featured Gedanken Outfit

2 Wochen Vergangenheit und Gegenwart





Es gibt da diese Orte, an die wir immer wiederkehren. Zwei Wochen in der alten Heimat, um das Haus und den Kater zu hüten. Es fühlt sich fremd an und dann doch wieder merkwürdig vertraut. Ich gehe die gleichen Wege wie immer und bin sie doch so ewig nicht mehr gegangen. Ein bisschen fühle ich mich fehl am Platz. Wie damals, als ich in den Semesterferien mitten in der Woche am Abendbrotstisch saß und eine ganz andere Dynamik zwischen Mama, Papa und meiner Schwester beobachten konnte. Andere Routinen, deren Teil ich nicht mehr war. Mittlerweile habe ich meine eigenen Routinen, meinen eigenen Haushalt, meine eigenen Orte, an die ich in dieser anderen Stadt wiederkehre. Zwei Wochen in der alten Heimat kommen mir dann doch auf einmal ganz schön lange vor.

Und so fange ich nach wenigen Tagen an zu schimpfen. Über die vielen älteren Leute, über die fehlende Jugend, über langgezogene Gesichter, über hochgeklappte Bürgersteige, über den fehlenden Lieferdienst, wenn ich doch gerade so große Lust auf mein Lieblingssushi habe, über die fehlenden Straßenbahnen, über den viel zu steilen Nachhauseweg. Und doch ist es meine Heimat, zu der das Schimpfen einfach dazugehört,  macht ja irgendwie Spaß. Weil auch das eine Routine ist.

Auch wenn ich hier gefühlt die immer gleichen Wege gehe, die immer gleichen Abläufe wiederhole, ist es genau das, was den Charme ausmacht. Es fühlt sich ein wenig wie Zeitreise an. Ich bin Mitte Zwanzig und schlafe doch mal noch bei Oma, weil ich mich im großen Haus ganz allein fürchte. Da steht mittags um 12 der Braten auf dem Tisch und  schmeckt so viel besser als jede Sushibestellung. Hier koste ich noch einmal vom Kindsein, lasse die Sorgen, Rechnungen, To Do's und Deadlines, eben all den erwachsenen Kram in meiner eigentlichen Wohnung zurück.

Diese Umgebung verleitet dazu, anzuhalten, zu träumen, in den Seilen zu hängen und einfach nichts zu machen. Als würde die Zeit stehen bleiben und man wie ein neugieriger Zuschauer diese Welt beobachtet, in die man zwar regelmäßig eintaucht, zu deren Alltag man aber längst nicht mehr gehört. Genau dann ist es nötig, seine eigenen Routinen zu integrieren. Die Kamera zu schnappen und einfach trotzdem Outfitfotos zu schießen - wie man es eben zu Hause selbstveständlich auch machen würde. Und wenn es mitten auf dem Marktplatz ist, auf dem erstaunlich viel Gedränge herrscht. Neugierige Blicke. Ich fühle mich etwas beklemmt. Aber hey, das bin ich, das sind andere Facetten, die jetzt einfach dazugehören. Warum also nicht einfach diese Treppe wählen. Die, auf deren Stufen wir vor 8 Jahren abends mit billigem Sprudelwasser in den Himmel blickten. Uns ein Leben vorstellten außerhalb der Kleinstadt. Wir es nicht erwarten konnten, zu gehen. In Begleitung treuer Freunde waren und über alles und wieder nichts sprachen. Lästige Schularbeiten, die uns wie das Ende der Welt vorkamen, erste Trennungen, die bittersüß schmeckten. Der Freitagabend, der dieser Treppe gehörte. Nun sitze ich auf eben jenen Stufen und muss bei dem Gedanken schmunzeln. 8 Jahre später und ich bin ein anderer Mensch. Habe Ziele gesteckt, erreicht, verworfen, bin mehr als einmal auf die Nase gefallen, habe mich sehnlichst an andere Orte gewünscht und passe doch merkwürdigerweise immer noch hier her. Diese Stufen sind vertraut, nahezu tröstlich, hüllen einen in weiche Fäden der Erinnerung, die sich in den zwei Wochen wie ein Netz um mich spannen.





