Quelle: Wahlprogramm der AfD BaWü, S. 6)
  • die Freiheit der Kunst, denn sie will direkten Einfluss auf den Spielplan der Theater nehmen und zunehmend internationale Stücke durch deutsche Klassiker ersetzen. - Wo bleibt da die Toleranz, die Offenheit und Multikultur? Nichts gegen Schiller, Goethe und Co., aber was wären die Bühnen dieser Welt ohne Shakespeare und modernen Input? (Quelle: Wahlprogramm der AfD, SA S. 20)
  • den aktuellen Geschichtsunterricht und die Aufarbeitung des Nationalsozialismus, den die Partei als "Unglücksjahre" bezeichnet, was eine bodenlose Frechheit und Verharmlosung der Geschichte ist. Weiters macht sich die Partei für eine autoritäre Bildung stark, in der Worte wie "preußische Tugenden" fallen. Ebenso lehnen sie Inklusion ab. - Wo bleiben da Schlagworte der modernen Bildungspolitik wie etwa Schülerorientierung und geschichtspolitische Kompetenz? (Quelle: Wahlprogramm der AfD SA, S 1, Präambel sowie S. 14)
Das war übrigens neben den bereits bekannten radikalen und kompromisslosen Forderungen bezüglich der Flüchtlingsdebatte nur ein Auszug dessen, was sich hinter den Parolen der Wahlplakate wirklich verbirgt. Ziemlich verstörend, oder? Wir können und dürfen im Jahr 2016 solchem Gedankengut keinen Platz einräumen. Und ja, ich rede von demokratischer Entscheidung sowie Wahl und rechtspopulistische Parteien dürfen nach wie vor praktizieren, denn auch das ist Teil unserer Demokratie und Meinungsfreiheit. Was wir aber tun können, ist dem Ganzen Einhalt zu gebieten und ihnen gar nicht erst Mitspracherecht zu ermöglichen.
Also bitte ich dich, dich und dich: geht wählen, setzt eure Kreuze jedoch mit Bedacht und überlegt genau, welche Konsequenzen sich ergeben könnten. Demokratie bedeutet auch, dass ihr die freie Wahl habt - ganz egal, wen ihr wählt und ob ich oder euer Umfeld das gutheißt -  und doch ist es mir wichtig, mich mit diesem Artikel einerseits für die Inanspruchnahme des Wahlrechts einzusetzen als auch Augen zu öffnen und an euren Verstand zu appellieren. 

Wer sich noch nicht sicher ist, welche Partei er unterstützen möchte, dem kann ich folgende Links zu den Wahlprogrammen sowie den Wahlomat ans Herz legen. Macht euch schlau, beschäftigt euch mit der Materie, hinterfragt kritisch, reduziert die Wahlprogramme nicht nur auf die Stellungnahme zur  "Flüchtlingskrise", wählt intelligent und einer modernen Weltanschauung entsprechend.

Sachsen-Anhalt wählt - alle Wahlprogramme für Sachsen-Anhalt im Überblick
Landtagswahl Baden-Württemberg - alle Wahlprogramme im Überblick
Landtagswahl Rheinland Pfalz - alle Infos im Überblick

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11 Kommentare

  1. Tausend Daumen hoch & viele liebe Grüße nach Halle aus LE. Ich fasse es immer noch nicht, wie sich die jämmerliche AfD selbst so "hochwürgen" konnte. Was ist mit den Menschen nur passiert? Es ist erschreckend. Ich hoffe immer noch, das am Ende alles gut wird.

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  2. Liebe Yassi,
    ich bin sonst eine sehr stille Leserin deines Blogs, aber zu diesem Post muss ich einfach einen Kommentar schreiben, denn du hast mit alle dem einfach so recht!
    Wählen zu gehen ist so wichtig und jeder der nicht geht, hat auch kein bisschen das Recht die Politik zu kritisieren. Ich selbst bin erst vor kurzem 18 geworden und habe mich wirklich riesig gefreut und empfand es auch irgendwie als Ehre, als ich am Wochenende das erste mal Wählen gehen durfte. Bei uns wurde der Landrat gewählt und wir hatten nur kanpp 40% Wahlbeteiligung. Darüber war ich sehr geschockt und ich habe mich wirklich geschämt, dass nur so wenige gegangen sind.
    Erschreckend ist auch, dass wie du schon gesagt hast, immer wenn es Krisen gibt, das rechte Gedankengut sofort wieder stark zum Vorschein kommt, ich verstehe nicht, wie nach all dem was im dritten Reich geschehen ist, die Leute das immer noch für gut heißen können bzw. das Ganze verharmlosen.
    Ich hoffe, dass bei den Landtagswahlen wieder mehr Leute zum wählen gehen und die AfD, sowie andere rechts orientierte Parteien doch nicht so viele Stimmen bekommen wie in den aktuellen Umfragen.
    Danke für diesen tollen Post
    Liebe Grüße Anna

