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Behind the scenes: wie verdient ein Blogger eigentlich Geld?

Eine der häufigsten Fragen, die ich seit geraumer Zeit gestellt bekomme, ist folgende: Wie verdienst du eigentlich dein Geld? Habe ich früher diverse Nebenjobs neben dem Studium gemacht, kann ich mittlerweile gut vom Bloggen leben. Da die Berufsbezeichnung des Bloggers jedoch in Deutschland nach wie vor etwas Neues ist und alle Nicht-Blogger schwer nachvollziehen können, womit man denn nun genau seinen Lebensunterhalt beschreitet, möchte ich eben dieses heiß diskutierte Thema aufgreifen und euch einen Einblick hinter die Kulissen gewähren.

Wenn ihr mögt, könnt ihr euch gern das dazugehörige Video ansehen, in dem ich noch einmal ausführlich auf alle Punkte eingehe. Den Shortcut gibt es nun in Textform.

1. Gewerbe, Finanzamt, Steuern

Wenn abzusehen ist, dass ihr mit eurem Blog - auch wenn er nur als Hobby gilt-  ein Einkommen erzielen könntet, müsst ihr ein Gewerbe anmelden, um eine Steuernummer zu bekommen. Das geht ganz unkompliziert und günstig im Gewerbeamt eurer Stadt. Ob ihr dabei ein Kleingewerbe oder euch als komplett selbständig anmeldet, müsst ihr selbst entscheiden und könnt dies entsprechend eurer Lebensumstände erledigen. Die Beamten im Gewerbeamt sind dabei oftmals super freundlich und beraten gerne bei etwaigen Fragen.

Habt ihr einmal die Steuernummer, seid ihr auch auf Nummer sicher und könnt theoretisch mit den Kooperationen durchstarten. Vergesst aber nicht, dass natürlich auch beim Bloggen Steuererklärungen anfallen und ihr je nach Einkommen Abgaben leisten müsst. Auch hier sind das Finanzamt oder aber ein guter Steuerberater eine gute Anlaufstelle, wenn ihr noch offene Fragen habt und Details besprechen wollt.

2. Wie kommt man an Kooperationen?

Die offiziellen Formalia haben wir nun geklärt. Wie kommt man nun aber an Kooperationspartner? Das Schlüsselwort hierbei ist vor allem Geduld. Natürlich werden die Firmen und PR-Agenturen nicht über Nacht auf euch aufmerksam. Dies geschieht aber früher oder später, wenn ihr auf qualitativ hochwertige Inhalte und Regelmäßigkeit achtet. Denn dann generiert ihr auf eurem Blog oder anderen Social Media Accounts Reichweite sowie regelmäßige Besucher, die euer Aushängeschild sind und auch Firmen anlocken. 

Habt ihr euch erst einmal einen Namen gemacht, ist das Ganze eigentlich ein Selbstläufer. Firmen und Agenturen werden auf euch aufmerksam. Liefen Kooperationen positiv und zuverlässig ab, kommen sie gerne wieder auf euch zurück, empfehlen euch weiter, bis ihr ein breites Netzwerk aufgebaut habt und sich mitunter langfristige Kooperationspartner ergeben. 

Natürlich könnt ihr auch selbst tätig werden und Agenturen oder Produkte, die euch interessieren, anschreiben. Achtet hierbei aber auf den Ton. Ein aufdringliches Posen und Drängen wirkt hier eher peinlich - schreibt stattdessen offen und unverbindlich, stellt euch vor und drängt nicht auf Kooperationen. Letztlich muss das aber jeder für sich entscheiden, ob er offensiv auf die Agenturen zugeht oder aber wartet, bis diese euch finden.

3. Mediakit & Statistiken

Ein weiterer Punkt, der früher oder später nötig ist, ist ein Mediakit. Darunter versteht man eine Datei, die ihr auch optisch ansprechend und eurem Blogdesign oder eurer Marke entsprechend gestalten solltet (ich habe dafür Photoshop und InDesign verwendet). Enthalten sind dabei optimalerweise eine Kurzbeschreibung von euch, eurem Blog, eure Themenschwerpunkte, bereits durchgeführte Kooperationen und Referenzen sowie aktuelle Statistiken wie etwa monatliche Besucher, Seitenaufrufe, aber auch Followerzahlen eurer diversen Kanäle. Außerdem finde ich es schön, wenn ihr optisch bereits ein paar eurer besten Fotos mit einbaut, weil das einfach viel einladender wirkt. So erhält die Firma auf einem Blick alle wichtigen Infos über euch und kann eure Reichweite sowie bisherigen Arbeiten einschätzen, schauen, inwiefern ihr zum Produkt passt und darauf aufbauend einen Honorarvorschlag diskutieren.

