Gedanken

Flügel



Einen schönen Sonntag, meine Hübschen!
Wie ihr wisst, teile ich gerne meine Gedanken mit euch. Manchmal mehr, manchmal weniger, weswegen ich mich nie auf einen konkreten Gedankenpost-Termin einlassen kann, wie es auf vielen anderen Blogs üblich ist. Zu groß der Druck, etwas niederzuschreiben. Stattdessen lasse ich mich gerne treiben und wenn mich ein Thema wirklich fesselt, schnappe ich mir meinen Laptop und tippe drauf los. So auch gestern Abend geschehen, als ich von einem besonderen Treffen nach Hause kam.
Wie ihr vielleicht nach dem letzten Q&A Video wisst, stammt ein Teil von mir aus Syrien - einem Land, welches zur Zeit vom Krieg gezeichnet ist. So kam es auch, dass ein etwas ferner verwandter Part der Familie seit 2 Monaten in Berlin wohnt, ein Besuch war also in typisch arabischer Tradition fällig. Auch wenn ich einige "Arabis" kenne - so bezeichnen wir gerne liebevoll die Mischlinge wie mich- hatte ich ewig nicht die Möglichkeit, mit einem einheimischen Gleichaltrigen zu kommunizieren. Als ich also im Gespräch war und es viel um Kulturunterschiede und Politik ging, versuchte ich, diesen einen Teil von mir genauer zu verstehen. Ich war bisher nie besonders gut darin, die arabische Seite auszuleben, weil ich mich nie richtig eins mit ihr gefühlt habe. Wie auch mit Sprachbarrieren und einem letzten Besuch im Alter von 13, wenn man vorpubertär ist und lieber den Sommer mit Freunden verbringen möchte, statt in einem bitterarmen Dorf irgendwo im Nirgendwo eines fremden Landes. Mit etwas Abstand und vor allem ehrlichem Interesse an dieser andere Seite, war ich gestern sehr berührt und ja wurde irgendwie auch aufgerüttelt. 
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Statt nur im Fernsehen oder von meinem Papa über die Zustände in Syrien zu hören, bekam ich also einen Bericht aus erster Hand, aus der Sicht eines jungen Erwachsenen. Und irgendwie klang das alles sehr bitter und traurig. Die Probleme (und das gilt für alle Probleme der Welt) anderer erscheinen durch die vielen tausend Kilometer so weit entfernt und doch kann man sie nicht einfach ignorieren. Aus unserer deutschen Sicht geschieht das jedoch viel zu schnell, was man nicht einmal verübeln kann. In einem Land, in dem es uns echt gut geht, zählen oftmals doch andere Dinge als die Politik, die im Gegenzug so viele junge und alte Menschen in anderen Ländern beschäftigt. Dort unten ist die Politik Thema #1, sämtliche Jugendliche tauschen sich über politische Entscheidungen aus und versuchen eine Lösung für ihr Land zu finden, weil sie Angst um ihre Existenz, vor ihrer Zukunft haben und sich vor allem in ihrer persönlichen Freiheit beschränkt fühlen.Sie kämpfen für ein Gut, was wir längst besitzen und vergessen, wertzuschätzen, ist es für uns selbstverständlich geworden. Schaut man sich dann die Wahlbeteiligung oder das generelle politische Interesse unserer Generation in Deutschland an, ist das wirklich beschämend. Als ich gefragt habe, warum gerade Deutschland, was daran so besonders sei, bekam ich die Antwort, dass es ein Paradies sei. Dass vor allem wir jungen Menschen so viele Möglichkeiten der Lebensgestaltung haben, dass wir sein können, wer auch immer wir sein wollen, dass wir die Freiheit besitzen, alles zu tun und in unseren Wünschen bestärkt statt gestutzt zu werden. Was wissen wir auch schon über begrenzte Meinungsäußerung oder dem Gedanken, dass du nicht erst probieren brauchst, etwas Moderneres, vielleicht auch Verrücktes aus deinem Leben zu machen? Uns wird eingebläut, unsere Träume zu leben und das tun die meisten von uns auch. Als ich diese echten Probleme und ehrlichen Lebenswünsche gehört habe, die mir natürlich nicht unbekannt, aber doch so sehr entfernt schienen, fühlte ich mich auf einmal ziemlich schlecht. Ich schämte mich für einen Moment meiner selbst, beschäftige ich mich hier doch mit so oberflächlichen Themen wie Mode und Beauty und vergesse viel zu oft, dass es eben nicht für jeden Menschen dieser Welt normal ist, so zu leben.
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Dabei muss ich mich eigentlich nicht schämen, denn ich mache, was mir Spaß macht, lebe Leidenschaften aus und setze Träume in Realität um. Wichtig ist, dass wir nicht blind werden für diese selbstverständlichen Dinge. In einem Land wie Deutschland werden wir mit Flügeln in die Welt gesetzt, die nur darauf warten, benutzt zu werden. Wir können uns entfalten und unser Leben selbstbestimmt führen, egal in welche Richtung es letztlich führt. Eine Freiheit, die exklusiv ist und von vielen anderen jungen Menschen erträumt wird. Und doch nutzen wir sie oftmals nicht richtig aus, halten uns selbst zurück, aus Angst zu versagen, überhaupt einen Schritt nach vorn zu wagen. Und das finde ich sehr schade, gibt es doch so viel zu entdecken und zu lernen.
Ich liebe solche Gespräche. Die aufrütteln, einen sich selbst hinterfragen lassen, fernab des oberflächlichen Fashionzirkus sind und sich echt und lebendig anfühlen. Es ist nicht selbstverständlich, solch ein selbstbestimmtes und freies Leben zu führen. Das war mir schon immer klar, ist mir aber gestern wieder einmal mehr bewusst geworden. Manchmal braucht man eben einen kleinen Reminder.
Die Intention hinter diesem Post ist weder politischer Natur, noch möchte ich Moralapostel spielen und auf andere zu zeigen, lässt mein eigenes politisches Interesse auch bloß zu wünschen übrig. Vielmehr ging es um das Aufrütteln, das Bewusstmachen unserer Freiheit, die wir so oft mit Füßen treten und nicht sehen wollen. Ich hatte einfach das Bedürfnis, in dieser Form unsere Flügel wertzuschätzen und daran zu erinnern, dass du und ich unsere Träume packen und dafür kämpfen sollten, wenn wir doch hier eigentlich alle nötigen Voraussetzungen mitbringen, um sie zu verwirklichen. 
Was bedeutet für euch Freiheit? Braucht ihr auch ab und an einen kleinen Denkanstoß, um über solche Themen zu grübeln? Oder seid ihr vielleicht so sehr politisch interessiert und engagiert, dass ihr keinen Anstoß mehr braucht? Und was sind eure Träume, die ihr mit euren Flügeln gerne irgendwann einmal umsetzen würdet? Ich würde mich sehr über eure Kommentare und Gedanken dazu freuen :)
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4 Kommentare

