Gedanken

Erwachsenwerden



Hallo ihr Lieben,
heute habe ich einen etwas anderen Post für euch, der gleichzusetzen ist mit meinen Gedankenposts. In der Vergangenheit gab es immer mal wieder Gastbeiträge. Ich schätze diesen Austausch sehr, weil es  neue Perspektiven auf Dinge ermöglicht und für Abwechslung sorgt. So habe ich euch heute einen Text meiner Gastautorin Emma mitgebracht, der meine Gefühle der letzten Zeit treffend beschreibt, so gut, dass ich sie nicht besser formulieren könnte. Ich denke, dass wir alle von Zeit zu Zeit solche Gedanken in uns tragen und vielleicht hat der ein oder andere von euch Lust, Feedback da zu lassen. Falls es unter euch auch Schreiber, Fotografen oder Leute gibt, die einfach gute Ideen teilen wollen und gerne einmal einen Beitrag verfassen möchten, könnt ihr mir gerne schreiben, ganz egal ob ihr selbst einen Blog führt (den würde ich dann natürlich verlinken) oder nur für euch selbst tätigt seid.
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„Hey, wie läuft’s?“
„Gut. Arbeit gut. Studium gut. Ich fühle mich gut in der neuen Stadt. Super Leute.“
„Das freut mich!“
„Ja, hoffe bei dir ist auch alles ok. Alles in Bahnen.“
„Mir geht’s auch gut. Freundin gut. Samstag einen guten Film geschaut.“
„Schön. Entspannen ist wichtig.“

Verdammt. Wann haben wir angefangen, so erwachsen zu sein?
Ja Schätzchen, jeder muss man erwachsen werden – sagt die Mama.
Jeder muss den Weg gehen, um Geld zu verdienen – sagt der Papa.
Man kann nicht ewig nur Spaß haben – sagt die Mama-Freundin.
Ich weiß. Aber warum jetzt? Warum so bald? Warum muss es SO sein?

Es gibt die Mittzwanziger-Krise. Definitiv. Und ich stecke in ihr. Ich fühle mich mal, als könnte ich die Welt umarmen. Dann reicht mein Arm nicht mal bis zum Kühlschrank. Am nächsten Tag freue ich mich über den neuen Job. Dann denk ich, ich will so gerne morgen wieder in der Schulbank sitzen – und wenn es im Matheunterricht ist. Heute finde ich es voll cool, mit neuen Leuten andere Seiten an mir zu entdecken. Morgen will ich einfach nur wieder zurück in meine Horde, die mich seit den schlimmsten Jugendtagen kennt.

Jetzt, wo ich langsam rausfinde, wer ich tatsächlich bin und was ich will und was ich denke, weiß ich einfach gar nichts mehr. Ich bin überfordert. Mit mir, mit der Welt und mit all ihren schön-schrecklichen Veränderungen, die so schnell passieren, dass ich sie nicht greifen kann. Ich hatte immer die Kontrolle. Meistens. Und mittlerweile ist es, als würde immer alles nur noch passieren. Steuerlos. Ohne Sinn, meist ohne Verstand, oder eben mit viel zu viel davon.

Wo sind die Abende, an denen man nicht wusste, was man mit dem bunten, neuen, nächsten Tag anfängt? Die Wochenenden, die nicht schon Monate im Voraus im Kalender rot markiert waren? Und wenn ja, dann nur, weil da das nächste Festival aus voller Vorfreude ganz fett angestrichen war. Nein, es geht nicht darum, dass man nicht mehr so viel Party macht (doch, ein kleines bisschen schon). Es geht darum, dass man lebt, ohne zu denken. Warum denken alle plötzlich so viel?

Man denkt darüber nach, wie man sein Geld verdienen will. Und jetzt wirklich, so ganz im Ernst. Ob man das richtige Studium gewählt hat, ob man noch einmal eine andere Stadt sehen will. Wie will ich leben? Mit wem will ich leben? Was will ich tun bevor ich 30 werde? Ernsthaft? Warum tun wir uns das an?