4. Die Arten der Kooperationen

Kommen wir nun zum eigentlichen Thema des Postings. Wie verdient man denn nun mit dem Bloggen?

4.1. Bannerwerbung & Anzeigen

Eine Möglichkeit sind im Blog integrierte Anzeigen und Banner, die an den Seiten oder auch mitten im Fenster aufploppen. Pro Klick gibt es dann eine Provision, die der Blogger kassiert, wobei es sich hier pro Klick um Centbeträge handelt. Ich persönlich bin kein Fan der Anzeigen, da es meinen Lesefluss stört und ich sie eher als nervig empfinde. 

4.2. Affiliate Links

Ein Großteil der Blogger verdient ein gewisses Grundeinkommen mit Hilfe von Affiliate Links. Einige der größten Programme sind dabei Rewardstyle sowie Like to know it für Instagram, aber auch Tracdelight oder Zanox. Im Prinzip funktioniert dies so, dass die Portale ein Kontingent an Shops zur Verfügung stellt, auf die man verlinken kann.

Wenn ihr also in einem Outfitpost das Oberteil nachshoppen wollt, kann ich einen Link generieren, der euch direkt auf das Produkt führt. Dabei gibt es zwei Sorten des Einkommens. Einerseits die Klickprovision, d.h. der Blogger erhält pro Klick auf den Link einen Centbetrag oder aber auch die Saleprovision und somit einen Prozentanteil pro verkauftem Stück. Diese Centbeträge können sich natürlich verfielfältigen, so dass je nach Intensität des Einsatzes von Affiliate Links eine ordentliche Summe zusammenkommen kann. 

Ich persönlich bin kein Fan davon, euch mit Links vollzubomben, weswegen es diese meist auch nur in Outfitpostings gibt. Wie genau das jeder handhabt, ist aber von Blogger zu Blogger unterschiedlich.

4.3. Advertorials & Sponsored Posts

Der Großteil der Kooperationen und Haupteinnahmequelle sind aber oftmals die Advertorials oder Sponsored Posts - entweder auf dem Blog direkt oder aber auch bei Instagram und Youtube. 
Dabei handelt es sich um größere Artikel, in denen ein Produkt gezielt eingebunden wird. Hierfür wird gemeinsam mit der Agentur ein Konzept erstellt, wobei es mir enorm wichtig ist, dass ich dort kreative Freiräume besitze und meine eigene Idee umsetzen kann. Möchte mir eine Agentur ihre Idee aufzwängen oder sogar Texte für mich verfassen, bin ich raus, denn das hier ist mein Blog und dafür verfasse ich meine Beiträge in meinem persönlichen Stil. Alles andere wäre unathentisch.

Ebenso werdet ihr hier nie Marken finden, mit denen ich mich nicht identifizieren kann. Beispielsweise trinke ich keinen Kaffee - würde es jetzt hier ein Kaffee-Sponsoring geben, wäre das absolut lächerlich und unehrlich. Für ein Advertorial, welches meist einen hohen Arbeitsaufwand hat, könnt ihr auch eine entsprechende Summe verlangen. Eine Statistik mit Vergleichen gibt es übrigens hier.oder hier. Mit der Zeit findet man schnell heraus, wie viel man "wert" ist. Das ist eine Sache, die man natürlich erst lernen muss, da man sich anfangs sehr schnell unter Wert verkaufen lässt. Was ihr hier macht, ist Arbeit, die zeitintensiv ist und gleichzeitig oftmals keinen Feierabend kennt. Bezieht also Position und verhandelt ein für eure Seite angemessenes Honorar aus.

Viele Agenturen versuchen nach wie vor kleinere Blogger mit Artikeln zu bezahlen. Davon könnt ihr allerdings nicht eure Miete zahlen und euer Social Media Post ist definitiv mehr wert, als ein Gratis-Tshirt. Das klingt jetzt erst einmal ziemlich hart, aber so ist das eben.
Dadurch, dass das Bloggen eben ein neuer Berufszweig ist und so gut wie nie über wirklich erhaltene Honorarsummen und übliche Preise gesprochen wird, herrscht große Ungewissheit und auch ich kam mir lange Zeit "dreist" vor, für meine Arbeit Lohn zu verlangen, was dann meist sogar weit unter der üblichen Summe lag. Seid also mutig, teilt eure Honorarvorschläge selbstbewusst mit, denn ausdiskutieren lässt sich später alles und ihr kriegt ziemlich schnell mit, in welchem Preisrahmen ihr euch einpendelt.

Wichtig finde ich übrigens auch, dass man als Blogger eine gute Balance von Advertorials und unbezahlten Posts findet. Keiner möchte wie bei einer Dauerwerbesendung mit Produktplatzierungen vollbombardiert werden. Achtet also darauf, eine ausgewogene Anzahl an bezahlten Posts zu garantieren.

