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Jeder Mensch hat Respekt verdient #refugeeswelcome

Lange habe ich überlegt, ob ich das Thema hier auf dem Blog aufgreife, habe ich euch vor langer Zeit erzählt, dass das hier eigentlich mein kleiner Rückzugsort ist. Ein Ort, an dem alles heil ist. Aber: Überraschung, die Welt ist kein heiler Ort, kein rosaroter Fleck, der nur aus Nächstenliebe besteht und überall Sonnenschein herrscht. Und vielleicht habe ich das nirgends stärker mitbekommen als hier, mitten auf Kos, als ich Menschen sah, unter denen auch meine eigene Familie stecken könnte. Hier, wo die Schrecken plötzlich Realität und nicht nur Fernsehberichte sind.

Jedes Paar Augen erzählt ihre eigene persönliche Geschichte. Man muss nur zuhören.

Auf der Welt herrscht Krieg, das ist mittlerweile klar. Überall gibt es kleine brodelnde Kessel, die immer mal wieder drohen, überzuschwappen. Immer stärker köcheln sie vor sich hin, bis das Überlaufen scheinbar unvermeidlich ist. Das zieht Chaos nach sich. Gewalt, Leid und Verzweiflung. Was mittlerweile in den Medien durch Bilder der unzähligen Flüchtlinge angekommen ist , ist bei uns Zuhause schon lange Thema. Wie ihr vielleicht wisst, stammt meine Familie aus Syrien und fast die komplette Familie von Papas Seite befindet sich noch dort im Bürgerkrieg, weil wir aufgrund der Masse schlichtweg nicht alle rüberholen können. Was anfangs nur als Phase bezeichnet wurde, ist nun gewaltvoller Alltag, den man ganz entfernt mitbekommt, wenn man es zulässt in seiner rosa Seifenblase. Papas Sorgenfalten und gelähmtes Gefühl der Hilflosigkeit sprechen jedoch eine andere Sprache. Erst wird der Job aufgegeben, weil der Weg zur Arbeit zu unsicher wird. Dann folgt der Umzug aus der Hauptstadt zurück aufs Land, weil es dort sicherer ist. Überfälle aufs eigene Dorf. Autobomben, um Stimmen auszulöschen. Opfer aus dem Bekanntenkreis, Schulkameraden, Studienkollegen, Freunde und Verwandte. Junge Mädchen, die entführt und vergewaltigt werden und sich letztlich mit nichts anderem zu helfen wissen als einem Kopfschuss. Das ist die bittere Realität, über die kaum einer redet. Worüber keiner etwas hören will. Weil sie vor Augen führt, wie abartig die Menschheit sein kann. 

Wie wäre es mit Nächstenliebe, Aufopferung, Loyalität und Gastfreundlichkeit?

Währenddessen wird in Deutschland mithilfe lauter Parolen geschimpft. Über die dreckigen Flüchtlinge, die überall am Straßenrand liegen oder in Gruppen durch die Stadt ziehen und das Stadtbild "verunreinigen". Dabei vergessen diese Leute im Eifer ihrer haltlosen Hasstiraden, dass diese Flüchtlinge Menschen sind. Menschen wie du und ich, die ein anständiges Leben geführt haben. Die hart arbeiteten, gebildet sind und stets versucht waren, ihren Familien das Beste zu ermöglichen. Die in einer anderen Kultur aufgewachsen sind, die nicht schöner oder facettenreicher sein könnte, uns vielleicht fremd vorkommt, aber nicht weniger menschlich ist als die eigene. Familie bedeutet dort alles. Nächstenliebe, Aufopferung, tiefste Loyalität und Gastfreundlichkeit sind alles Eigenschaften, die im Hause meines Papas Gang und Gebe sind, die ich selbst schon im jüngsten Alter in den arabischen Ländern gelernt habe. Werte, die nirgendwo anders stärker verinnerlicht und gelebt werden. 
Ist es also so schwer, ein wenig von diesen Tugenden auch hier entgegen zu bringen? Statt sich aus Angst vor dem Unbekannten abzuwenden, lieber einen Schritt auf sie zuzugehen?! Denn diese Menschen haben auch Gefühle und sind von den letzten Jahren gezeichneter als viele von uns es je sein werden.
Stück für Stück haben sie in diesem Krieg nicht nur Arbeitsplatz, Wohnraum, Familie und Freunde aufgegeben, nein, sondern damit auch ihre ganze Existenz, Identität. Das was sie sind und was sie dort hält. In den Ländern, die sie Heimat genannt haben. Wenn sie Glück hatten, bekamen sie die Möglichkeit, schon frühzeitig das Land zu verlassen. Diese armen Menschen rennen davon, weil links und rechts von ihnen die Welt in Schutt und Asche liegt. Weil Krieg und Gewalt herrscht. Weil sie Angst haben vor dem Jetzt und vor dem, was sie noch erwarten könnte. Weil sie ihrer Freiheit beraubt werden und wie das Niederste behandelt werden.  Weil in ihnen ein klitzekleiner Funke Hoffnung aufkeimt, hier bei uns ein Stück ihrer Freiheit wiederzuerlangen. Die Möglichkeit, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. 

