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Zauber der Weihnacht

Tausende Meter über der Erde. Mein Blick schweift ab und ich beobachte einen phänomenalen Sonnenaufgang. Erst ein leichtes rosé bis nach und nach ein feuriges Orange durch die Wolkendecke bricht und das gesamte Flugzeug in warmes Licht taucht. Ich schaue aus dem Fenster und beobachte wie wir Stück für Stück an Höhe gewinnen, die Häuser und Autos immer kleiner, immer unbedeutender werden. Und einfach so fühle ich mich das erste Mal seit Wochen, nein Monaten frei - wie so oft, wenn ich einen Flieger besteige. Aber es ist nicht nur dieses Gefühl der Freiheit, sondern mehr, das sich schwer in Worte fassen lässt. 

Die letzten Monate sind regelrecht an mir vorbeigezogen. August, September, Oktober…das Kalenderblatt wendete sich immer schneller und einfach so haben wir Dezember. Ich mag es gar nicht, wenn die Wochen vergehen, währenddessen sich der Rest der Welt weiterdreht und ich mir wie im Hamsterrad vorkomme. Tag ein Tag aus die gleiche Routine, Berge an Unterlagen, Lernskripte, ein Kopf zu voll für andere Gedanken. Für das, was mich wirklich beschäftigt. Zu voll, um die Welt da draußen, alles Schöne um mich herum wahrzunehmen. Es werden Weihnachtsbäume aufgestellt, gebrannte Mandeln genascht, eilig Weihnachtsgeschenke gekauft und das kommende Jahr geplant. Während ich noch hier sitze und gar nicht weiß, wie es weitergeht, mich regelrecht erstarrt fühle.
Kein Wunder also, dass dieses Jahr etwas passierte, was vorher noch nie vorkam. Ich habe einfach keine Weihnachtsstimmung. Ja, lacht jetzt nicht, ich weiß, dass das bei vielen normal ist und keinen Weltuntergang bedeutet. Und doch fühlt es sich an, als würde etwas fehlen. Als würde ich grummelnd vor mich hinstarren, während alle anderen lachen können, fröhlich sind und ich mich allzu gern von dieser Freude anstecken lassen würde. Aber es klappt verdammt nochmal nicht. Egal wie sehr ich mich anstrenge. Erzwungene Dinge haben noch nie funktioniert. Man kann nicht einfach ein dickes Lächeln aufsetzen und so tun, als wäre alles wie immer.
Auch ich stelle einen Baum auf, zünde Kerzen an, backe halbherzig Plätzchen, die letztlich doch nicht gegessen werden. Wünsche besinnliche Feiertage. Worte, die sich schon während des Aussprechens leer anhören. Was man eben so sagt, ohne darüber nachzudenken. Floskeln. Weil  Dezember ist.

10.000m über der Erde. Mein Blick schweift ab, ich beobachte die Menschen vor und neben mir, erkenne dieses vorfreudige Glitzern im Gesicht. Sie sind auf dem Weg nach Hause oder in ein letztes Abenteuer. Und einfach so lasse ich mich von dieser Freude anstecken. Es ist nicht nur dieses Gefühl der Freiheit, sondern diese süße Vorahnung. Dass das bevorstehende Wochenende in dieser weihnachtlichen Stadt mir genau das geben könnte, was ich die letzten Wochen verzweifelt vermisst habe und mich leer fühlen ließ.
Zeit. Zeit mit Freunden. Zeit für mich. Kostbare Momente, die genau das sind, was ich so dringend brauche.

Der Zauber der Weihnacht braucht keine glitzernden Schaufenster, gebrannten Mandeln, kitschige Weihnachtspullis oder Gingerbread Lattes, um zu funktionieren, denn das sind alles Dinge, die es nur leichter, angenehmer und eben sicherer machen. Der Zauber der Weihnacht braucht nur Zeit – Momente des Innehaltens, des bewusste Genießens. Ganz ungezwungen. Und passiert genau dann, wenn man es am wenigsten erwartet.
Hier zwischen den zuckrigen Wolken und dem heißen Tee in meiner Hand weiß ich auch endlich, was hinter dem Wunsch der Besinnlichkeit steckt, den ich in den letzten Wochen viel zu oft unbedacht ausgesprochen habe.
B-E-S-I-N-N-L-I-C-H-K-E-I-T
Sich auf die wichtigsten Menschen im Leben, aber auch sich selbst besinnen. Tief in sich hinein hören. Endlich zur Ruhe kommen und bewusst eine Auszeit nehmen. Wann wäre der perfektere Zeitpunkt als an Weihnachten? Inmitten der Menschen, die einem gut tun und die Kraftspeicher wieder auffüllen können, mit denen man die Geschichten der vergangen Wochen und Monate ganz ohne schlechtes Gewissen oder aber auch mit einem herzhaften Lachen teilt. Das, was mir die letzten Jahre spielend leicht fiel und den Großteil der weihnachtlichen Leichtigkeit und des bewussten Genusses ausmachte, ist mir dieses Jahr abhanden gekommen. Wenn man nur noch existiert, ganz automatisch wie eine Maschine funktioniert und alle ablenkenden Gedanken beiseite schiebt, gerät etwas in einem selbst ins Ungleichgewicht. Ganz so, als würde man die Verbindung zu sich selbst verlieren. Dann fällt besinnen nicht leicht.

