Gedanken Yasmin

Vom Chamäleon und dem Regenbogenfisch


 Hallo ihr Lieben,

nicht erschrecken, denn heute wird es ein wenig textlastig. Ich wollte zur Abwechslung mal ein Thema zur Sprache bringen, was mich schon oft beschäftigt hat. Und zwar geht es um den persönlichen Kleidungsstil im Umfeld der Uni/Schule/Arbeit. Ich habe mich eigentlich schon immer sehr für Mode interessiert, herumprobiert, um meinen eigenen Stil zu finden. Mit Sicherheit ist dieser noch nicht ausgereift, aber ich bin gerade in den letzten Jahren  etwas mutiger geworden. Dies wurde verstärkt, als ich dann 2010  bei H&M gearbeitet habe. Durch den ständigen Kontakt mit Mode, Accessoires und den neusten Trends wurde ich einfach angesteckt und  habe mich -für meine Verhältnisse- noch mehr getraut. Ich würde nicht behaupten, dass ich super außergewöhnlich herumlaufe, aber doch so, dass ich zumindest in meinem Institut auffalle. 

Ich möchte nicht verallgemeinern, aber kennt ihr das, diesen langweiligen Uni-Einheitsbrei, was Mode betrifft? Jeder soll natürlich tragen, was er möchte, aber mich ödet es doch sehr an, ständig nur Menschen in Jeans, Shirt und Chucks zu sehen (nichts gegen Chucks, die sind toll!) Mir fehlt irgendwie der Pepp, ein Fünkchen Kreativität, etwas Individualität. Ich möchte mir jetzt nicht anmaßen, mich auf den Modeolymp zu setzen- denn das wäre ziemlich frech, betrachtet man doch die grandiosen Outfits manch anderer Studentin/Bloggerin/Mutter/Arbeitskollegin in anderen Städten.  Nein, ausgeflippt laufe ich nun wahrlich nicht herum, auch ich habe meine Jeans- und -T-Shirt-Tage. Dennoch scheine ich mit Blazern, großem Statementschmuck und der ein oder anderen knalligen Farbe aufzufallen im tristen Unialltag und dabei trage ich noch nicht einmal High Heels – denn das fänd‘ ich schon wieder übertrieben in meinem Studienfach. Manchmal gibt es dann  diese  Momente, in denen ich mich fühle wie ein Regenbogenfisch im Raum mit vielen Chamäleons, die um gar keinen Preis auffallen wollen. Hier und da wird dann auch ein anderer verirrter Regenbogenfisch entdeckt und man freut sich über dessen Gesellschaft. 



Meine Vermutung ist, dass dieses Phänomen entweder stadtabhängig  oder einfach eine Sache des Studiengangs ist. Ich möchte wirklich nicht oberflächlich erscheinen, denn das sind lediglich Beobachtungen, die ich gemacht habe und in keinerlei Zusammenhang stehen mit dem Charakter einer Person. Es gibt so unheimlich viele liebe Menschen, die einen Scheiß darauf geben, trendy angezogen zu sein bzw. es nicht können oder wollen. Das ist einfach so und finde ich auch in Ordnung.  Vielmehr habe ich ein Problem damit, wie ich dann betrachtet werde. Komische Blicke – und das nur, weil ich heute mal wieder eine große Kette trage? Warum? Und wo bleibt da die Toleranz? Ich verziehe mein Gesicht doch auch nicht zu einer Fratze, wenn mir mein Gegenüber nicht gefällt. Manchmal kommt einem dann der Gedanke des Nichtdazugehörens, ein Unwohlsein in der Menge und dann blicke ich neidisch auf die Juristen oder die Damen der BWL, welche stolzen Hauptes mit ihren schwindelerregenden High Heels über den Campus flanieren, als sei es der Catwalk höchstpersönlich. Dort können sie sich ausleben und werden nicht schief angesehen.
Eine weitere Erfahrung, die ich machen musste in den letzten Jahren ist die, dass viele unserer Zeitgenossen scheinbar Vorurteile haben gegen gut oder modisch angezogene Menschen. Schon oft kam es vor, dass ich belächelt wurde, vermutlich in Gedanken als oberflächliches Püppchen abgestempelt. Wenn ich dann aber den Mund geöffnet habe und etwas Intelligentes dabei herauskam, wurde gestaunt. Dieses Vorurteil ärgert mich, denn Mode ist doch nur mein Hobby. Heißt das automatisch, dass ich dumm sein muss? Dass ich mich für nichts anderes interessiere? Ist es wirklich so unvorstellbar, dass ich trotz Blazer, Kette&  Co. Tolstoi der Vogue vorziehe?   Ich lerne gerne und viel, lese interessiert die Klassiker der Weltgeschichte, überlege mir, wie ich später Unterrichtsstunden interessant und aufregend gestalten kann- aber ebenso gern gehe ich eben auch shoppen oder stelle Outfits zusammen. Das sind nun einmal zwei Dinge, die unterschiedlicher nicht sein könnten, aber trotzdem Teil meiner Persönlichkeit sind.