Wir schnappen uns nach routinierter Arbeit unsere Sachen und setzen uns in dieses neue Lokal, das es mittlerweile seit mindestens 5 Jahren gibt. Es bleibt das "Neue", weil es nach uns entstand. Ganz vorne an der Scheibe haben wir einen Platz gesucht. Um Leute zu beobachten, denn das machen wir am liebsten. Ganz schön viel los um diese Zeit, obwohl mir die Stadt zuweilen tot vorkommt. Bekannte Gesichter, die man an irgendeiner Straßenecke schon einmal gesehen hat. Ein Hallo hier, ein freundliches Grinsen da. Dann steht plötzlich mein erster Kuss vor mir. Grüßt mich nett und schon sprudeln die Erinnerungen. Ich springe gedanklich 10 Jahre zurück. Verrückt, dass das schon ein Jahrzehnt her sein soll. Rauchige  Proberäume, Gitarren, Skaterboys, zu viel Alkohol für unser Alter, Visionen, Ideen, verbotene Früchte, Wünsche, Tränen, Verzweiflung und vor allem Freundschaft. Kaum hänge ich diesem Gedanken nach und schmecke die stickige Luft auf meinen Lippen, schlendert eine andere Erscheinung am Fenster vorbei. Wir grinsen beide, veleihern die Augen und liegen uns im nächsten Moment in den Armen, um neue und alte Geschichten auszutauschen. Jetzt sind es nicht mehr 10 Jahre, sondern nur 7, die wir zurückgegangen sind.

Diese Stadt ist wie meine eigene kleine Zeitreisemaschine. Ich sehe Orte, Menschen, Stufen und erinnere mich an verschiedenen Facetten meiner selbst. Gar nicht mehr so langweilig wie ich dachte. Im Gegenteil. Man wird konfrontiert mit den Wünschen, Zielen, Stärken und Schwächen des jüngeren Ichs. Merkt, wie weit man eigentlich gekommen ist und dass man sich trotz all des Geschimpfes, des Kleinstadtmiefs geborgen und sicher fühlt. Denn das hier ist mein Zuhause. Meine Straßen, meine Treppe, mein Kopfsteinpflaster, meine Erinnerungen, die sich unweigerlich in die verblichenen Fassaden geschlichen haben. Und plötzlich fühlen sich die zwei Wochen gar nicht mehr so lang an. Mehr noch: ich finde den Gedanken, einfach noch ein Weilchen hierzubleiben, gar nicht mehr so absurd.

Rollkragenpullover - Mango // Jeans - New Look* // Kleid als Bluse getragen - Asos // Bommelmütze - Topshop // Mantel - New Look* // Sneaker - Adidas Stan Smith // Tasche - Stella McCartney

Wie ist das bei euch und diesen Orten der Erinnerung? Besucht ihr eure Heimatstadt häufig, habt ihr ihr komplett den Rücken gekehrt oder seid ihr vielleicht sogar niemals fortgegangen?


You Might Also Like

20 Kommentare

  1. Was für ein schöner Text und was für bezaubernde Fotos!
    Ich freue mich schon, dich im April endlich mal persönlich kennen lernen zu dürfen! :)

    AntwortenLöschen
  2. Ein sehr schöner Look - auch die weiße Hose ist sehr schön kombiniert - da tue ich mir immer etwas schwer. Und meine Heimatstadt ist mir immer im Herzen - und ich bin zwar immer mal wieder (mal länger mal kürzer) weg aus meiner Heimat - aber immer wieder zurückgehkehrt.

    AntwortenLöschen
  3. Sehr schöner Text und wirklich wunder wunder wunder wunderschöne Bilder. Dein lieber Freund mutiert noch zum absoluten Star-Fotografen! Musst Du ihm sagen, da freut er sich bestimmt :-D

    Ganz liebe Grüße!
    Julia

    AntwortenLöschen
  4. Ein wunderbarer Text. Gefällt mir sehr sehr gut :)
    Ich lebe immer noch in meiner Heimatstadt und will auch nicht weggehen. Ist ein kleines Kaff, aber ich bin super zufrieden :)
    Die Fotos sind wunderbar und dein Outfit find ich toll!

    AntwortenLöschen
  5. dein Look ist wieder richtig toll liebe Yasmin .-*

    ganz liebe Grüße
    Melanie / www.inblushandblack.blogspot.de

    AntwortenLöschen
  6. Tolle Bilder und ein wundervoller ehrlicher Text.

    Love,
    Christina von http://inlooovewith.com

    AntwortenLöschen
  7. Ein schöner Post. Ich habe meiner Heimat zum Studium den Rücken gekehrt. Aber danach bin ich zurückgekommen, um hier zu arbeiten und meine Familie zu gründen. Heimat ist einfach das schönste.
    Viele Grüße Bianca

    http://ladyandmum.blogspot.de

    AntwortenLöschen
  8. Hihi ich würde sagen das ist die Treppe von meinem Papa <3

    AntwortenLöschen
  9. Toller Text. Wenn ich richtig weiß, geht es ja um den Harz. Wir werden über Ostern den Harz unsicher machen, dann kann ich mehr berichten, da ich in meiner Heimatstadt wohne.

    Aber was mich zusätzlich noch interessiert: Wie kriegst du die tollen Wellen hin, so dass es keine Korkenzieher Locken werden?
    Liebe Grüße!