Diese Menschen verlieren nicht nur Arbeit, Haus und ihre Liebsten, sondern auch ihre persönliche Würde, die wir ihnen ein Stück weit wiedergeben können

Die Flucht, wie sie jetzt in Massen stattfindet, ist nicht der einfachste Weg für sie. Diese Leute kommen nicht her, um den Staat auszunehmen oder anderweitig Vorteile auszukosten. Die Flüchtlinge mochten ihr altes Leben nämlich vermutlich ziemlich gern. Nur leider bleibt ihnen nichts anderes übrig.
Statt jedoch auf Ruhe und Frieden oder einen Neuanfang zu stoßen, den sie nach all den Jahren der Gewalt verdient haben, stoßen sie ausgerechnet bei uns auf Hass. Versetzt euch doch mal in ihre Lage. Das sind studierte Menschen, fleißige Arbeiter, die nicht nur ihr altes Leben, sondern darüber hinaus auch ihre Würde verlieren. Weil sie in Schlauchboote gepfercht meilenweit bei Wind und Wetter dreckig übers Meer gefahren werden. Wenn sie diese Prozedur überleben, verweilen sie in Zwischenlagern, brüten unter Handtüchern im Dreck von Kos Stadt bei über 30Grad. Sind zu beschämt, um gut gemeinte Spenden anzunehmen, verstecken sich vor den Blicken der Touristen, die mitleidig herüberschielen und doch nichts machen (können?). Und werden letztlich von A nach B geschickt, weil keiner sie so recht haben will.

Was wir tun können, ist ihnen respektvoll gegenüber zu treten

Wir können sie nicht alle aus der gewaltvollen Welt holen, genauso wenig wie wir alle Flüchtlinge im Park von Kos mit Geld oder Sachspenden versorgen können. Was wir aber geben können, sind keine angewiderten Blicke, sondern Respekt. Respekt vor dem Mut, ihr Leben hinter sich zu lassen, in die Ungewissheit zu schreiten, weil ihnen nichts anderes übrig bleibt. Zuzuhören, eine Schulter zum Anlehnen zu geben und Unterstützung für ein neues Leben. Sie mit offenen Armen zu empfangen und ihnen den schwersten Schritt ihres Lebens, ihr altes Ich für immer und komplett hinter sich zu lassen, zu erleichtern. 

Tut mir also den Gefallen und denkt das nächste Mal daran, wenn ihr in eurer Stadt eine Traube hilfloser Flüchtlinge seht, dass diese eine Geschichte haben. Dass es einen Grund hat, warum sie mitunter so ausgemergelt, schmutzig und mit leerem Blick durch die Straßen irren. Das sind keine angsteinflößenden Kriminiellen, das sind verängstigte, hoffnungslose Menschen, die einfach nicht wissen, wohin. Deren letzte Chance es ist, hier neu anzufangen. Doch wenn sie auch bei uns auf eine Gewaltfront engstirniger Gedanken stoßen, bleibt die Frage, wie menschlich und zivilisiert wir wirklich sind. Warum sie die lange Reise überhaupt gewagt haben, wenn sie doch nur von einer anderen Form von Gewalt begrüßt werden.  
Schaut nicht weg, sondern informiert euch doch einfach mal in eurer Stadt, wie ihr helfen könnt. Ob es Sammelstellen für Spenden gibt oder irgendeine Form der gemeinnützigen Arbeit. Und wenn ihr nur bei den Menschen sitzt und zuhört. Das hilft oftmals schon mehr, als man vermutet. An dieser Stelle möchte ich außerdem an die einzigartige Maddie verweisen, die seit Wochen unerschütterliches Engagement in Österreich zeigt und das Thema Unterstützung der Flüchtlinge auf ihrem Blog kommuniziert und wichtige Tipps gibt.  