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  3. Wirklich toller Post, welcher sich lohnt sich durchzulesen :)

    Liebe Grüße <3
    http://thislifeisprettyamazing.blogspot.de/?m=1

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  4. Vielen Dank! Ich sehe es wie du (habe übrigens auch Politik studiert) und finde es sehr gut,wenn wir unsere Möglichkeit nutzen, Menschen, die unsere Meinung/Einstellung auch sonst regelmässig lesen, darauf hinzuweisen, wie wichtig Wählen ist!

    LG aus Mainz (wo Sonntag dann der Gang zur Wahlurne ansteht)
    von Sabine von Ordnungsliebe.net

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  5. Vielen Dank für diesen Beitrag. Viel mehr kann ich dazu eigentlich nicht sagen. Ich stimme dir in allem zu und finde es wichtig, dass du deine Position als erfolgreiche Bloggerin nutzt, um auch auf solche Themen aufmerksam zu machen.

    ich habe schon per Briefwahl gewählt und bin sehr auf das Ergebnis in BW gespannt.

    Liebe Grüße
    Sabi

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  6. Danke fuer diesen Post und das du deinen Blog auch fuer so unglaublich wichtige Themen nutzt! Wir koennen nur hoffen das die Prognosen widerlegt werden!
    Liebe Gruesse aus Halle :)

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    1. Lieben Dank, Luisa :) Es freut mich sehr, dass dir der Beitrag gefallen hat

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  7. Ein worklich grandioser Beitrag! Ich finde es super, dass du deine "Reichweite" so nutzt. Das sollte es öfters geben!

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  8. Liebe Yasmin,

    danke für diesen Post. Die "Scheißangst" kann ich total verstehen.

    Wahrscheinlich kennt sie jeder: diese ehemaligen Bekannten, die das Dorf, in dem sie geboren sind, maximal einmal im Jahr für den Urlaub verlassen. Nichts gegen das Dorfleben, ich komme ja selbst daher, aber genau diese Bekannten sind immer ganz weit vorne, wenn es darum geht ein bisschen Unruhe zu stiften, rechte Artikel zu posten oder durch Kommentare unter AfD-Posts ihre Zustimmung zu bekunden. NPD - nein danke. Das sind doch Nazis, aber die AfD ist okay.

    Meiner Meinung nach nehmen sich beide nicht viel. Über sowas ärgere ich mich, rege mich auf und schüttel mit dem Kopf. Tausend Mal schlimmer finde ich es aber, wenn plötzlich intelligente, liebenswerte Menschen aus meinem Umfeld solche Meinungen unterstützen. Wie kann man als schlauer, gebildeter Mensch, der sich mit Weltoffenheit rühmt, eine solche Meinung auch nur akzeptabel finden? Das Argument, welches immer angeführt wird, ist dann "Anna, du hast davon ja auch nicht so die Ahnung. Ich habe mich da umfassend informiert. Natürlich nicht in den öffentlichen Medien - die sind ja vom Staat manipuliert." Dass alle anderen Medien vielleicht auch manipulieren, kommt ihnen nicht in den Sinn. Wenn ich sowas höre, dann bekomme ich Bauchschmerzen - richtig heftige Bauchschmerzen. Und es bleibt nur zu hoffen, dass gerade diese Menschen merken, dass die Alternative eigentlich keine Alternative ist.

    Hoffentlich bevor es zu spät ist..

    Viele Grüße
    Anna

    P.S.: Ich finde es super, dass du deine Stimme auch hier auf dem Blog nutzt. Richtig richtig gut.

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  9. Ein toller Post. Leider haben ihn die betroffenden Leute nicht gelesen. Sowas lesen immer nur die, die es eh nicht nötig haben.
    Ein bitteres Wahlergebnis hat uns getroffen und nach dem aktuellen Twitter-Skandal ("euch schaffen wir als erstes ab" zum heutejournal) wird mir langsam Angst und Bange. Wir hatten das schon einmal in Deutschland und das darf nie wieder kommen!

    Greetings & Love
    Ines

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