    AntwortenLöschen
  10. Wunderschöner Post! Ich kann dich absolut verstehen - schreibe dieses Kommentar ja auch gerade aus meinem KInderzimmer :D

    Love, kerstin
    http://www.missgetaway.com/

    AntwortenLöschen
  11. Das Gefühl kann ich so gut nachvollziehen! Jedes Mal geht es mir so, wenn ich wieder in der Kleinstadt bin in der ich aufgewachsen bin. Es ist wirklich eine Zeitreise und jedes Mal denke ich mir: Gut, dass ich nicht hier geblieben bin.

    Viele Grüße, Anna
    http://cleanlines.de/

    AntwortenLöschen
  12. Du sprichst mir aus dem Herzen <3 ich selbst fahre am Freitag für ein verlängertes Woe in die Heimat. Unter anderem steht ein Mädelstreff an...drei Freundinnen wohnen noch dort und pendeln zum Teil in angrenzende Städte zum Arbeiten. Eine Freundin kommt aus Amerika zum Heimatbesuch vorbei. Die Auswahl der Trefflocation fällt leicht, schließlich gibt es nur eine Pizzeria, einen Chinesen, einen Griechen und das "Stadtcafé". Man fühlt sich um 10 Jahre zurückversetzt, wenn einem der Vati ein paar Euro fürs Essen beim Treff zusteckt und bei der Abfahrt nochmal etwas Taschengeld zum Tanken. Die Mutti fragt, was sie zum Mittag kochen soll und dass sie gar nicht mehr wisse, "was wir jetzt so essen". Sie hat Sorge, keine lactosefreien Produkte in der kleinen Stadt zu bekommen. In den kleinen Geschäften arbeiten noch immer die Verkäuferinnen von früher, von 12 bis 14 Uhr wird Mittagspause und um 18 Uhr Feierabend gemacht. Verständnis, wenn alles ein bisschen langsamer abläuft. An jeder Ecke der Kleinstadt kommen Erinnerungen auf, man schmunzelt innerlich. Ich komme so gern zurück und ich habe den Wunsch, meiner kleinen Heimatstadt etwas zurückzugeben. Wenn ich einmal viiiel Geld habe oder aussteigen möchte, will ich dort einen kleinen modernen Modeladen eröffnen. Für die Damen und Herren, die sonst erst in die nächste große Stadt fahren müssen und klagen, dass es ja bei ihnen keine Auswahl gibt. Vielleicht bietet sich die Möglichkeit. Als Freelancer könnte ich nebenbei im jetzigen Job weiterarbeiten. Aber wäre ich bereit, meinLeben hier in Halle, fernab der Heimat aufzugeben? Im Moment noch nicht.

    AntwortenLöschen
  13. Das Outfit ist mal wieder der Hammer! Diese soften Töne stehen dir so unglaublich gut, ich bin einfach total verliebt in den ganzen Look <3
    Meine Heimat habe ich nie so richtig verlassen (bis jetzt!). Ich bin zwar weggezogen aber nur in eine Nachbarstadt, weshalb ich Familie und Freunde trotzdem noch häufig sehen kann :) Aber jedes Mal, wenn ich zu meiner Mutter fahre und die alten, gewohnten Straßen entlang fahre, dann fühle ich mich irgendwie geborgen und sicher, auch wenn es von meinem jetzigem Wohnort nur ein Katzensprung entfernt ist!

    Liebe Grüße,
    Annika von TheJournalite.com

    AntwortenLöschen
  14. Schöner Post und wieder mal ein toller Look. Dir stehen diese zarten Farben so unglaublich gut!
    Ich selber habe der Heimat den Rücken gekehrt und muss ehrlich sagen, dass es mich nicht so zurück zieht. Ich komme ursprünglich aus Thüringen und fühle mich in der großen Stadt deutlich wohler.

    Liebst
    Jane von Shades of Ivory

    AntwortenLöschen
  15. Mir gehts es ähnlich. Komme aus einer Kleinstadt im Osten - wohl eher ein Dorf :-) Ich habe ein zwiespältiges Verhältnis zu dem Ort. Aber da meine Eltern und Oma dort wohnen, ist es für mich Heimat pur und ich liebe es in unserem Elternhaus zu sein.

    Liebe Grüße, Ari
    http://www.moderiamia.de

    AntwortenLöschen
  16. Hey Yasmin!
    Was für ein ganz, ganz schöner Post. Nicht nur die Bilder, die mal wieder grossartig geworden sind, sondern auch der Text. Er lässt einen mitfühlen. Zu Hause. Danke dafür.

    LG Jasi
    www.marmormaedchen.blogspot.com

    AntwortenLöschen
  17. Schöner Post und toller Look. Die Farbe des Pullis steht dir sehr gut !

    Liebste Grüße Lea

    http://www.estilo-bylea.com

    AntwortenLöschen

Vielen Dank für deinen Kommentar. Ich freue mich riesig über dein Feedback, Postwünsche oder sonstige Anmerkungen.Beleidigungen oder Anstößiges gegenüber meiner Person oder anderen Lesern sind allerdings unerwünscht und werden direkt gelöscht. Vielen lieben Dank ♥