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10 Kommentare

  1. Hallo Yasmin, das Thema ist sehr schwierig. Bei uns in der Stadt werden wir wohl mindestens 5 Flüchtlingsunterkünfte haben und diesen Menschen wird nicht nur Liebe und Respekt entgegenschlagen. Das ist nicht richtig. Die Städte und Gemeinden müssen sich besser vorbereiten, Antrage schneller bearbeiten, für Sprachunterricht sorgen. An vielen Ecken fehlt das Geld und vielleicht auch etwas die Bereitschaft zu spenden. Und was ist mit den Ländern die erst gar keine Flüchtlinge aufnehmen? Das ist so extrem alles... Da fehlen mir die passenden Worte...

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  2. Liebe Yasmin, ich finde es toll, das dieses heikle Thema nun immer öfter auch bei Bloggern aufkommt und man sieht, dass auch ihr euch um die Welt und das Geschehen Gedanken macht und nicht nur über (sehr grob gesagt, wie es manche tun) Beauty und Fashion Gedanken macht. Viele derer, die sich so gegen Flüchtlinge sträuben, verstehen gar nicht, dass diese Menschen dort ein geregeltes Leben hatten, viele studiert sind und ihr komplettes Hab und Gut einschließlich Familie verlassen und verloren haben. Es ist so traurig, zu sehen, wie sich die Leute verhalten. Es reicht doch, sich nur eine Sekunde in die Situation eines Flüchtlings zu versetzen, um zu wissen, dass wir helfen müssen! Es ist nur menschlich, zu helfen & auch wenn die Hilfe tatsächlich nur Verständnis für ihre Situation ist. Wir müssen die Menschen dazu kriegen, Menschen zu werden! Ich denke, das ist das eigentliche Problem auf der Welt. Dennoch, toller Post. Vielen Dank, es hat mich sehr zum Nachdenken gebracht. Liebe Grüße meine lieb Yasmin ♥

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  3. Ein sehr guter und wichtiger Beitrag. Mich lässt dieses Thema überhaupt nicht mehr los. Dieser Hass der diesen Menschen teilweise entgegenschlägt bricht mir das Herz. Ich kann einfach nicht verstehen wie es möglich ist, kein Verständnis dafür zu haben, dass diese armen und doch so unglaublich tapferen Menschen, sich ebenso nach einem friedlichen Leben sehnen wie wir. Jeder Mensch hat meiner Meinung nach generell das Recht, dort zu leben wo er möchte. Grenzen sind von Menschen gemacht worden, die nicht das Recht dazu hatten. Denn die Welt gehört ihnen nicht.

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  4. Einfach nur NEIN zum Post! Sorry.

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    1. Und das kommt natürlich anonym und ohne jegliche Argumente. Wenn dann steh doch bitte zu deiner Meinung und erkläre, warum genau der Post deiner Meinung nach daneben ist. Wieso man deinem Statement zufolge, nicht alle Menschen mit gleichem Respekt behandeln sollte?! Ich kann akzeptieren, dass Menschen unterschiedliche Ansichten mit unterschiedlichen Argumenten haben, höre mir diese auch an, aber einfach nur ein Nein in den Raum zu werfen, geht nicht.

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  5. Ich finde es gut, dass du dich dazu entschieden hast hier darüber zu schreiben und auch deine eigenen Erfahrung mir einbringst. Es kann nicht genug solcher Posts geben um auch den letzten zu erreichen.
    Liebe Grüße
    Hella von http://www.advance-your-style.de