Wir sind zu müde für einen Mädels-Cocktail-Abend. Wenn wir stattdessen gemeinsam Filme schauen, schlafen wir dabei ein. Alkohol trinken wir nur noch in Maßen, damit wir morgen schaffen, was auf dem Tagesplan steht. Weizenbrötchen sind von unserer Liste gestrichen, da sie dick machen. Spontane Treffen im alten Rudel gibt es zwei Mal im Jahr – zu Weihnachten und Pfingsten. Unser Partner bestimmt unseren Zeitplan – oh nein, tut mir leid, das ist natürlich normal in einer erwachsenen Beziehung.

Und warum vergisst man, dass es so unwahrscheinlich gut tut? Das Nicht-Erwachsen sein? Das Unvorhergesehene, Unvernünftige? Es tut so gut, weil man weiß, dass man doch am nächsten Tag wieder intelligente, überlegte Entscheidungen treffen kann. Es tut so gut, über alte Zeiten zu reden. Doch das geht nur so weiter, in dem man neue Zeiten schafft. Es tut so gut, sich Nächte lang den Bauch vor Lachen zu halten, auch wenn man wieder zeitig aufstehen muss. Es tut so gut!

Kann das nicht auch zum Erwachsenwerden gehören? Manchmal und mit gewissen Leuten macht es das auch. Rumspinnen, Kind sein, rumphilosophieren, sich in Worten und Gedanken verlieren, die Zeit anhalten. Und vielleicht ist es das, was das Erwachsenwerden so schmerzhaft machen lässt. Dass man Menschen verliert. Und es plötzlich nur noch wenige wunderbare Menschen um einen herum gibt, denen man sein Herz schenkt und die man nicht mehr loslässt. Bei denen man spürt, dass es für immer sein kann. Während es bei manchen einfach nicht mehr reicht, die alte Liebe tief vergraben in einem Winkel des Herzens zu fühlen. Dort wird sie immer bleiben. Doch manchmal ist dies nicht genug.

Manchmal kann man nicht mehr festhalten. Man muss gehen lassen. Entwickeln lassen. Schauen, wo es jeden einzelnen von uns hintreibt. Um vielleicht irgendwann wieder beieinander hängen zu bleiben, einmal im Jahr den Anker zu schmeißen und den tollsten Abend seines Lebens miteinander zu verbringen. Manchmal tut das Erwachsenwerden eben sehr weh, die unumgehbare Vernunft, die viel zu wichtigen Entscheidungen.

Doch wir werden die richtigen treffen, wir werden den Mittelweg finden, wir werden versuchen Engel und Teufel bei Laune zu halten. Wir werden es, weil wir waren wie wir waren, ohne Kalender, mit ganz viel Musik, schrägen Verkleidungen, Gedanken nur im Hier und Jetzt. Weil wir all das genau so genossen haben, wie wir es wollten. Weil wir zueinander gehört haben. Und genau deswegen werden wir weiter die unsichtbaren, feinen Weben zwischen uns spüren.

Erwachsenwerden kann weh tun. Erwachsenwerden kommt viel zu schnell. Darauf war  ich nicht vorbereitet.

„Hey, wie läuft’s?“
„Geht so. Arbeit gut. Studium gut. Ich fühle mich gut in der neuen Stadt. Super Leute. Aber irgendwie – ich denke darüber nach, dass früher manches leichter schien.“
„Das freut mich – der erste Teil zumindest. Ansonsten: Kopf hoch, morgen auf eine Flasche Wein bei mir?“
„Hoffe bei dir ist auch alles ok?! Unheimlich gerne. Balkondate um 8?“
„Mir geht’s auch gut. Freundin gut. Aber freu mich auf morgen!“
„Schön! Ich bring Chips mit – und lass das Erwachsenwerden zu Hause.“



Bilder via 1, 2, 3, 4

Habt ihr, wenn ihr auch gerade mitten in den Zwanzigern steckt, solche Erfahrungen mit diesem komischen, nagenden Gefühl gemacht? Ist das ein vollkommen normaler Prozess, den wir alle durchlaufen, Ängste, die uns alle irgendwann heimsuchen, bevor wir uns selbst finden und einen eigenen Weg einschlagen? Lasst uns gerne eure Kommentare und Erfahrungen diesbezüglich da und wie ihr die Idee mit dem Gastbeitrag findet.