4.4. Redaktionelle Arbeiten im Hintergrund

Ein weiterer Punkt, der eine große Rolle im Einkommen eines Bloggers spielt, sind redaktionelle Arbeiten im Hintergrund. Durch den Blog als größte Referenz ergeben sich nämlich auch Jobs, die ihr so hier gar nicht mitbekommt. Ob dies jorunalistische Tätigkeiten für andere Onlinemagazine sind, Vorträge oder aber auch das Erstellen von Content für andere Kanäle. Bei mir ist das unter anderem die Arbeit für den Tamaris Community Kanal auf Youtube, für den ich regelmäßig Lookbooks, DIYs und Rezepte abfilme. Das sind Arbeiten, die ihr hier nicht zu sehen bekommt, mit denen ich aber dennoch Geld verdiene.

5. Transparenz & Kennzeichnung

Zu guter Letzt möchte ich noch auf den Punkt der Transparenz eingehen. Wenn ihr euch nicht der Schleichwerung verdächtigen wollt, solltet ihr kennzeichnen. Advertorials und Sponsored Posts sollten generell gekennzeichnet werden. Auf Youtube geschieht das beispielsweise direkt im Titel, in der Infobox und als Einblendung im Video. Auf dem Blog weise ich unterhalb des Postings und im Text selbst auf eine Zusammenarbeit hin. Auf Instagram und Facebook dient der Hashtag #sponsored als Hinweis für eine bezahlte Kooperation.
Des Weiteren macht es Sinn, PR-Samples als geschenkt auszuweisen. Dafür setze ich stets ein * damit ihr wisst, dass es sich um einen nichtgekauften Artikel handelt. An diese ist dabei keine Kondition geknüpft. Ich muss sie nicht auf dem Blog vorstellen, mache dies aber, wenn mir das Produkt gefällt und ich es gerne bedingungslos vorstellen möchte, wobei dafür keine extra Bezahlung erfolgt, wenn dies nicht anders ausgewiesen ist.

Leider ist die Kennzeichnung von Sponsorings nach wie vor nicht überall üblich, was ich sehr schade finde, da man sich als Konsument schnell verarscht fühlen kann, da man in der Regel schnell ausmachen kann, wo eine Bezahlung erfolgt. Tut euch deswegen selbst den Gefallen und markiert bezahlte Postings. 

Ich hoffe, dass ich mit diesem ausführlichen Artikel sowie Video auf sämtliche Fragen eingehen und etwas Licht in den Bloggerberuf und speziell der Einkommenssicherung bringen konnte.


Habt ihr noch Fragen bezüglich des Themas Geld verdienen mit dem Bloggen? Und welche Themen der behind the scenes Serie würden euch als nächstes interessieren?

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6 Kommentare

  1. Liebe Yasmin,
    vielen Dank für diesen ehrlichen Post! Ich finde es unglaublich schade, dass viele Blogger aus ihrem Beruf ein großes Geheimnis machen. Wie jeder selbstständige Mensch geben auch Blogger natürlich keine konkreten Gelddaten preis, denn das geht letztlich auch niemanden etwas an. Dennoch finde ich es sehr schade, dass der Beruf von denen, die ihn ausüben, häufig mysterisiert wird. Das trägt meiner Meinung dazu bei, dass bei vielen das Bloggen nicht ernst genommen wird.
    Danke dir daher für die Transparenz! Das ist schließlich das, was deine Leser an dir so mögen.
    Alles Liebe!

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    1. Vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar. Gerade den Teil mit der "Mystifizierung" kann ich nur unterstreichen. Wir schimpfen darüber, dass das Bloggen nicht anerkannt ist in der Gesellschaft, verschließen uns aber selbst davor. Vielleicht aus Angst vor dummen Kommentaren, aber letztlich macht man es damit nur schlimmer. Dieses Verschließen und Hinter den Türen Besprechen verwandelt das Ganze in eine Grauzone, aus der der nicht-bloggende Leser quasi ausgeschlossen wird. Kein Wunder also, wenn dann Skepsis herrscht und man schnell misstrauisch wird, sobald irgendwo eine Produktplatzierung erscheint.
      Liebe Grüße

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  2. Echt toller und interessanter Post *-*

    Liebe Grüße <3
    http://thislifeisprettyamazing.blogspot.de/?m=1

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  3. super Post!
    Und kann ich alles so unterschreiben! :)

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  4. Ich finde deinen Artikel echt supergut. Ich bin ja im Gegensatz zu dir eine wirklich kleine Bloggerin und konnte noch einige Tipps daraus ziehen. Ich finde es aber auch superwichtig, dass man den Lesern offen zeigt, wenn man in irgendeiner Weise kooperiert hat. Das find eich auch ganz wichtig.
    Danke für diesen interessanten und informativen Beitrag!

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