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  6. Hallo Yasmin,
    du bekommst auf jeden Fall meinen totalen Respekt geschenkt dieses Thema auch hier auf dem Blog aufzugreifen, denn es ist eine sehr schwierige Situation.
    Ich bin ziemlich hin und her gerissen wenn es um diese Thema geht; natürlich muss man diese armen Menschen verstehen, die auch wie wir eine Chance für ein schönes und erfolgreiches Leben geschenkt bekommen möchten. Sie haben sicherlich jeden Tag um ein Neues Angst vor dem Tod und davor, dass ihrer Familie etwas zu stößt. Sie geben viel Geld aus um vor dem ganzen Elend zu flüchten und ein Leben in Europa zu führen und selbst diese Schifffahrt ist für das viele Geld eine einzige Katastrophe.
    Aber ist das wirklich alles so richtig...? Die meisten wollen nach Deutschland, weil sie denken, dass sie hier für sich das beste Leben führen können. Aber viele Deutsche müssen deshalb auch zuschauen wie jeden Monat ein Bundesland um eine Kleinstadt voller Flüchtlinge wächst. Die Deutschen haben Angst, weil es oft aufgetreten ist, dass Flüchtlinge junge Frauen und Mädchen angesprochen und belästigt haben (weiter möchte ich jetzt nicht gehen). Sicherlich gibt es auch jede Menge friedliche Leute aber eben auch solche Fälle.
    Weiterhin dürfen Deutsche oftmals nicht mal mehr ihre Meinung laut sagen, und werden sofort als Nazi hingestellt.
    Man muss immer beide Seiten sehen, was sicherlich sehr sehr schwer ist!

    Ich möchte mit diesen Worten auf keinen Fall irgendjemand angreifen sondern einfach versuchen auch meine Meinung in Sätze zubringen. :)
    Liebe Grüße

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  7. Liebe Yasmin,

    danke, dass auch du dich an dieser tollen Aktion beteiligst. Ich arbeite mit Flüchtlingen und sehe deren Leid täglich. Ich verstehe die Angst und auch den Unmut mancher Leuter sehr wohl, aber unser Problem sind mit Sicherheit nicht die Flüchtlinge, sondern unsere Politik.

    Bei uns in der Gegend auf der Bundesstraße wurde heute eine Gruppe von Flüchtlingen angefahren, nicht aus Absicht, aber dies hat eine riesengroße Diskussion verursacht, bei der viel zu viel braunes Geschwätz verbreitet wurde. Manche kann man mit rationalen Argumenten überzeugen, andere verschließen die Augen vor vielem. Ich werde täglich als naiv, mit rosaroter Brille und ähnlichem bezeichnet.

    Mir geht dieses ganze Thema sehr zu Herzen und je mehr ich dieser Blogbeiträge zu diesem Thema lese, umso mehr Hoffnung habe ich. Vielleicht schafft es Deutschland doch, die vielen "braunen" Stimmen zum Schweigen zu bringen.

    Liebe Grüße
    Mona

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  8. Liebe Yasmin,

    erstmal einmal finde ich es bewunderswert das du den Mut gefunden hast, dieses Thema hier auf deinen Blog zu behandeln und darüber zu schreiben. Und ich stimme dir eigentlich in allen Punkten zu. Trotzdem gibt es leider auch die Kehrseite der Medallie.

    Einige von meinen Freunden arbeiten bei der Stadt in der ich wohne (Ich wohne in Bayern). Viele Flüchtlinge sitzen hier bei uns in Sporthallen, Kasernen, Hotels, ect. Viele sind wirklich dankbar. Das merkt man schon allein an der Freundlichkeit und an den erleichternden Blicken der Menschen. Allerdings, und das ist leider nicht die Ausnahme, haben vieler dieser Menschen ein verkehrtes Bild von Deutschland/Europa. Sie kommen hierher und beschweren sich, das sie in Gemeinschaftsschlafensäälen schlafen müssen, Gemeinschaftsduschen benutzen müssen, oder nicht jede Familie ihre eigene Toilette benutzen darf. Sie denken sofort an Luxus, Arbeit, ein bessers Leben. Das sie sich dieses Leben erstmal aufbauen müssen, verstehen aber einige nicht.
    In wenigen (und ich möchte wenige betonen) beschweren sie sich sogar, über die "schlechte" W-LAN Verbindung, mit der sie, mit ihren (von der Stadt zu Verfügung gestellten) Ipads oder PC, ihre Familien nicht richtig erreichen können.
    Solche Dinge verurschen auch bei mir Unverständnis.
    Viele Städte und Kommunen geben viel für diese Menschen und versuchen Ihnen ihren neuen Lebensweg hier leichter zu machen und zu ermöglichen. Dabei jedoch auf solche Situationen und Aussagen zu treffen, ist für mich einfach unverständlich und nicht nachvollziehbar.

    Wie gesagt, das ist sicherlich die Ausnahme. Dennoch kann ich sicher nicht alles gut reden, was diese Menschen von dem neuen Leben hier erwarten.
    Die schwarzen Schafe gibt es bei den Flüchtlingen, leider aber genauso bei uns.

    Liebe Grüße
    Babette

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