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Morgen ist ja schon gestern

In letzter Zeit habe ich nachgedacht. Über das Leben, über mein Leben. Vorstellungen, Zukunftpläne, Wünsche und Träume. Und bleibe immer wieder beim Alter hängen. Versteht mich nicht falsch, ich scheue mich nicht davor zu altern, fand es schon immer lächerlich, wenn Frauen zum dritten Mal 25 werden. Älterwerden ist toll, behält so viele Überraschungen bereit und doch merke ich auf einmal: morgen ist ja schon gestern. Wann ist es passiert, dass wir uns auf einmal keine Gedanken mehr über unsere Barbiesammlung machen, sondern über Mieten, Abschlüsse und Steuererklärungen? In der Schule für das Leben vorbereitet wurden und von all den erwachsenen Dingen keine Ahnung haben, unser größter Feind ein Wusel aus tausend Zetteln, Formularen, Zahlen ist? 


Da ist er also, dieser Ernst des Lebens. Ich stehe vor ihm und weiß nicht so richtig, wohin mit mir ...und ihm.
Was ist, wenn ich statt Grübelfalte lieber meine Pausbacken behalten würde?
Ein unkoordiniertes Stolpern, statt Standfestigkeit. Altern ist merkwürdig. Ein wenig einschüchternd und unaufhaltsam. Irgendwann wird der Punkt kommen, an dem wir einhalten müssen, dabei gerate ich doch aber noch viel zu oft ins Straucheln.

Samstagabend. Die Mädels sitzen beisammen. Unterschiedliche Charaktere mit noch unterschiedlicheren Vorstellungen, aber den gleichen Zweifeln. Wir albern immer noch wie früher, kichern über dieselben Scherze und doch merken wir, dass sich unsere Themen ändern. Dass da auf einmal fundamentale Fragen im Raum stehen statt Erzählungen wilder Eskapaden. 
Unser Umfeld verändert sich, erste Frauen (denn ja, wir sind keine Mädchen mehr) bekommen Nachwuchs, ziehen sogar vor den Altar, scheinen einfach ihr komplettes Leben im Griff zu haben. Und dann sind da wir. Irgendwie mehr Mädchen als Frau, gemessen an diesen erwachsenen Lebensentscheidungen. Will ich ein Kind und wenn ja, wann? Soll ich den Job an den Nagel hängen und etwas ganz anderes ausprobieren? Jetzt, wo ich noch jung bin, spontan und unbeschwert? Wir werfen mit Zahlen um uns, spekulieren, wann das perfekte Alter für jede von uns ist. Die Zeit, endlich erwachsen zu werden, Zukunftspläne zu schmieden. Die richtigen und nicht die aus Zuckerwatte. 28 wäre ein schönes Alter, um Kinder zu kriegen, sagt sie. Aber halt, 28 ist ja bald! Und wie kann ich trotz langjähriger Beziehung solche Dinge auch nur imaginieren, bin ich nicht einmal in der Lage einem Haustier ein Zuhause zu geben, flattere ich von Blume zu Blume wie ein Schmetterling. Heute hier, morgen dort. Unbeständigkeit im Denken, das flatterhafte Aktionen nach sich zieht. 



Wieso ist alles so viel ernster? Wo bleibt die Zuckerwatte, das unbeschwerte Lachen? Diese Zeit, als unser größtes Problem war, wie wir nach der nächsten Party mitten in der Nacht nach Hause kommen. Stattdessen gibt es da jetzt diese erwachsenen Dinge. Geld verdienen, Arsch hochkriegen, Entscheidungen fällen. Verdammt, immer diese wichtigen Entscheidungen. Ich habe keine Angst davor, erwachsen zu werden, denn darauf freue ich mich ja schon...irgendwie. Ich habe Angst davor, die falschen Entscheidungen zu treffen.
So viele Möglichkeiten, das man daran zu ersticken gedroht. Sie strecken sich einem entgegen wie unzählige Hände, die man nur zu greifen braucht. Aber woher weiß ich, welcher Arm der richtige ist?