  1. Ich kenne diesen Gedanken - dass man sich doch mehr um die Politik, um das Landesgeschehen kümmern sollte und so oft nehme ich mir vor, täglich die Nachrichten zu schauen oder zumindest auf Spiegel Online die News zu verfolgen - um dann am Sonntag vor dem Tatort beschämt zu erkennen, dass ich gerade zum ersten Mal in dieser Woche tatsächlich sehe/höre, was in der Welt gerade so los ist.
    Du hast Recht, wenn du sagst, dass wir andere Prioritäten setzen, weil diese Dinge wie ein stabiles politisches System einfach so selbstverständlich für uns sind, dass wir gar nicht darüber nachdenken. Erst, wenn uns ein neues Gesetz wirklich betreffen würde, würden wir vermutlich alle aufspringen und protestieren.
    Prinzipiell finde ich das auch nicht so schlimm, solange man nicht den Moralapostel spielt, wie du schon so schön gesagt hast :)
    Aber ein gewisses Grundverständnis für Politik und auch einfach eine gewisse Dankbarkeit für das Leben, das wir führen dürfen, finde ich auch durchaus angebracht.
    Und vielleicht sollte uns der Gedanke, dass uns nicht nur ein Familiennetz, sondern tatsächlich auch ein staatliches Netz auffangen kann, wenn wir scheitern wirklich motivieren und antreiben mehr aus unserem Leben zu machen. Die Träume zu leben, die andere sich viel härter erkämpfen müssen und es trotzdem wagen. Denn ganz ehrlich muss man sagen: Sicherheit ist wichtig, aber Mut und Tränen in etwas zu investieren und DANN ans Ziel zu kommen, fühlt sich einfach noch viel, viel besser an :)
    Ich wünsch dir einen schönen Sonntag!
    Kathi