Haltet mich für verrückt, aber hier oben über den Wolken mache ich genau das zum ersten Mal in den letzten Monaten. Mich auf mich besinnen. Pötzlich realisiere ich, dass der Stress, der Leistungsdruck und die Angst ganz leise und nahezu unbemerkt von meinen Schultern gefallen sind. Einmal tief ausatmen. Eigentlich wundere mich, dass dieses Gefühl der Befreiung erst jetzt, Tage später und an einem so merkwürdigen Ort einsetzt. Kann ich mich vielleicht jetzt endlich freuen? So richtig und ehrlich? Auf die kommenden Tage in Wien, auf die bevorstehenden Feiertage im Kreise der Familie? Auf die immer gleichen Diskussionen, lustigen Rituale, Macken, Lacher. Auf verbrannte Plätzchen, auf den viel zu krummen Weihnachtbaum, auf Kerzenschein und die viel zu vollen Bäuche.?
Warum Weihnachten eine so große Bedeutung für mich hat, ich mich nahezu verzweifelt an diese Festtage klammere? Vermutlich weil es eben dieses Aufatmen bedeutet und ich im Kreise der Liebsten ganz einfach ich selbst sein kann. Weil es Sicherheit bedeutet und liebgewonnene Kindheitserinnerungen weckt. Weil ich mich nirgends sonst so fallen lassen kann wie Zuhause. Sie mich bis ins tiefste Innere kennen und auffangen. Weil ich mir kurz vor Ende des Jahres in dieser ganz besonderen Atmosphäre – die sich wie eine Zauberblase um einen schließt – die Zeit nehme, um zu reflektieren und kurz bevor sich wieder ein Kapitel schließt, noch einmal in mich horche. Ganz unabgelenkt und ehrlich. Ohne Gefühle der Angst, Ungewissheit, Spannung oder auch Vorfreude zurückzuhalten.
Diese letzten zwei Wochen des Jahres sind dazu da, um Resümee zu ziehen und mit den vergangenen 365 Tagen abzuschließen. Mit sich selbst ins Gericht zu gehen, ganz aufrichtig auf die vielen Stolperfallen und Stürze zu blicken, von denen man sich, egal wie schlimm sie auch waren, doch immer wieder aufgerappelt hat. Es ist die Zeit, um Resümee zu ziehen. Aber auch zu schauen, wohin es gehen soll. Pläne zu schmieden. Und wann ginge das besser, als an diesen wenigen freien Tagen am Ende eines Jahres, an denen sich die Welt ein wenig langsamer dreht? 

2000m über der Erde - oder waren es doch mehr? Ich habe nicht richtig aufgepasst, war ich zu abgelenkt von den lauten Gedanken in meinem Kopf. Wieder schaue ich aus dem Fenster und sehe eine dicke, graue Nebeldecke, die wir innerhalb weniger Sekunden durchbrechen werden. Unter ihr eine aufregende Stadt voller Lichter, Lacher, aufgeregter Menschenseelen. Ich trinke den letzten Schluck meines schwarzen Tees, knabbere noch einmal an meinem Keks, bereite mich auf die Landung vor. Und einfach so fühle ich mich das erste Mal seit Wochen, nein Monaten, frei, muss schmunzeln und freue mich auf diese kommenden 14 Tage im Kreise meiner Liebsten. Ein Gefühl, das meiner sonstigen Weihnachtsstimmung schon recht nahe kommt. Der Zauber der Weihnacht steckt nicht in Geschenken, in Weihnachtsmärkten, Punsch oder gar Schnee. Er steckt in uns, in den Menschen, die uns wichtig sind und zeigt sich erst, wenn wir uns dafür öffnen, uns Zeit nehmen und auf ihn einlassen.










Die Bilder wollte ich euch übrigens schon länger mal zeigen. Sie sind für ein Blogger Feature auf der Startseite des Pimkie Onlineshops entstanden, für welches ich mir einen Komplettlook aussuchen durfte, der ganz im Sinne der Gemütlichkeit steht. Kuschliges Fell, bequeme Schnitte, Spaziergänge mit der Familie, ein gemeinsamer Punsch auf dem Weihnachtsmarkt. Das waren jedenfalls die Assoziationen, die mir vorschwebten, als ich den Look zusammenstellte. Wenn ihr mögt, könnt ihr es euch ja hier gerne mal ansehen.

Und falls ihr euch jetzt nach dem Ergebnis meiner Reflektion der letzten 52 Wochen fragt... die bekommt ihr nach den Festtagen in meinem persönlichen Jahresrückblick zu lesen, wenn ich mich für eine Form entschlossen habe. Gibt es denn spezielle Aspekte, die euch interessieren würden?
Outfit: Pimkie Komplettlook*

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4 Kommentare

  1. Wow, die Worte sind einfach richtig herzerwärmend. Mit jedem Satz den Nagel auf den Kopf getroffen. Einerseits ein trauriger Text, aber hoffnunggebend, war sehr angenehm zu lesen!
    Sehr schön geschrieben, man kann sich in jedem wort wiederfinden, sehr beruhigend und macht Vorfreude auf Weihnachten! :)

    Ein schönes Weihnachtsfest und genieße die Zeit!

    xx
    ani von ani hearts

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  2. Ein tolles Outfit. Schick und kuschelig. Ich mag deine filigranen Ringe.

    Liebste Grüße
    Vossi | http://www.modiami.com

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  3. Wunderschöner Text <3
    Das Outfit gefällt mir auch unglaublich gut, du siehst toll aus :)

    Liebe Grüße,
    Annika von TheJournalite.blogspot.de

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  4. Ein sehr schönes Outfit!
    Im Hinblick auf deinen Jahresrückblick interessiert mich: Wie würdest du 2015 mit einem Wort beschreiben?

    Liebe Grüße
    Anna I http://einundzwanzigzwei.de/

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