Letztlich ist es ein Aufschieben und Hinauszögern. Das liegt nicht an Faulheit oder Sprunghaftigkeit (na gut vielleicht ein wenig). Vielmehr liegt die Ursache in Unsicherheit begraben. Zu viele Optionen, zu viele Wünsche, zu viele Zukunftsmuster, bei denen wir versucht sind, sie alle auszuprobieren. 
Wer sagt uns, wann wir was zu tun haben?
Warum soll man mit 25 nicht noch einmal studieren? Ab wann ist man zu alt, um Träume zu verwirklichen? Zu vernünftig, um Risiko einzugehen?
Aber irgendwann lässt es sich nicht mehr aufschieben. Wenn die Uhr sich immer weiterdreht. Müssen bereit sein, auch wenn wir es nicht sind. 
Vielleicht ist das ja so wie mit dem Anbaden im Sommer. Statt zu grübeln und unsere Zehen vorsichtig ins Wasser zu tauchen, um sie schreckhaft wieder herauszuziehen und das Spiel wieder und wieder zu wiederholen, müssen wir vielleicht einfach einen großen Sprung ins eiskalte Wasser wagen, vor dem wir uns so sehr fürchten. Dabei gehen wir vermutlich erst einmal unter, werden von Wellen verschluckt, müssen husten und keuchen, wissen weder, wo unten noch oben ist, aber wir kommen wieder an die Oberfläche. Mit dem positiven Gefühl, es endlich gemacht zu haben. Endlich eine Entscheidung gefällt zu haben. Wohin auch immer sie uns führt.



Man kann nicht immer planen und schon gar nicht hellsehen, welcher Weg nun der beste ist. Aber abwägen kann man. Denn das Erwachsenwerden bringt auch Weitsicht mit sich. Die jugendliche Impulsivität zeigt sich zwar immer noch dann und wann und doch hat sie Platz gemacht für Verantwortungsbewusstsein. Erst denken, bevor es mit dem Kopf durch die Wand geht und Entscheidungen gefällt werden, die man anschließen bitterböse bereut.
Wenn ich so darüber nachdenke, glaube ich, dass wir trotz Unentschlossenheit auf dem richtigen Weg sind. Weil wir darüber nachdenken. Weil wir bei Jüngeren schmunzeln müssen, wenn wir die gleichen trotzigen Reaktionen und kindlichen Handlungen erkennen und auf einmal glasklar sehen, dass wir so viel gelernt haben. Aus Erfahrungen schöpfen und auch wenn wir uns noch nicht so richtig erwachsen fühlen, es doch mehr sind, als wir glauben.

Wie nehmt ihr denn das Erwachsenwerden wahr? Habt ihr ähnliche Zweifel bezüglich diesen wichtigen Lebensentscheidungen, lasst ihr eher alles auf euch zukommen oder ist für euch mittlerweile euer Weg glasklar?

 Jumpsuit - Fashion Pills, einen ähnlichen gibt es hier oder hier // Gürtel - Bershka // Kette - Zara (alt) // Tuch- Stradivarius // Sandalen - Mango

P.S. Die Bilder sind übrigens vor einigen Wochen noch vor Porto entstanden. Leider konnte ich euch aufgrund meines fetten Verbands am Knie nur Oberkörperbilder schießen. Ich trug dazu meine braunen Gladiatorensandalen. 

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26 Kommentare

  1. Ein toller Text, toller Look und tolle Bilder :-* www.thepinkheartgirl.blogspot.de

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  2. Wo gibt es denn in Halle solch ein tolles Mohnfeld? <3

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  3. Hallo Steffi :)
    Richtung Teutschenthal gab es 2 sehr große Mohnfelder. Die sind aber mittlerweile leider schon nicht mehr so schön frisch.
    Liebe Grüße

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    1. Merci fuer den Tipp. Ich fahre heute mal vorbei. Vlei hab ich noch Glueck :)

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  4. Der Text gefällt mir unglaublich gut! Du hast eine sehr schöne Art zu schreiben.:)

    Liebe Grüße!

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  5. Richtig schöne Fotos, du siehst toll aus!!

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  6. Hi liebe Yasemen,
    ich kann deine Gedanken total nachvollziehen. Ich bin ja nun dieses Jahr "zum dritten Mal 25 geworden" - und ich hab kein "echtes" Problem damit, älter zu werden, es fühlt sich nur manchmal völlig surreal an, dass die Jahre so an einem vorbeiziehen und man immer noch das kleine Mädchen ist. Ich, 27? Was wollte ich da schon alles erreicht haben...darüber kann ich heute nur schmunzeln. Ich glaube ehrlich gesagt, dass es auch so bleibt, in mir steckt wohl ein Kind.
    Zuckerwatte und erwachsen werden läuft für mich eigentlich Hand in Hand, das muss gar kein schmerzlicher oder wehmütiger Prozess sein...:-)