all via weheartit.com/


Wahrscheinlich denke ich viel zu sehr darüber nach, was andere denken und letzten Ende ist es eh egal. Warum aber bleibt dann trotzdem dieses komische Gefühl, wenn man einen Raum betritt und angestarrt wird, obwohl man sich in seiner Kleiderwahl pudelwohl fühlt?  Unsicherheit? Fehlendes Selbstbewusstsein? Ich kann es nicht erklären.  Feststeht, dass das Thema sehr heikel sein kann, da man schnell gewillt ist, eine Person als oberflächlich abzustempeln. Aber genau darum geht es mir ja, dass es so viel mehr gibt in einer Person als ihr Äußeres. Sollten wir nicht alle Menschen akzeptieren, so wie sie sind? Vielleicht steckt in der „Barbie“ dir gegenüber eine Intelligenzbestie? Oder  vielleicht kann man mit dem Mädel, das jeden Tag die gleiche Jeans trägt, die glücklichsten Stunden erleben?  
Mich würden eure Meinungen zu dem Thema wirklich sehr interessieren. Lebt ihr eure Leidenschaft für Mode nur in eurer Freizeit aus oder seid ihr auch der besagte Regenbogenfisch im Unischwimmbecken? Wie sieht das an euren Unis/Schulen/Städten aus? Gibt es da auch diesen typischen Studentenlook oder seid ihr vielmehr umgeben von hippen, stylishen, jungen Leuten? Und wie geht ihr damit um, wenn ihr merkt, dass ihr durch euer Äußeres auffallt? Versteckt ihr euch und schwört, das nächste Mal wieder Jeans und T-Shirt rauszukramen oder geht ihr unbeeindruckt weiter und tut so, als würdet ihr die Blicke nicht spüren?

Ich bin dann mal meine Nägel lackieren – während ich "Anna Karenina" lese, versteht sich ;)
Eure

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10 Kommentare

  1. Kann dich gut nachvollziehen. In meinem Studiengang ist das modische Kleiden auch eher zweitrangig. Und da fühle ich mich auch oft wie ein Regenbogenfisch. Ich wechsle dann zwischen sportlich&lässig und elegant&auffällig. Damit ich sozusagen einen Ausgleich habe und bloß nicht abgestempelt werde. Klingt blöd, aber ich mag es, wenn man mich eben nicht einschätzen kann. Und wenn ich von elegant genug hab, kommt eben sportlich ;) Groß abwechslungsreich bin ich gar nicht, ich achte nur sehr auf mein Äußeres, aber das ist eben schon mehr als die anderen tun (oder so wirkt es auf mich).
    http://emmadbnice.blogspot.de/

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    1. Ja, genau das meinte ich. Aber es ist ja eigentlich schlimm, wenn man sich "verstellen" muss, nur um nicht blöd angeguckt zu werden. Die Methode mit dem Wechsel mache ich aber auch, da man sich ja sowieso jeden Tag anders fühlt und anzieht. Zumindest geht mir das so, dass ich mich je nach Stimmung kleide :)

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  2. Oh, den Text finde ich toll!
    Mir geht es oft genau so. Zwar bekomme ich für meinen Stil oft Komplimente, werde aber auch in die 'Hipster' Schublade gesteckt, obwohl ich nicht mal genau weiß, was das jetzt bedeuten soll. Ist man Hipster, wenn man einen eigenen Stil hat? Ich lasse mich nicht gern in Schubladen stecken.. Naja. Aber mir fällt das in meiner Schule auch auf, dass alle gleich rumlaufen. Jeans, Chucks/Ballerinas und Abercrombie/ Hollister Zeug. Nichts gegen die einzelnen Marken, aber du hast Recht. Das ist furchtbar langweilig.

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    1. Ja, dieses Schubladen-Denken ist wirklich nervig, da man ja so viel mehr zu bieten hat als gesamte Persönlichkeit. Und die Definition von Hipster kann ich dir auch nicht genau erklären, den Begriff finde ich sowieso sehr komisch :D

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  3. Du kannst so wunderschön schreiben und studierst somit definitiv das richtige!
    Ich mag deinen Blog sehr!

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  5. sehr schöne Inspiration!
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  6. ich kenne das. besonders in mint fächern möchte man da als mädel nicht auffallen. kommt direkt tussig rüber. hab niemals hohe schuhe getragen, immer sehr dezent geschminkt... ich würde allerdings selber etwas komisch gucken, wenn da plötzlich ein mädchen im rock und heels in die informatik vorlesung rein hüpft. da weiß man direkt, sie gehört gar nicht hier rein. und das war dann auch zu 100% bisher so ;)

    ist halt eher so ein studienfach, wo man prinzipiell nicht sooo viel auf sein äußerliches achtet. da gibt es nicht mal einen "style"...man hat einfach was an, was da war und gemütlich ist. ich mags :) das sieht man jetzt sogar bei mir auf der arbeit, dass das in der IT auch im berufsleben größtenteils so aussieht.

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