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7 Kommentare

  1. ... wie ich mich in jedem deiner Sätze wiedergefunden habe....
    Schade eigentlich, warum lebt man nicht einfach, warum muss alles, was man tut und plant und entscheidet so rational und gut überlegt sein?! :(
    Eigentlich wollen wir das gar nicht, aber unser soziales Regelwerk treibt uns da hin...

    xx
    ani von ani-hearts

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  2. Die Idee mit dem Gastbeitrag finde ich cool und ich mag deinen Stil der ist so unverblümt, ehrlich.
    Ich denke, das jeder irgendwann schon solche Gedanken hatte man muss nur gucken, ob die Zweifel berechtigt sind oder man vielleicht doch etwas ändern sollte und einen anderen Weg einschlagen sollte der glücklicher macht.
    Bei den Beziehungen seh ich das immer etwas anders und hänge da vermutlich nicht ganz so sehr an alten Bindungen. Menschen kommen und gehen und jeder bringt etwas besonderes mit. Deswegen ist es auch nicht so schlimm wenn sich Türen schließen, weil man sicher sein kann, das einem neue interessante Leute über den Weg laufen werden.
    Liebe Grüße
    Julia

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  3. Ein richtig toller Teyt, sehr schön geschrieben und dabei dann auch noch so verdammt wahr, ich bin zwar erst am Anfang meiner Zwanziger, aber mir geht es genauso, irgendwie geht das Erwachsenwerden dann doch manchmal viel zu schnell!
    Liebe Grüße :)

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  4. Ich mag solche tiefgründigeren Posts, weil sie so ehrlich und sympathisch sind. Das sind ja letztlich Gedanken, die jeder irgendwann mal hat. Mir ging das mit dieser "Krise" vor allem in Bezug auf mein Studium so. Erst habe ich angefangen Medizin zu studieren, aber irgendwie mehr um andere zufrieden zu stellen. Der Schritt zu erkennen, dass es eben nicht mein Fach war, war schwer, weil man ja die Eltern und ja auch sich selbst nicht enttäuschen will. Letztlich war es aber die beste Entscheidung zu wechseln. Ich bin immer der Meinung, dass solche Gefühle nicht von ungefähr kommen und man auf sein Herz hören sollte. Solange man noch jung ist, kann man auch mal wilde Entscheidungen treffen. Wichtig ist nur, dass man dann in entscheidenden Situationen eben doch auch mal erwachsen handelt :)
    LG

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  5. Ich kenne deine Gedanken einfach zu gut... und irgendwie fühle ich mich oft damit alleine, aber dank deinem Post bin ich es wohl doch nicht :D

    Ich versuche eben genau wie im letzten Absatz ein bisschen auszubrechen und schau mir auch oft Pipi Langstrumpf an um mich besser zu fühlen :D

    Liebe Grüße ♥

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  6. Hallo Emma,
    schöner Beitrag. Normalerweise lese ich so lange Texte auf Blogs immer ungern, aber bei deinen Worten bin ich hängen geblieben. Der Text liest sich sehr fließend wie eine Geschichte. Liegt aber vielleicht auch daran, dass man sich so gut damit identifizieren kann.
    Man muss wahrscheinlich versuchen, sich das innere Kind zu bewahren und sich als Erwachsener nicht ganz so ernst zu nehmen. So versuche ich es zumindest.
    Liebe Grüße

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  7. Richtig richtig toller Text :3

    Liebe Grüße <3
    Von http://petiteecherieee.blogspot.de/?m=1

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