    Liebste Grüße, Regina

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  7. Die Bilder sind der Hammer *-*

    lg♥
    http://thislifeisprettyamazing.blogspot.de

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  8. Ein wunderbarer Text mit so viel Aussagekraft. Auch ich stelle mich all diese Fragen und mache mir Gedanken, wann der richtige Zeitpunkt für gewissen Dinge im Leben ist, aber wie du schon meintest, planen kann man diese sowieso nicht. Ich glaube daran, dass alles aus einem bestimmten Grund passiert. Deshalb haben manche aus meinem Abiturjahrgang auch schon geheiratet und Kinder bekommen und ich eben nicht. Es sollte vielleicht so sein, weil mein Leben erst einmal noch etwas anderes mit mir vorhat.

    Danke für diesen tollen Blogpost und ich wünsche dir einen guten Start in die Woche.

    Liebste Grüße
    Luise | www.just-myself.com

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  9. Hey,
    ersteinmal: dein Schreibstil ist sehr schön!
    Ich kann deine Ängst sehr gut verstehen. Ich selbst habe diese auch, obwohl ich es mir oft erst selbst eingestehen muss. Daran Schuld sind glaube ich nicht wir selber, sonder die Welt in der wir leben. Erfolg, Geld und Selbstverwirklichung sind wichtige Aspekte. Daran kommst du nur, wenn du dich kümmerst und ehrgeizig bist.
    Meiner Meinung nach (und so mache ich es auch), sucht und findet man seinen Weg so gut es geht. Natürlich kommt einem nichts zugeflogen, aber ich glaube einfach mal an Schicksal.
    So ist es auch bei mir nach meinem Studium. Ich habe nach viel Überlegung vorher, super schnell einen Glücksgriff in Sachen Job gemacht.
    Oft macht man sich viel zu viele Gedanken. Und mit 35 Jahren kann man immer noch ein Kind bekommen. Und mit 35 Jahren kann man auch noch eine Weltreise machen. Und mit 35 Jahren kann man auch noch studieren.
    Kopf hoch und mach bloß weiter mit deinem tollen Blog!!!

    Liebste Grüße
    Alex

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  10. Ein ganz wundervoller Text, auf den du auf den Punkt genau meine Gedanken widerspiegelst. Ich bin jetzt 28, werde in wenigen Wochen 29, heißt die 30 rückt näher und früher wollte ich bis dahin so viel erreicht haben: verheiratet sein, Kinder, ein Haus und ein toller Job. Vieles von dem habe ich vielleicht bis dahin erreicht, aber trotzdem fühle ich mich nie richtig erwachsen. Aber ehrlich gesagt finde ich das nicht schlimm - ich möchte mein Leben genießen und nicht nur "vernünftig" entscheiden! Mein Leben spiegelt mich wider, meine Persönlichkeit, manchmal sprunghaft und manchmal bis ins kleinste Detail gut organisiert, aber trotzdem immer anders und das macht das Leben aus!
    Liebe Grüße
    Jenny

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  11. Ich liebe deine Texte so sehr. Sie sind so gut geschrieben und du bringst es immer auf den Punkt! Weiter so! <3

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  12. Wirklich wunderschöne Bilder und ein tiefgründiger Text. :)

    Liebe Grüße
    Jülide
    www.lifeandstyleblog.de

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  13. Dein Text beschreibt vieles, was mir in letzter Zeit auch immer wieder durch den Kopf flattert....
    Mit 25 nochmal studieren - da musste ich schmunzeln, denn so ähnlich war es bei mir: nach meinem 1. Examen (auch Lehramt) habe ich mich dazu entschieden, nochmal eine zweite Richtung einzuschlagen - aber nein, das war keine Entscheidung komplett gegen das Lehramt, sondern für eine zweite berufliche Option, denn nach meiner Masterarbeit (was gäbe es Schöneres bei dem Wetter, ha) werde ich trotzdem ins Referendariat starten und zwar mit mehr Lebenserfahrung und einem erweiterten Horizont - und der Option, meine pädagogischen Fähigkeiten mit Neuem aus dem interkulturellen Master zu verknüpfen.
    Du merkst schon, endgültige Entscheidungen zu treffen, ist auch nicht meine Stärke, aber ich denke, das ist heute in der Berufswelt auch nur noch selten erwünscht.
    Im Privaten dagegen gibt's kein hin und her - eigene Kinder kann man am Schuljahresende nicht zurückgeben, deshalb lasse ich mir da auch noch etwas Zeit ;-)

    Liebe Grüße,
    Eva

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  14. Die Bilder in dem Blütenmeer sind soooo schön!