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  2. Du hast das so gut geschrieben, Respekt!
    Ich hatte vor kurzem eine ähnliche Erfahrung, in Bielefeld war grade eine Demonstration bei der es auch um Syrien und den Krieg dort ging, alleine schon das mitzuerleben hat mich echt ziemlich aufgewühlt, es wirkte plötzlich alles so echt. Zwar sind bei mir im Dorf auch immer mehr Flüchtlinge, aber die sieht man ja nur, man redet nicht mit denen, alles was man über den Krieg erfährt weiß man durch Nachrichten. Aber wer schaltet heutzutage nicht ab wenn die Nachrichten laufen? Es gibt in letzter Zeit so viele Kriege, das will man sich einfach gar nicht vorstellen. Bei dieser Demonstration habe ich mich so unwohl gefühlt, ich kam grade aus einem Laden, und ärgerte mich darüber, dass die zumachen wollten und wurde mit dem richtigen Leid der Menschen konfrontiert, die Menschen, die sich dafür einsetzen, dass jemand etwas tut und ihre Verwandten und Freunde, Männer und Frauen nicht brutal niedergemetzelt werden. Plötzlich war das für mich alles so real, als wäre ich für einen kurzen Moment dort gewesen...

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  3. Sehr schöner Post! Ich muss mich auch immer mal wieder daran erinnern, wie gut es uns in Deutschland geht und ärgere mich oft über Menschen, die z.B ihr Wahlrecht gar nicht nutzen! Wo anders auf der Welt gehen Leute für etwas auf die Straße und müssen sogar sterben, wenn sie ihre Ansichten kundtun und hier sind einige zu faul zum Wahllokal zu laufen. Ich bin auch nicht die, die alles über Politik weiß, aber wer eine Chance hat etwas zu verändern, der sollte diese auch nutzen! Auch die Obdachlosen tuen mir immer leid. Es ist einfach zu sagen "Die sind alle drogenabhängig und selber Schuld an ihrer Situation!", aber sollten wir nicht auch diesen Menschen mehr helfen (wenn sie es möchten)!? Ganz liebe Grüße und die Unangekündigtkeit der "Seelenpost" finde ich gut und deine Begründung dafür auch völlig verständlich!

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  4. Ich kenne diesen Gedanken echt gut:) ich denk oft über solche themen nach und bin fest entschlossen mein leben in die hand zu nehmen und meine träume zu verwirklichen, aber ehrlich gesagt schaff ich das nicht:/ ich weiß einfach nicht wie ich das anstellen soll, da ich viel zu sehr damit beschäftigt bin gute noten in der schule zu schreiben mit dem vorsatz, ein gutes Abitur und somit eine perfekte grundlage zu schaffen, um meine träume zu verwirklichen. Bei anderen hört es sich immer so leicht an, wenn sie sagen, man soll das tun was man gerade gerne machen will aber meiner Meinung nach geht das nicht von heute auf morgen. Oder liege ich komplett falsch damit?

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