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  15. Hee du!
    Was für wunderschöne Bilder und was für sorgsam gewählte Worte.
    Ich habe oft das Gefühl, mein Leben bestünde nur noch aus Entscheidungen, aus Abwägen und Berechnen und kalkulieren.
    Ich habe oft das Gefühl, dass mir die Leichtigkeit verloren gegangen ist. Und dass ich eigentlich nicht bereit bin. Manchmal sehne ich mich nach Peter Pan. Wann ist der richtige Zeitpunkt, erwachsen zu werden?
    Zum Glück gibt es auch noch diese leichten Momente, wie kleine Inseln, Lichtpunkte im Ozean.
    LG Marmormaedchen
    www.marmormaedchen.blogspot.com

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  16. So schön, sowohl die Worte als auch die Bilder. Das schwarz-weiße Foto ist einfach der Wahnsinn!
    Bisous Bisous Christina von http://madame-christin.blogspot.de/

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  17. Wie präzise du in Worte fasst, was mir seit ein paar Wochen auch wieder sehr präsent durch den Kopf geht :(
    Man misst sich aber auch einfach zu sehr an den sozialen und gesellschaftlichen Einflüssen und an dem was von uns erwartet wird.

    Tolle Bilder aber! ;)

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  18. Wow! Mit deinen Gedanken über das Erwachsenwerden bist du auf jeden Fall nicht allein, durch dieses gedankliche Wirrwar muss sich wahrscheinlich jeder mal durchkämpfen. Leider! Oder zum Glück? :-)

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  19. Die Bilder sind wunderschön! Wie die Mohnwiese von Claude Monet! :)
    Ich bin eine Spur älter als du. Als meine zwei Kinder zur welt kamen, habe ich auf einmal vergessen wie alt ich bin.;) Ich war selber überrascht, dass so etwas möglich ist. Mit den Jahren habe ich eines gelernt und ich vesrsuche es wirklich zu befolgen: ich schaue immer nach vorne und nie in der Vergangenheit!

    Auf ColourClub läuft zur Zeit ein Gewinnspiel: zwei Paar Sonnenbrillen sind zu gewinnen!
    Liebe Grüße aus Wien
    Borislava von www.colourclub.at

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  20. Ohh es ist mein absoluter Traum in einem Mohnfeld Fotos zu machen. Wahnsinnig schön!!

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  21. Du triffst es perfekt :) ich hatte auch immer angst vor der zukunft,aber finde man sollte träume einfach anpacken und nicht lange drüber nachdenken was wäre wenn... :)

    Liebste Grüße ♥ Joana
    TheBlondeLion

    Ich würde mich riesig freuen, wenn du bis einschließlich heute Abend noch beim
    Styleticket für mich abstimmen kannst
    - DANKE <3

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  22. wooow, was für wahnsinnig tolle Fotos. Die Fotos sind perfekt, besser gehts doch gar nicht :) Wirklich wunderbar!

    So ein ähnlicher Text ist bei mir auch schon lange in Planung. Aber du hast ihn schon ziemlich perfekt getroffen. Mir geht es da nicht viel anders :)

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  23. Der Text hat es wirklich genau getroffen - mir geht es absolut genauso wie dir.
    Viel Grübeln und immer wieder ein Schmunzeln, wenn ich über all das nachdenken, was ich als 11 Jährige in meinen "Lebensplan" geschrieben habe. Damals war 24 für mich alt und ich plante verheiratet zu sein und schon ein Kind zu haben. Heute für mich unvorstellbar und irgendwie noch ganz weit entfernt.
    Aber es ist wie du sagt, manchmal muss man die Dinge einfach tun, sich mitreißen lassen und nicht zu sehr alles "tot grübeln".

    Liebste Grüße
    Vivienne


    Liebste Grüße
    Vivienne

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  24. wow , wunderschöne Fotos und so ein süßes Sommeroutft :) bohemian girl ♥

    Liebste Grüße

    Sandra ♥ von Sandra Felicia

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  25. Wunderschöner Look und traumhafte Fotos! <3

    Liebst
    Jane von Shades of Ivory

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